Gewittervorschau 18.-22.08.2019

Der Sonntag verspricht noch mal nächtliche Gewitter

Am besten nehmen wir es gleich vorweg: Der vor einer Woche für beendet erklärte Hochsommer unternimmt noch mal einen letzten Versuch, muss sich aber als Eintagsfliege am Sonntag zufrieden geben – und dann ist endgültig Schluss. Gerade mal vier Tage hielt die etwas kühlere Westlage (die regional in erhöhten Lagen immerhin den ersten Bodenfrost brachte), heute Samstag dreht die Strömung bereits wieder auf Südwest und führt noch mal sehr warme bis heisse Luft zur Alpennordseite. Danach wiederholt sich das Spiel vom letzten Wochenende bzw. Montag und eine nahezu stationäre Front fordert uns Prognostiker heraus. Wir wollen nicht hoffen, dass sich dieses 7-Tage-Muster nun durch den ganzen Spätsommer zieht, da diese schleifenden Fronten den auch heute immer noch zu trockenen Gebieten fast gar nichts bringen und immer wieder dieselben Regionen „beglücken“.

Um die grossräumige Wetterlage zu verstehen, schauen wir heute mal auf den Jetstream:

Der Jetstream greift auf dem Atlantik für die Jahreszeit aussergewöhnlich weit nach Süden aus, das Azorenhoch ist zumindest in der Höhe inexistent und auch am Boden nur schwach ausgeprägt. Erst auf dem Kontinent wird der Jetstream nach Norden umgelenkt, und zwar genau vor unserer Nase. Aufgrund der stark gedrängten Linien ist das Pluszeichen auf der Alpennordseite nur schlecht zu erkennen, aber es zeigt eine starke Divergenz in der Höhe an, das Sonntagnacht präfrontal für einen mächtigen Hebungsantrieb sorgt. Allerdings findet dieser in föhnbedingt trockener Luft statt. Sollten sich aber irgendwo Feuchtenester versteckt halten, kann eine solche Konstellation rasch sehr ungemütlich werden.

Doch zuvor zeigt sich der Sonntag von der sonnigen, bis in den frühen Nachmittag sogar weitgehend wolkenlosen Seite. Die Temperaturen steigen noch mal in den Hitzebereich: 30 Grad sind am Rhein zu erwarten, bis zu 32 Grad mit etwas Föhnunterstützung etwa in Chur und im Zentralwallis. Für die Alpinisten unter uns sei noch erwähnt, dass der Südwestwind in der Höhe bereits in der Nacht auf Sonntag und somit auch am Sonntagmorgen recht stark weht: Mit Böen von etwa 60 km/h in 2500 m ist zu rechnen, was vor allem an exponierten Graten noch ruppiger werden kann. Tagsüber lässt aber dieser Wind vorübergehend nach und somit steht einem risikofreien Wandertag nichts im Weg. Zum späteren Nachmittag nehmen die Wolken in höheren und mittleren Schichten allmählich zu, auch Quellwolken gesellen sich hinzu, haben aber aufgrund der starken Deckelung vorerst noch kaum Chancen für Überentwicklungen. Richtig spannend wird es erst, wenn sich die Front aus Frankreich nähert und das hohe Geopotenzial abgebaut wird. Man mache sich keine Illusionen darüber, den zeitlichen und örtlichen Beginn der Gewitteraktivität bereits heute kennen zu wollen: Letzte Woche haben wir mal wieder eindrücklich vorgespielt bekommen, wie bei Südwestlagen die Hauptaktivität locker über die Voralpen statt wie modelliert über den Jura ziehen kann. So erstaunt denn auch nicht, dass die Modelle genau diese bunte Palette zeigen: Am Sonntagabend wird entweder zuerst die Juraschiene zünden oder auch die Voralpenschiene – oder beide zusammen, was auch ein Ausgreifen ins Mittelland wahrscheinlich macht. Da der Höhenwind vor allem über dem Jura stark anzieht, ist mit Zuggeschwindigkeiten von rund 70 km/h zu rechnen. Diese Geschwindigkeitsscherung zusammen mit der bereits erwähnten Höhendivergenz verursacht hohes Hagelpotenzial, auch schwere Sturmböen sind in der Nordschweiz sowie am Jurasüdfuss (Joran) möglich. In solchen Situationen sagt eine alte Meteorologenweisheit: Rechne mit allem, um dann doch überrascht zu sein, wenn es anders kommt…

Am Montag liegt dann die Front irgendwo – sei es direkt über den Alpen, vielleicht auch mal nördlicher oder südlicher. Man mache sich erst gar nicht die Mühe, die Wellen in einem höher aufgelösten Modell zählen zu wollen:

Lesart der heutigen Ausgabe (die selbstverständlich in 48 Stunden noch ein paar Mal ändern kann): Am Montag tagsüber sorgt schwacher Zwischenhocheinfluss für eine leichte Beruhigung, am Nachmittag oder Abend wird die Front aber wieder aktiviert. Wo genau, das lassen wir vorerst noch offen. Jedenfalls wird wie schon vor einer Woche über viele Stunden hinweg bis in den Dienstag hinein immer wieder gewittriger Starkregen über dieselben Gebiete ziehen und hohe Niederschlagssummen mit den üblichen Begleiterscheinungen bringen.

Irgendwann im Verlauf zwischen Dienstagabend und Mittwoch wird die Front dann nach Osten abziehen oder wird langsam durch ansteigenden Druck am Boden geschwächt. Allerdings soll nach den meisten Modellen in der Höhe noch eine Trogstruktur erhalten bleiben, sodass überhaupt noch nicht klar ist, wie rasch es abtrocknet und wann sich allmählich wieder die Sonne durchsetzt. Nebenbei darf noch bemerkt werden, dass in der Nacht auf Mittwoch in den Nordalpen die Schneefallgrenze auf 2500 m, möglicherweise (so denn noch Niederschlag fällt) sogar etwas tiefer sinkt. Allerdings wird das, was liegenbleibt, wohl nicht mehr als ein paar Stunden, eventuell ein bis zwei Tage liegen bleiben. Denn obwohl noch nicht klar ist, wie rasch der Prozess abläuft: In der zweiten Wochenhälfte soll die Strömung auf Ost bis Südost drehen und wieder wärmere Luftmassen bringen. Wie stabil die folgende Wetterlage wird und somit die erste spätsommerliche Hochdruckphase einleitet oder ob schon bald aus Westen neues Ungemach aufzieht, müssen wir allenfalls in einer Woche näher anschauen.

Gewittervorschau 09.-15.08.2019

Irgendwann kommt es recht zuverlässig – wenn wir nicht gerade das Jahr 2018 oder 2003 schreiben – in der Regel zwischen dem 10. und 20. August: das Hochsommer-Ende. Dieser Knall, einhergehend mit einer Umstellung der Grosswetterlage, steht uns dieses Jahr auch wieder bevor. Ist die subtropische Luftmasse Mitte August in Mitteleuropa mal ausgeräumt und etabliert sich dahinter eine mässig warme West- oder gar kühle Nordwestlage, dann wird es mit dem rapide sinkenden Sonnenstand und kürzer werdender Tageslänge zunehmend schwierig, die Luft noch mal auf hochsommerliche Werte aufzuheizen. Kommt danach irgendwann noch mal eine warme Luftmasse aus südlichen Gefilden zu uns, ist die Atmosphäre in der Regel bereits recht stabil geschichtet, sodass es schwierig wird, noch mal eine Schwergewitterlage zu produzieren. Also ja: Die aktuelle Konstellation sieht ganz danach aus, als wäre das kommende Wochenende die letzte Gelegenheit in dieser Saison, noch mal wirklich heftige Gewitter bestaunen zu können – oder je nach persönlicher Präferenz: Man darf danach froh sein, dass die Wahrscheinlichkeit für schadbringende Unwetter markant sinkt.

Das Titelbild zeigt die aktuelle Ausgangslage heute Freitagabend mit der Höhenströmung in rund 5500 m. Wenn man ganz genau hinschaut (ein grösseres Bild lässt sich mit einem Klick öffnen) dann erkennt man, wie die Höhenströmung über der Schweiz von antizyklonal (Wind dreht im Gegenuhrzeigersinn) auf zyklonal (Uhrzeigersinn) wechselt. Das ist natürlich in der dieser Auflösung nur ganz grob: In der Strömung eingebettet können kleine Wellen oder Kurzwellentröge liegen, die – falls überhaupt – nur von hoch auflösenden Modellen erkannt werden. Über dem Jura beträgt die Windgeschwindigkeit in 3000 m Höhe bereits 70 km/h, in 5500 m knapp 100 km/h, also liegt eine extreme vertikale Scherung vor, was nicht nur sehr hohe Zuggeschwindigkeiten der sich nähernden schleifenden Front zur Folge hat, sondern das Potenzial für grossen Hagel und heftige Sturmböen birgt. Die alles entscheidende Frage ist nun, wie rasch die Front vorankommt und das Mittelland erfasst. Die Modellwelt ist sich dahingehend einig, dass dies in der zweiten Nachthälfte oder am frühen Morgen des Samstags geschieht – allerdings nicht, in welchem Zustand die ins hohe Geopotenzial hineinlaufende Front hier ankommt und wie weit sie es als aktive Front noch schafft. Denn im Lauf des Samstags wölbt sich sowohl der Höhenrücken erneut auf, wie auch am Boden der Druck bereits wieder steigt. Die Front wird also irgendwo quer über der Schweiz liegend aufgerieben:

Bei aller Modellunschärfe kann man mal davon ausgehen, dass der Vormittag in weiten Teilen des Mittellandes, eventuell auch in den Westalpen inkl. Wallis verregnet wird, wobei auch Gewitter eingelagert sein können. Da es sich um eine schleifende Front handelt, können die Niederschlagmengen dort, wo die Front über Stunden hinweg entlang zieht, recht hoch ausfallen. Am grössten ist die Gefahr von Überflutungen wahrscheinlich im Jura und in der Nordschweiz. In Richtung Alpen verliert die Front immer mehr an Aktivität und wahrscheinlich löst sie sich um die Mittagszeit oder am frühen Nachmittag in Wohlgefallen auf – es ist also gut möglich, dass die Ostschweiz sogar trocken bleibt. Da die feuchte Warmluft inneralpin nicht ausgeräumt wird, muss man hier (insbesondere vom Nordtessin bis ins Graubünden) am Nachmittag und Abend mit einigen Gewittern rechnen, in den anderen Gebieten sollte es am Abend trocken bleiben.

Der Sonntag beginnt unter erneutem Hochdruckeinfluss sonnig und es wird noch mal heiss. Aus Südwesten wird aber im Tagesverlauf zunehmend energiereiche, sprich feuchtere Luft (sehr warm ist sie ja bereits) zugeführt. Am Boden bildet sich ein Hitzetief und in der Höhe rückt die extreme Höhenströmung mit der nächsten wellenden Front wieder näher:

Vergleicht man die Luftmassengrenze über Frankreich mit jener vom Samstag, dann sieht man den Unterschied sofort: Der Temperaturgradient ist auf kürzerer Distanz viel extremer. Das wäre dann eben: tschüss Hochsommer! Was genau da in der Nacht auf Montag geschieht, ist aufgrund der zeitlichen Distanz noch schwierig einzuschätzen, zumal die hoch aufgelösten Modelle noch gar nicht bis dahin rechnen. Zum Teil werden aber bereits am Sonntagabend heftige Entwicklungen gerechnet, fragt sich nur: Bleibt es vorerst noch auf den Jura beschränkt oder kommt es auch aus den Voralpen heraus zu Schwergewittern mit Hagel und Sturm? Die noch weitaus höheren Windgeschwindigkeiten in der Höhe lassen jedenfalls keine Zweifel aufkommen, dass da ordentlich Potenzial für schwere Schäden vorhanden ist:

Man sieht in dieser Modellvariante aber auch, dass die südöstliche Hälfte der Schweiz noch unter dem Einfluss des Hochdruckrückens liegt. 100 Kilometer mehr oder weniger oder eine Verschiebung um 3 bis 6 Stunden ist aber auf diese zeitliche Distanz ein Klacks, also sollte man besser bereits am Sonntagabend auf alles gefasst sein. Und sonst wird es spätestens in der Nacht auf Montag ruppig. Auf jeden Fall folgt dann der Luftmassenwechsel sehr rasch und mit der Winddrehung auf West bis Nordwest wird die ganze Feuchte an der Alpennordseite gestaut.

Der Montag zeigt sich also trüb, regnerisch und kühl, wobei es bei der Niederschlagsmenge insbesondere im Nordstau noch einige Fragezeichen gibt. Manche Modellfantasien schiessen völlig ins Kraut, also sollte man zumindest darauf gefasst sein, dass hier und da Bäche oder kleinere Flüsse über die Ufer treten können.

Spätestens am Dienstag wird einem dann bewusst, dass der Hochsommer vorbei ist. Nämlich dann, wenn der Niederschlag nachlässt und die Wolken trotzdem nicht so recht aufreissen wollen und die Temperatur unter 20 Grad verharrt. Die folgenden Tage bleiben eher kühl, wobei noch nicht ganz klar ist, wie gut sich die Sonne wieder durchsetzen kann. Tut sie dies zumindest zeitweise, liegen etwa 22-24 Grad drin, das ist also noch nicht gerade Herbst, aber eben auch nicht mehr so richtig Sommer. In der Westströmung eingebettet wird auch die eine oder andere Störung im Verlauf der Woche vorbeischauen, in dieser energiearmen Luftmasse wird es jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr für Gewitter reichen. Immerhin müssen wir aber noch nicht gleich über die Schneefallgrenze sprechen…

Gewittervorschau 26.07.-01.08.2019

Verclusterte Gewitterzellen mit sehr starkem Regen und kleinkörnigem Hagel prägen den Samstag

Auch wenn die Details noch unklar waren, so hat sich bereits letzte Woche abgezeichnet, dass auch diese Woche die Tage mit der stärksten Gewitteraktivität auf das Wochenende fallen. Zu verdanken hatten wir diese relative Sicherheit dem starken Hoch über Mitteleuropa, das für die aktuelle Hitzewelle besorgt war. Dass sich dieses Hoch nach Skandinavien verschieben wird, darüber waren sich die Modelle einig – einzig der Zeitpunkt und wie rasch sich die flankierenden Tiefs über Mitteleuropa ihr Stelldichein geben, war noch längere Zeit unklar. Und wieder mal hat sich in dieser Frage der Hauptlauf des EZMWF als am konstantesten erwiesen: Dass die Kaltluft bereits von Donnerstag auf Freitag bei uns eintreffen soll, hat sich als zwischenzeitliche Phantasie der anderen Modelle entpuppt. Nächste Woche sieht das völlig anders aus: Mit der Normalisierung der Zirkulation ist wechselhaftes Westwetter angesagt. Die genaue zeitliche Abfolge von Tiefs und Zwischenhochs kann heute noch nicht abschliessend eingeschätzt werden.

Die grossräumige Ausgangslage präsentiert sich wie folgt:

Unser Mitteleuropahoch wird von den beiden flankierenden Omega-Tiefs aus Osten und Westen abgeschnürt und nach Norden gedrängt, dabei wird für uns der Westeuropa-Trog wetterbestimmend. Auf seiner Vorderseite gelangt aus südwestlicher Richtung nach wie vor sehr warme, aber auch zunehmend feuchte Luft in den Alpenraum. Dabei setzt in allen Höhenlagen massiver Druckfall ein, was zu Konvergenzen und Hebung führt: zusammen mit der energiereichen Luft der optimale Zutatenmix für heftige Gewitter.

Am Freitagnachmittag beginnt die Entwicklung von Gewittern wie üblich im Hochsommer bei noch flacher Druckverteilung und wenig Bewegung in allen Luftschichten über den Alpen. Damit wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die erfahrungsgemäss sehr chaotisch verlaufen kann, wenn aus den höheren Schichten keine eindeutige Verlagerungsrichtung vorgegeben ist:

Zwar ist eine zunehmende Tendenz zu Südwest in rund 3200 m Höhe erkennbar, die Geschwindigkeit ist aber mit rund 20 km/h noch sehr bescheiden. Die Verlagerung der Gewitter ist also nur zu einem geringen Teil grossskalig vorgegeben, sondern folgt der Orographie und zufällig entstehenden Konvergenzen. So wird es beispielsweise für die weitere Entwicklung von grosser Bedeutung sein, ob sich der erste Gewittercluster im westlichen oder östlichen Berner Oberland bildet und ob dessen Outflow eher über den Brünig oder durch das Aaretal abfliesst und dort weitere Zellen triggert. Wann und wo also ein starkes Gewitter durchzieht, ist von vielen Zufällen abhängig und wieder einmal Nowcastingsache. Klarer ist hingegen der Charakter der Gewitter: Durch die geringe Scherung sind Superzellen und grosser Hagel eher ausgeschlossen, kleiner bis mittelgrosser (schätzungsweise 2 bis max. 3 cm) Hagel kann aber durch die hohe Energie und starken Auftrieb durchaus auftreten. Die grösste Gefahr geht von Überflutungen aus, denn die Luft ist in allen Schichten sehr feucht und hält enorme potenzielle Regenmengen bereit, was lokal durch die langsame Verlagerung der Zellen noch verstärkt wird. Das Sturmpotenzial ist hoch und betrifft zu Beginn lokale Downbursts. Vor allem mit dem zunehmenden Alter der Gewittercluster können Sturmböen den Gewittern weit voraus eilen. Werden sie durch Täler kanalisiert, ist auch mit schweren Sturmböen lokal von 90 km/h und mehr zu rechnen. Noch etwas unklar ist die Lebensdauer der Cluster. Es würde aber nicht erstaunen, wenn durch die Eigendynamik Mesotiefs entstehen, die bis in den späten Abend hinein noch recht weit durchs Flachland ziehen.

In der Nacht zum Samstag wird es wohl nur kurzzeitig ruhiger, denn das aufrückende Tief aus Westen bringt weitere Unruhe in die Atmosphäre. Mit neuen Entwicklungen bereits in den frühen Morgenstunden aus dem Jura und den Alpen heraus ist zu rechnen, erfahrungsgemäss bringen diese Morgengewitter aber noch nicht das grosse Unwetterpotenzial.

Am Samstagnachmittag geht das Spiel dann von vorne los, allerdings mit einem gewichtigen Unterschied zum Freitag:

Während die Temperatur im 500 hPa-Niveau noch etwa gleich wie am Vortag bei rund -10 Grad verharrt, sickert in den tieferen Schichten bereits eine um ungefähr 5 Grad kühlere Luftmasse ein. Folge davon: Die Labilität nimmt ab, nicht aber die Feuchte und die Hebung. Dadurch bleibt die Gefahr von Starkregen mit lokalen Überflutungen bestehen (die Gewitter ziehen nur unwesentlich schneller als am Freitag), das Hagelrisiko beschränkt sich aber auf kleinkörnige (aber möglicherweise sehr dichte) Ansammlungen und auch die Sturmböen werden nicht mehr ganz so giftig sein. Am Abend dreht der Wind mit dem Durchschwenken des Bodentiefs nach Osten allmählich auf westliche bis nordwestliche Richtung, wodurch sich in der Nacht auf Sonntag der Regen noch längere Zeit an den Nordalpen stauen und für ergiebige Mengen sorgen kann.

Am Sonntag selbst wird es interessant, was die eingangs erwähnten Omegatiefs genau vorhaben:

Nach dieser Version des amerikanischen Modells soll das östliche Tief über Norddeutschland nach Westen ziehen und das westliche Tief südlich der Alpen nach Osten, wodurch die Alpennordseite quasi ins Niemandsland gerät. Trifft das so ein, dürfte sich das Wetter am Sonntag im Norden rasch beruhigen, während Gewitter mit dauerhaften Starkregen möglicherweise noch die Alpensüdseite längere Zeit behelligen (möglich ist aber auch bei ausreichend südlicher Zugbahn, dass die Unwetter in der Poebene verbleiben). Da wir aber wissen, dass solche Cut-Offs gerne ein eigenwilliges Leben führen, sollte man sich auch 48 Stunden vor dem Ereignis noch nicht allzu sehr darauf verlassen. Das gilt folgedessen auch für die weitere Entwicklung am Montag und Dienstag. Zwischenhoch mit ruhigem, mässig warmem Wetter wahrscheinlich, Überraschungen aber nicht völlig ausgeschlossen.

Die Zirkulation soll sich in der Folge normalisieren, da das Skandinavienhoch nicht wie ursprünglich gerechnet zurück nach Süden plumpst (die ehemaligen Omega-Tiefs bilden eine zonal ausgerichtete Tiefdruckrinne, die dem Hoch den Weg zurück versperren), sondern mitsamt seiner Heissluft den Grönländern einen Besuch abstattet und dort für eine aussergewöhnliche Schnee- und Gletscherschmelze sorgen soll:

Damit stellt sich bei uns eine wechselhafte und mässig temperierte Westlage ein. Noch nicht klar ist, wann das nächste Randtief bei uns eintrifft: Je nach Modell kann das bereits am Dienstagabend geschehen, im Lauf des Mittwochs – oder gar nicht: Nämlich dann, wenn die Zugbahn nördlicher liegen sollte als in der Karte oben gezeigt. Jedenfalls macht diese Unsicherheit eine Prognose zur Bundesfeier am 1. August derzeit noch sehr unsicher. Die Chance, dass sich gerade zum Donnerstag eine ruhige Phase einstellt, ist aber durchaus intakt.

Gewitter- und Hitzevorschau 19.-25.07.2019

Man könnte es sich einfach machen als Blogautorin: Beitrag vom 21. Juni kopieren, ein paar Sätze ändern, Karten durch aktuelle ersetzen und fertig. Da dies nicht der Arbeitsmoral der Autorin entspricht und doch einige Details von der Lage vor einem Monat abweichen, wird solcherlei „Aufgewärmtes“ unserer Leserschaft nicht zugemutet, das erledigt das Wetter schon selbst. Kurzum: Nach den zwei gemässigten Wochen mit Lufmassen aus meist nordwestlicher Richtung steht die nächste Hitzewelle ins Haus, diesmal angetrieben von einem lehrbuchmässigen „Hoch Mitteleuropa“. Dass diese pünktlich zum Beginn der Hundstage eintritt, ist Zufall, wenn auch der langjährigen Statistik Rechnung tragend. Offen ist noch, wie lange die Hitzephase diesmal dauern wird.

Die paar Regengüsse und Schwachstrom-Gewitterchen am Freitag, wie in den vorangegangenen Tagen mehrheitlich auf das Gebiet südlich und östlich des Gotthards beschränkt, sind kaum der Rede wert. Bis Sonntag ist noch eine antizyklonale Westlage vorherrschend, inzwischen der Klassiker im Hochsommer mit sehr warmem Alpenraum inkl. Süddeutschland und stetig über Norddeutschland hinwegziehenden Fronten, deren kümmerliche Reste gelegentlich bis zu uns vordringen. In der Titelgrafik erkennen wir ein kleines, eingebettetes Tröglein, auf dessen Vorderseite die Höhenströmung vorübergehend auf Südwest dreht und uns am Samstag heisse Luft bringt.

Waren die Modelle für Samstag in den letzten Tagen noch mehrheitlich auf Krawall gebürstet, so scheint sich nun auch dieser Einschub von Labilität als relativ zahm zu entpuppen: Zu stark ist der Einfluss des sich immer häufiger bis zu den Alpen ausdehnenden Subtropenhochs. Die Höhen“kalt“luft kommt gerade mal mit -13 Grad in 5500 m daher. Entsprechend bekunden auch die hoch aufgelösten Kurzfristmodelle ihre liebe Mühe mit dieser Pseudo-Südwestlage (in den Alpen wird sogar ein kurzer Föhnschub gerechnet). Während die COSMO-Varianten wie auch Euro4 am Nachmittag einige doch anschauliche Gewitterzellen in den Alpen rechnen, die auch die Voralpenschiene aktivieren können, will Arome davon nichts wissen und beschränkt die Gewitteraktivität auf den Jura am Abend, die in der Nacht möglicherweise aufs Mittelland übergreift. Also wird es wieder mal auf Nowcasting, sprich sehr kurzfristige Prognosen hinauslaufen, was den einen oder anderen Veranstalter mitunter etwas nervös machen könnte. Während also noch nicht klar ist, wen es zu welcher Zeit überhaupt treffen könnte, ist die Art der Gewitter schon etwas klarer: In der recht zügigen Höhenströmung handelt es sich um rasch ziehende (ca. 50 km/h), mitunter linienförmig verbundene Zellen, was zumindest das Risiko von Überflutungen mindert. Hingegen ist die Scherung gut für mittelgrossen Hagel und wie immer bei solchen Lagen muss man damit rechnen, dass heftige Sturmböen auftreten. Auch die Gefahr von lokalen Downbursts ist aufgrund der trockenen Grundschicht erhöht – immer vorausgesetzt, dass sich die Gewitter überhaupt weit genug entwickeln können.

Die Sache zieht sich wahrscheinlich noch etwas in den Sonntag hinein, denn die schleifende Kaltfront soll genau über das Mittelland zu liegen kommen:

Allerdings sieht man bereits, wie sich das Bodenhoch zu entwickeln beginnt und in der Höhe steigt die Temperatur auch schon wieder auf über -10 Grad, kurzum: Die Front wird sowohl von oben wie unten zerlegt. Möglicherweise reicht das mit etwas Restfeuchte im Nordstau der Alpen noch für den einen oder anderen Regenguss am Nachmittag, für Gewitter scheint die Labilität aber bereits nicht mehr auszureichen.

Und dann können wir es kurz machen: Von Montag bis Mittwoch,  ev. noch Donnerstag liegt das Zentrum eines kräftigen Höhenrückens konstant genau über der Schweiz:

Obwohl aus südwestlicher Richtung sehr heisse Luft zugeführt wird, die sich in der Grundschicht allmählich mit Feuchtigkeit anreichert und somit die Schwüle von Tag zu Tag zunimmt, wird es für Quellwolken selbst in den Alpen schwierig, diesen massiven Deckel zu brechen – gute Nachrichten für alle, die schon lange auf Bergtour gehen möchten. Der Höhepunkt der Hitze wird am Mittwoch/Donnerstag mit verbreitet 32 bis 35 Grad erreicht, an den neuralgischen Punkten wie dem Hochrhein, Genf und dem Zentralwallis kann es auch etwas darüber gehen.

Noch unklar ist, wie sich dieses Hoch in der Folge verhält. In obiger Karte ist bereits der Beginn einer Omegastruktur zu erkennen. Die meisten aktuellen Modellläufe gehen davon aus, dass sich das Mitteleuropahoch nach Norden verschiebt und wir von den flankierenden Tiefs sowohl von Westen wie von Osten in die Zange genommen werden. Am progressivsten ist das kanadische Modell, das bereits am Donnerstagabend den Westeuropatrog auf unser Wetter Einfluss nehmen lassen will, nach EZ und den GFS-Ensembles bleibt der Hochdruckrücken ein bis zwei Tage länger wetterbestimmend:

Aus aktueller Sicht könnte es also genau auf das nächste Wochenende wieder spannend werden, wir bleiben selbstverständlich dran!

Gewittervorschau 06.-11.07.2019

Eigentlich müsste jetzt der Hochsommer beginnen. Doch witterungsmässig haben wir bald zwei Wochen Hochsommer hinter uns, und genau jetzt, wo nach der modernen Auslegung der Siebenschläfer-Regel der Hochsommer beginnen sollte, kippt die Grosswetterlage und bringt uns deutlich gemässigtere Temperaturen. Je nach Verlauf – so sicher ist das alles noch nicht, wie manche tun – könnte es nächste Woche erstmals seit Pfingsten wieder ein paar Tage mit Temperaturen unter der jahreszeitlichen Norm geben. Wie das alles eingefädelt wird, ist synoptisch höchst interessant und soll daher am Schluss dieses Beitrags ausgeführt werden, zunächst müssen wir uns aber mit der Gewitterlage am Wochenende auseinandersetzen.

Betrachten wir die grossräumige Verteilung der Druckgebiete und Windströmungen in 5500 m Höhe (Klick auf die Titelgrafik öffnet die grössere Version), so sehen wir eine Westwindlage über Mitteleuropa, wie sie für den Hochsommer gar nicht so unüblich ist. Vom Schwung her natürlich nicht vergleichbar mit Westlagen im Winterhalbjahr, aber dennoch beeindruckend zielgerichtet. Auffällig ist dabei, wie bei uns die Strömungen unterschiedlicher Herkunft zu diesem Westwindband zusammenlaufen: Über Norddeutschland ist es Polarluft aus Grönland, bei uns Subtropikluft. Entsprechend verläuft eine recht ausgeprägte Luftmassengrenze nördlich von uns quer durch Deutschland, wir befinden uns bis Montag (vielleicht sogar noch länger?) auf der warmen Seite:

Am Samstag erreicht uns mit zunehmender Anfeuchtung sehr energiereiche, maritime Subtropikluft, was bei Temperaturen um 30 Grad eine hochexplosive Mischung bereitstellt. Das von einigen Modellen gezeigte Vorgeplänkel um die Mittagszeit ist höchstens dazu geeignet, die zuvor noch trockene Grundschicht anzufeuchten, mit anderen Worten: Es wird nach der erträglichen Hitze vom Freitag unangenehm schwül. Der zu erwartende Sonnenschein am Nachmittag wärmt dann die Suppe so richtig auf, doch der Trigger für die Auslöse liegt im grösserskaligen Bereich, sodass kaum mit lokalen Entwicklungen in den Alpen und Voralpen zu rechnen ist, denn dort drüber liegt wahrscheinlich noch ein recht stabiler Deckel. Zudem: Sollte sich in den Voralpen trotzdem etwas bilden, bleiben diese Gewitter bei der vorherrschenden Westströmung in den Voralpen drin und greifen nicht wie bei einer klassischen Südwestlage ins Mittelland aus. Sehen wir uns die für die Gewitterzugbahnen massgeblichen Windströmungen in etwas über 3000 m Höhe genauer an:

Nebst der fürs Mittelland eher unerheblichen Voralpen-Entwicklung fällt auf, dass von Ostfrankreich über den Jura hinweg bis in die Ostschweiz konvergente Strömungen vorherrschen. Der Jura wird somit nur eine zusätzliche Verstärkung sein, gebildet werden die Gewitter wahrscheinlich bereits weiter westlich. Weiter ist zu beachten: Die mittlere Windgeschwindigkeit und somit auch die Verlagerungsgeschwindigkeit der Gewitter liegt bei etwa 60-70 km/h. Sehr energiereiche Luft, starke Windscherung und konvergente Strömung lässt auf heftige Entwicklungen schliessen. Es ist ab dem späten Nachmittag bis in die Nacht hinein mit grösseren, sehr blitzreichen Clustern zu rechnen, wobei die Regensummen in kürzester Zeit etwa 40 mm betragen können. Trotzdem ist die Überflutungsgefahr dank der hohen Zuggeschwindigkeit nicht das Hauptproblem, sondern mittelgrosser bis grosser Hagel und vorallem (auch zum Teil weit vor den Gewittern vorlaufend, falls ein Cluster bereits eine gewisse Lebensdauer aufzuweisen hat) schwere Sturmböen. Sollte ein erster Cluster nördlich des Juras ziehen, so ist am Jurasüdfuss mit heftigen Joran-Böen aus nahezu heiterem Himmel zu rechnen. Einen genauen Ablauf kann man bei dieser Lage nicht vorhersagen, denn die Kettenreaktionen, die Outflows aus bestehenden Gewittern hervorrufen, können völlig chaotisch ablaufen. Entsprechend wird auch jeder neue Modelllauf wieder ein anderes Szenario auftischen. Das ist zwar nett anzusehen, aber nicht wirklich hilfreich. Auf verlorenem Posten stehen dann wieder mal alle, die sich bei der Planung ihrer Outdoor-Aktivitäten auf Wetter-Apps verlassen.

Am Sonntag wiederholt sich das Spiel, allerdings ziehen die Gewitter vom Vortag schon einige Energie aus der Luft, sodass die Entwicklungen am Sonntag nicht mehr so heftig ausfallen werden. Trotzdem ist weiterhin mit kräftigen Gewittern zu rechnen, denn wir befinden uns immer noch auf der warmen Seite der Luftmassengrenze. Mit nachlassender Windgeschwindigkeit in der Höhe nimmt die Sturm- und Hagelgefahr etwas ab, hingegen das Risiko für Überflutungen zu. Ohne Deckelung des sich nach Süden verkrümelnden hohen Geopotenzials wird es unorganisiert und verbreitet auslösen und somit auch recht flächig nass.

Am Montag rückt die Luftmassengrenze noch ein Stück näher, es ist noch weniger Energie in der Luft, und zudem fängt aus Westen bereits ein aufrückender Hochdruckkeil an zu wirken. Mit dem in den unteren Schichten auf Nordwest drehenden Wind verlagert sich die Schauer- und Gewittertätigkeit zunehmend in die Alpen, im westlichen und zentralen Mittelland sowie in der Nordwestschweiz wird es wohl im Lauf des Tages allmählich trocken.

Dabei dürfte es ab Dienstag auch bleiben: Der Hochdruckeinfluss und die aus Nordwesten einfliessende trockenere Luft lassen im Flachland und wahrscheinlich auch im Jura keine Entwicklungen mehr zu. In den Alpen muss hingegen mit Tagesgangwetter und entsprechenden, teils gewittrigen Regengüssen gerechnet werden.

Die Entwicklung in der zweiten Wochenhälfte wird dann zunehmend unsicher. Grund dafür ist eine recht seltsame Entwicklung der nordhemisphärischen Zirkulation. Die eingangs erwähnte Westlage wird nämlich durch eine aus Norden einwandernde Hochdruckzelle massiv gestört. Noch ist nicht klar, in welchem Zustand und vor allem wo genau diese in Europa eintreffen, und welche Verbindung sie mit dem Azorenhoch eingehen wird. Die Geschichte ist mehr als kurios und kann eigentlich nur mit den massiv veränderten Verhältnissen in der Arktis erklärt werden. Man achte am Beginn der Animation auf das nördliche Zentralsibirien, wo sich ein weit nach Norden aufgesteilter Hochdruckrücken mit sehr warmer Luft im Gepäck vom Subtropenhoch abkalbt und sich selbständig macht:

Nach dem gängigen synopischen Verständnis müsste sich die Warmluft über dem vereisten Nordmeer derart abkühlen, dass auch das Hoch in der Höhe zum Sterben verurteilt ist. Wie wir aber wissen: Vereistes Nordmeer war einmal. Das Hoch zieht unbehelligt über Novaja Semlja und verstärkt sich über Spitzbergen sogar nochmal, um dann geradewegs nach Süden Richtung Europa zu ziehen. Dort sorgt es dafür, dass die jetzt noch über dem Nordmeer und Skandinavien lauernde Kaltluft erst mal zu uns runter gedrückt wird, das verursacht die etwas kühlere Phase bei uns zur Wochenmitte. Spannend wird es dann, wenn sich dieses Hoch zentralasiatischer Herkunft mit Arktis-Odyssee bei uns mit dem Azorenhoch verbindet. Es könnte (muss aber nicht) der Beginn einer neuen Hitzewelle oder zumindest einer trockenen Phase sein, denn bekanntlich benötigen wir im Hochsommer keine südlichen Luftmassen dazu, das produzieren wir mit viel Sonnenschein unter einem fetten Hoch auch selbst. Affaire à suvire…

Hitzevorschau 21.-27.06.2019

Das Motto der nächsten Woche lautet: Möglichst nah ran an die Quelle!

Wie jetzt… keine Gewittervorschau??? Ja doch, ein klein wenig schon. Aber das dominierende Thema der nächsten Tage wird die Hitzewelle sein, die – nach dem aktuellen Stand der Modelle und bereits seit einigen Tagen recht zuverlässig gerechnet – auf uns zurollt. Nun impliziert ja Hitze in unseren Gefilden fast automatisch auch Gewitter, doch gerade in diesem Punkt ist es interessant, die nächsten Tage etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und auch Hitze ist nicht gleich Hitze, da dürfte in der nächsten Woche so ziemlich das ganze Spektrum abgerufen werden von noch relativ angenehm trocken-heiss bis tropisch anmutend, vor allem zum Ende hin (wobei dieses zeitlich noch alles andere als fixiert ist, so viel sei schon mal vorweggenommen). Egal wie man persönlich zur Hitze steht, synopisch ist die Lage auf jeden Fall höchst spannend, zumal kleine Veränderungen in der Positionierung der Druckfelder rasch mal grössere Auswirkungen auf das regionale Wetter haben können.

Doch zunächst können wir uns doch noch den Gewittern widmen. Dabei kann man Freitag und Samstag zusammenfassen:

Die Ausgangslage zeigt etwas untypisch für eine Südwestlage ein Zwischenhoch über Frankreich, das bis Sonntag nördlich der Schweiz nach Nordosten zieht und am Boden eine Bisenlage verursacht. Dabei schleift während der ganzen Zeit die Kaltfront über uns hinweg, in der Karte als Grenze zwischen den orangen und gelben Tönen zu erkennen. Wir haben also in der Höhe Südwestwind und am Boden Nordostwind, ausreichend Feuchtigkeit, mässige Labilität und als Zugabe Reste von Warmluftnestern in den Alpentälern. Entsprechend bekunden die Wettermodelle Mühe, was mit diesem kuriosen Mix anzufangen sei. Als Meteorologe steht man da wie der Esel am Berg, denn genausogut könnte man auch eine Münze werfen: Kopf oder Zahl – Gewitter oder keine Gewitter? Eins ist klar: Nass kann es fast überall während diesen zwei Tagen mal werden. Die Frage stellt sich nach der Form und der Intensität. Ich würde sagen: Es hängt davon ab, ob sich in der Wolkendecke auch mal längere Sonnenfenster auftun, damit die Suppe aufgeköchelt wird. Wenn ja, dann können rasch Gewitter entstehen, einzelne davon mitunter auch kräftig, aber kaum organisiert, was das Hauptaugenmerk vor allem auf den Starkregen richten lässt. Ohne Unterstützung unseres Tagesgestirns bleibt es eher bei schauerartig verstärkten Regenbändern, die durch kleine Wellen in der Front und Hebung in höheren Luftschichten begünstigt werden. Das alles mag ja verdammt gescheit klingen, und trotzdem hilft es der geschätzten Leserschaft, die ganz einfach wissen möchte, ob ihr Anlass an diesem Wochenende einigermassen trocken über die Runden kommt, herzlich wenig. Daher noch ein kleiner Versuch der Präzisierung, ohne Gewähr: Am Freitag ist die Luft noch einen Tick wärmer und energiereicher als am Samstag, das Risiko für ein kräftiges Gewitter ist somit Samstag etwas geringer, wenn auch ein ordentlicher Regenguss auch nicht immer angenehm ist. Und als regionale Eingrenzung kann man noch hinzufügen, dass die energiereicheren Luftnester in den Alpentälern lauern, dort das Risiko für Gewitterauslöse somit höher ist als im Mittelland oder in der Nordwestschweiz.

Deutlich konkreter kann man für den Sonntag werden: Über Westeuropa beginnt sich ein Hochdruckkeil aufzubauen, die Feuchtigkeit wird damit gleichzeitig nach Osten verdrängt und von oben her abgetrocknet. Im Osten bedeutet dies am Vormittag noch etwas hartnäckige, hochnebelartige Restbewölkung, es sollte aber bereits überall trocken sein. Im Lauf des Tages setzt sich landesweit die Sonne durch und man kann noch einmal angenehm sommerliche Temperaturen um 25 Grad geniessen.

Und dann beginnt sich mit dem Wochenstart die Hitzewelle aufzubauen:

Wir sehen hier den prognostizierten Temperaturverlauf der verschiedenen Wettermodelle in rund 1600 m Höhe. Als grobe Faustregel kann man für Bern 11 Grad draufrechnen, für Basel 14 Grad, das tiefere Mittelland liegt entsprechend der Höhenlage dazwischen. Wenn sich nicht gerade die extremsten Modellläufe durchsetzen, dann gibt der grobe Rahmen Höchstwerte zwischen 33 und 37 Grad vor. Die ominöse 40, die bereits seit einigen Tagen verschiedentlich durch den virtuellen Blätterwald geistert, wird allenfalls an Extremstandorten und vermutlich nur ausserhalb der Schweiz (West- bis Nordwesteuropa) erreicht.

Limitierende Faktoren für Rekordwerte könnten sein:
– Schleierwolken, angereichert durch Saharastaub. Die Modelle rechnen aber derzeit die Luft in den höheren Schichten derart trocken, dass die Kondensationkerne wahrscheinlich gar keine Feuchtigkeit vorfinden, die sie an sich binden könnten. Trotzdem sei die Möglichkeit hier vorsorglich erwähnt, diesbezügliche „Überraschungen“ gab es ja bei ähnlichen Wetterlagen zuhauf.
– Die Bodenfeuchte. Durch die verbreiteten Gewitter und Regenfälle der vergangenen Tage und Wochen ist die obere Bodenschicht und die Vegetation derzeit in einem guten Zustand. Ein Teil der Sonnenenergie wird somit für die Verdunstung benötigt. Anders als in den Sommern 2015 und 2003, als die Hitze auf bereits durch wochenlange Trockenheit ausgedörrte Böden traf, muss diesmal nicht mit einem überadiabatischen Zuschlag von 2-3 Grad gerechnet werden.

Und dann wäre da noch die Grosswetterlage. Liess in den letzten Tagen noch das Gespenst einer klassischen Südlage (im Sommer höchst selten), so manchen Modelllauf in utopische Sphären von bis zu 29 Grad im 850-hPa-Niveau entschwinden, so werden nun die steuernden Druckzentren nach und nach etwas westlicher gerechnet. Für Mitteleuropa kommt dabei die Lage Südost antizyklonal heraus, und je nachdem, wie sich die kleinräumigeren Bodendruckfelder anordnen, kann mitunter sogar etwas „kühlere“ Luft aus Nord bis Ost reingemischt werden:

Auf dieser Karte sieht man, wie Polarluft von Island her um das Hoch über Dänemark zuerst nach Osteuropa geführt und dann zu uns umgelenkt wird. Auf diesem langen Weg rund um das Hoch und über den aufgeheizten Kontinent wird die Polarluft allerdings sehr stark erwärmt, aber das ist dann doch eine andere Geschichte, als wenn der Ursprung der Luftmasse in der Sahara liegen würde. Auf der anderen Seite sieht man auch sehr gut den Strom, der ebensolche Saharaluft über Spanien nach Frankreich lenkt. Nach aktuellem Stand müsste die heisseste Luft also in Westfrankreich aufschlagen. Angesichts des noch langen Zeitraums und der bekannten Tatsache, dass einsame Tiefdruckgebiete wie jenes über dem Ostatlantik mitunter sehr eigenwillig sein können, ist das letzte Wort wahrscheinlich noch nicht gesprochen. Dies gilt auch für das Gewitterrisiko in der nächsten Woche: Erreicht uns die knochentrockene Luft aus Osten so wie in der obigen Karte gezeigt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit für Gewitter selbst in den Bergen nahe bei Null. Eine südlichere Anströmung mit mehr Hitze und vor allem mehr Feuchtigkeit vom Mittelmeer her würde die Sache aber schon wieder anders aussehen lassen. Dann haben wir zwar immer noch den immensen Deckel des starken Höhenkeils, der verbreitete Gewitterauslöse hemmt. Bei ausreichendem Feuchteangebot in mittleren Lagen könnten aber die am Boden durch lokale, orografisch bedingten Konvergenzen gesammelten Feuchtepakete (Verdunstung, Schneeschmelze), die kritische Schicht überwinden. Dass solche vereinzelte Gewitter bei diesen extremen Verhältnissen sehr heftig ausfallen können, versteht sich von selbst. Es gilt also in den nächsten Tagen die prognostizierte Anströmungsrichtung in den verschiedenen Höhenlagen sehr genau im Auge zu behalten.

Gewittervorschau 03.-06.06.2019

„Hungerturm“, ein in trockener Höhenluft zum Scheitern verurteiltes Gewitter über dem Jura, 06.06.2016

Besser spät als nie, dafür richtig! So das Motto zur Eröffnung der neuen Gewittervorschau-Saison. Schwachstromgewitter hatten wir in den meist energiearmen Luftmassen mit Höhenkaltluft zwar bereits einige in den vergangenen Wochen, doch sommerliche Gewitter mit Potenzial für gröbere Unwetter liessen noch auf sich warten. Mit dem Beginn des meteorologischen Sommers wird es also höchste Zeit, sich die Sache mal etwas genauer anzuschauen: Kaum merklich, aber stetig haben sich die für den Frühling typischen Kaltluftausbrüche nach Westen verschoben. Haben sie im Mai noch den Alpenraum heimgesucht, rauschen sie nun über dem Ostatlantik in Richtung Westeuropa und Iberische Halbinsel. Östlich davon wird aus südlichen Richtungen sehr warme und zeitweise feuchte Luft nach Mitteleuropa geführt. An der Luftmassengrenze kommt es dabei immer wieder zu heftigen Entwicklungen. Die Herausforderung besteht nun darin, die genaue Lage der Fronten und Konvergenzen Tag für Tag zu bestimmen.

Die einleitende Beschreibung der Grosswetterlage hier noch mal in Kartenform mit der Windströmung in rund 5500 m Höhe:

Die Austrogung über dem Ostatlantik ist in Entwicklung begriffen, sie wird sich in den kommenden Tagen noch vertiefen. Interessant für die Schweiz ist am Montag und Dienstag die Position genau unter einem Höhenkeil zwischen dem neuen Atlantiktrog und einem alten Mittelmeertief. Alles, was aus Westen hereinzieht, läuft also ins hohe Geopotenzial mit trockener Höhenluft und wird ausgebremst. Wir mögen solche Konstellationen überhaupt nicht, denn sie verunmöglichen eine genaue Gewitterprognose – wer Gegenteiliges behauptet, pokert heute hoch 😉

Noch am Sonntagabend waren sich die beiden derzeit führenden, hochaufgelösten Modelle einig: Die Kaltfront produziert über Ostfrankreich am Montag einen Kaltluftpool, der kurz nach Mittag seicht über den Jura schwappt und am Jurasüdfuss einen stürmischen Joran produziert – Gewitterauslöse über dem Jura ist in solchen Fällen eher mau. Der Nordwestwind trifft am frühen Abend an den Voralpen auf ein reichliches Feuchteangebot am Boden und wird zum Aufsteigen gezwungen, entsprechend sollten dort die heftigsten Gewitter entstehen. Logisch!, denkt sich die erfahrene Meteorologin und gibt die entsprechend Prognose aus. Am Montagmorgen sehen die Modelle zwar die ganze Entwicklung um ein paar Stunden verzögert, aber die grobe Fahrtrichtung bleibt dieselbe:

Die Prognose für Montagabend sieht die kühlere Luftmasse (helleres Gelb) über der Nordwestschweiz, die energiereiche Luftmasse (orange) über den Alpen und der Ostschweiz mit einer relativ gut ausgeprägten Luftmassengrenze quer durchs Mittelland. Das aktuelle Radarbild mit einer kaum nach Osten vorankommenden Gewitterfront (sie hat um 11:00 noch nicht mal das Burgund erreicht) lässt aber erahnen: Das wird nichts mit dem überschwappenden Kaltluftpool am Nachmittag. Und wahrscheinlich basteln die Modelle gerade an einem neuen Szenario, während diese Zeilen hier geschrieben werden…

Vermutlich wird die ganze Sache derartig verzögert, dass die Gewitterauslöse am Nachmittag erst mal über dem Jura losgeht, Zugrichtung Nordost lässt die heftigsten Zellen in der Nordschweiz erwarten. Es gibt allerdings ein Problem: Die Labilität ist gar nicht mal so ausgeprägt, es fehlt schlicht die Höhenkaltluft (-14 Grad in 500 hPa, +14 bis 15 in 850 hPa). Das reicht zwar für ordentliche Gewitter, die ganz dicken Dinger bleiben aber wahrscheinlich aus. Und über den Alpen besteht das bereits oben erwähnte Problem des Höhenkeils: Der aktuelle Taupunkt von immer noch -18 Grad auf dem Jungfraujoch wird den Zellen beim Wachstum zu schaffen machen. Hungertürme wie im Titelbild abgebildet sind wahrscheinlich. Einzelne, durch punktuell optimale Hebung getriggerte Zellen können sehr schnell in die Höhe wachsen, werden aber wahrscheinlich nicht lange überleben. Die von Cosmo gezeigte Clusterbildung den Voralpen entlang darf man also zumindest in Frage stellen, aber Überraschungen durch gewisse Eigendynamiken sollte man trotzdem nie ausschliessen. Es gilt also: Adlerauge, sei wachsam! Auch in Zeiten immer besser aufgelöster Modelle bleibt das Beobachten des Himmels (Neudeutsch Nowcasting genannt) ein probates Mittel.

Am Dienstag bleibt das Problem an sich dasselbe. Allerdings vertieft sich der oben erwähnte Westeuropa-Trog und die Strömung dreht noch mehr auf Süd. Noch wärmere, zum Ausgleich aber auch trockenere Luftmassen erreichen den Alpenraum, möglicherweise auch durch das Rhonetal das Mittelland, und es kommt leichter Föhn ins Spiel. Starke Sonneneinstrahlung, sehr warme Luft, ein ausreichendes Feuchteangebot am Boden durch die starken Niederschläge der letzten Woche und starke Schneeschmelze einerseits treffen auf einen starken Deckel (trockene Luft und Inversionen in der Höhe) andererseits. Es wird also wohl nur punktuell auslösen, aber dort wo es gelingt, kann es heftig werden. Schon wieder viel Konjunktiv…

Und dann der Mittwoch. Nach aktuellem Modellstand müsste sich aus Westen die nächste Kaltfront nähern:

Der Kontrast lässt es erahnen: Die vorderseitige Luftmasse ist sehr energiereich und es bildet sich ein Hitzetief aus, das am Boden für zusätzliche Konvergenzen sorgen kann. Höhenkaltluft ist zwar immer noch keine da, aber unten ist die Luft 4-5 Grad wärmer als am Montag. Zudem zeigt die Erfahrung, dass solche Konstellationen mit steiler Front im Westen und Südströmung in der Höhe in der Grosswetterlage „Trog Westeuropa“ in der Vegangenheit die heftigsten Hagelereignisse gebracht haben (Beispiel 05.07.1999). Das Potenzial ist also vorhanden – fragt sich nur, ob es auch abgerufen wird. Jedenfalls muss man den Mittwoch ganz genau im Auge behalten.

Und wenn das alles planmässig abläuft, liegen wir am Donnerstag bereits in der rückseitigen Kaltluft. Allenfalls können sich noch Warmluft-Reste in Graubünden halten und für das eine oder andere Gewitter sorgen, auf der Alpensüdseite sowieso. Freitag wäre dann der klassische Zwischenhoch-Tag mit viel Sonnenschein und gemässigten Temperaturen, bevor sich möglicherweise auf das Pfingstwochenende der Trog über Westeuropa erneut vertieft und das Spiel von vorne losgehen kann. Das allerdings schauen wir uns dann besser zeitnah an.

Sturmserie März 2019

Wer hätte noch vor zwei Wochen – mitten in einer stabilen Hochdrucklage – geglaubt, dass diese bald von einer sehr lebhaften und länger anhaltenden Westwindlage abgelöst werden könnte? Erinnerungen ans Vorjahr tauchten auf und mancher äusserte die Befürchtung, es könne mit dem langweiligen Hochdruckwetter nun ewig so weitergehen – das Dürregespenst spukte durch die Wetterforen. Doch Wetter wiederholt sich nicht. Dieses chaotische System ist durchaus in der Lage, aus der selben Ausgangslage in völlig unterschiedliche Muster überzugehen. Chaos muss aber nicht heissen, dass man gewisse Dinge nicht erklären kann. Und der Unterschied zwischen 2018 und 2019 ist durchaus frappant, wenn man die ganze nordhemisphärische Atmosphäre betrachtet. Wie oft hat es in Mitteleuropa gleich zwei Hitze- und Dürresommer hintereinander gegeben? Eben! Wobei: Bei der derzeit rasant fortschreitenden Klimaerwärmung ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit…

Schauen wir uns die Grosswetterlage für das bevorstehende Wochenende auf der Titelkarte an, dann fällt uns die schnurgerade Westwindströmung in 5500 m Höhe auf. Ein Sturmtief gibt dem nächsten die Klinke in die Hand und das Azorenhoch sitzt da, wo es hingehört. Dies ist die klassische NAO+ Lage, auf die man während des ganzen Winters aufgrund der Ausgangslage, insbesondere der Verteilung der Meerestemperaturen, gewartet hatte. Sie setzte sich zwar im Dezember durch, allerdings nicht nachhaltig. Immer wieder sorgten blockierende Hochs – mal über Ost-, mal über West-, mal über Mitteleuropa dafür, dass die Westwindlage ausgebremst oder umgelenkt wurde. Mitverantwortlich dafür war im Januar und Februar eine schnelle Stratosphärenerwärmung (SSW für sudden stratosphere warming). Wir kennen dies bereits aus dem Vorjahr, allerdings waren die Auswirkungen damals noch extremer und vor allem nachhaltiger. Eine Erwärmung der Stratosphäre sorgt dafür, dass dort die Winde die normalerweise im Winter stramm aus Westen wehen, entweder zum Erliegen kommen oder gar auf Ost drehen. Fällt das SSW besonders heftig aus wie 2018, bringt es auch den Jet-Stream der Troposphäre durcheinander, der Westwindgürtel bricht weitgehend zusammen und es können sich länger anhaltende Ostlagen aufbauen, welche Europa sibirische Luft bringen. In diesem Jahr war das SSW nur mässig ausgeprägt. Das hat zwar gereicht, um den Westwindmotor zum Stottern zu bringen, nicht aber für eine dauerhafte Umkehr der Strömungen. Folgende Grafik des Temperaturverlaufs in der Stratosphäre (ungefähr in 24 km Höhe) zeigt den Unterschied zwischen 2018 und 2019:

Wir sehen anhand der roten Linie, dass die Erwärmung 2019 einen Monat früher einsetzte, nicht so stark war wie im Vorjahr und sich die Temperatur im Februar bereits wieder im Normalbereich (graue Flächen) bewegte. Während 2018 der Kurvenverlauf einen direkten Übergang ins frühlingsbedingte final warming zeigt, sackt er dieses Jahr noch mal deutlich in den winterlichen Bereich ab, gelangt sogar in die Nähe eines saisonalen Rekords (der in noch grösserer Höhe auch tatsächlich unterboten wurde). Nun ist eine kalte Stratosphäre zwar nicht die einzige, aber eine wichtige Ursache für einen flotten Jetstream und somit einer gesunden Westwindzirkulation. Oder anders ausgedrückt, der jetzige Zustand der Atmosphäre unterstützt die „Normalverteilung“ mit kräftigem Islandtief und starkem Azorenhoch auch von oben – und prompt zieht es in Europa wieder mal ordentlich vom Atlantik her. Dass die Winterstürme bis weit in den März hinein toben, ist somit keine Ausnahme, in dieser ausgeprägten Form aber doch bemerkenswert. Allerdings zeigt obige Grafik auch, dass deren Lebensdauer aufgrund des saisonalen Fortschreitens überschaubar ist. In der Regel ist mit diesen Mätzchen in der zweiten Märzhälfte Schluss: Die nordhemisphärische Zirkulation kippt ins meridionale Muster mit einem starken Ausgleichsbestreben zwischen Nord und Süd. Je nach Glück oder Pech – das ist wohl Geschmackssache – gerät man für einige Zeit in eine Nord- oder Südströmung. So erreicht das Auftreten von Nordlagen von April bis Juni das statistische Maximum im Jahresverlauf, während Westlagen in dieser Zeit ein Minimum aufweisen. Auch Südlagen treten im April/Mai (gleich nach November) am häufigsten auf.

Doch wie passt der heftige Föhnsturm vom vergangenen Mittwoch/Donnerstag in eine stramme Westlage? Auch bei Westlagen bilden sich in der Höhenströmung gelegentlich Wellen. Nicht so lange wie bei einer meridionalen Zirkulation, aber es reicht, um kurzzeitig die Winde auf Südwest bis Süd drehen zu lassen. Hier die Karte während es Föhnsturms:

Föhnstürme während Westlagen dauern in der Regel nicht länger als einen Tag, sind aber aufgrund der starken Druckdifferenzen zwischen Nord und Süd mitunter heftig. Eine Föhnlage, welche durch Langwellen während einer meridionalen Phase auftritt, kann hingegen mehrere Tage, mit zwischenzeitlichen Schwächephasen gar Wochen andauern. Wenn wir während der nächsten Föhnlage im April oder Mai darauf achten, werden wir den Unterschied merken. Oder wir erinnern uns kurz an die Phase vom 2. bis 16. April 2018.

Nun haben wir aber noch ein paar Tage mit dieser lebhaften Westwindlage zu tun. Auf eine genaue Prognose, wann und wie stark die bevorstehenden Stürme auftreten werden, wird aufgrund der noch grossen Unsicherheit verzichtet. Die in der Westströmung eingebetteten, kleinräumigen Teiltiefs und Wellen werden von jedem Modell mit einer etwas anderen Zugbahn und mit unterschiedlichem Kerndruck berechnet. Entsprechend sieht die Streuung im Ensemble des Bodenwindes aus (Gitterpunkt im zentralen Mittelland):

Ein heftigeres Ereignis scheint für den Sonntag relativ sicher, auch die Fasnächtler am Montag dürften noch etwas durchgerüttelt werden. Dienstag ist Ruhetag mit dem Zwischenhoch, danach geht’s von vorne los, allerdings mit zunehmenden Unsicherheiten.

Was das Diagramm sonst noch zeigt: Ab ungefähr dem 18.-20. März wird es allmählich ruhiger. Und noch wichtiger: Die Windrosen zeigen eine zunehmende Wahrscheinlichkeit für eine Drehung auf nördliche bis östliche Richtungen. Da wird doch wohl nicht etwa die fortschreitende Jahreszeit ihre Duftmarke setzen wollen? Wer diesen Wink jetzt nicht versteht, liest den ganzen Beitrag am besten noch mal von vorne durch 😉

Sturmvorschau 07.-11.12.2018

Ein Bild aus dem stürmischen Dezember 2011 – niemand konnte ahnen, was dieser Winter noch bringen wird

Seit Tagen spukte der Titel für den heutigen Blogbeitrag im Kopf herum: Sturm- und Schneevorschau. Der Sturm ist geblieben, das mit dem Schnee dürfte man – wenn überhaupt – nur noch mit einem Fragezeichen versehen, zumindest wenn wir über die Niederungen sprechen wollen. Einmal mehr haben uns die Modelle über eine Woche hinweg einen satten Wintereinbruch vorgegaukelt, der sich nun – schwuppdiwupps! – ins Nichts aufgelöst hat. In Wetterforen werden solche Lagen, die immer nur in den Mittelfristmodellen zu sehen sind, aber nie wirklich oder höchstens in abgeschwächter Form eintreffen, als Möhren oder Rüebli bezeichnet – analog zum Bild mit dem Esel, der dem Rüebli hinterherläuft, das vor seiner Nase baumelt und doch unerreichbar bleibt. Nun ist klar: Das neueste Winter-Rüebli wird als Suppe serviert: flüssig und lauwarm. Freuen können sich hingegen die östlichen Nachbarn und in der Schweiz zumindest die höheren Lagen, wo doch einiges an Schnee zu erwarten ist. Für die Flachlandbewohner bleiben der lange ersehnte Regen, um endlich die Flusspegel wieder auf Normalniveau zu bringen, und ein paar stürmische Nächte.

Um zu verstehen, was sich in den nächsten Tagen in Mitteleuropa abspielt, ist ein Blick aus der Distanz auf das Grosse und Ganze hilfreich. Schauen wir mal von oben auf den Nordpol, wie sich die aktuelle Lage präsentiert:

Noch vor zwei Wochen hätte ihm das kaum jemand zugetraut: Der Polarwirbel präsentiert sich kugelrund und wohlgenährt, ein echter Wonneproppen, als hätte es Frühling/Sommer/Herbst 2018 nie gegeben. Zu sehen ist der Wind in rund 9000 m Höhe mit dem Jetstream (rot), der sich über dem Atlantik so gesund wie lange nicht mehr zeigt. Wir haben die für uns relevanten Teile numeriert: 1) die Westwindlage des kommenden Wochenendes; 2) die Bruchstelle, die uns den Wintereinbruch hätte bescheren sollen und 3) der nächste, inzwischen noch viel stärkere Abschnitt des Jetstreams, der nächste Woche unser Winter-Rüebli überfahren und zur Suppe pürieren wird. Zoomen wir rein auf Atlantik und Europa, um die Details zu betrachten:

Um deutlich zu machen, wo unser Wetter herkommt, ist die Abfolge der Luftmassen eingetragen, die uns in den nächsten Tagen erreichen. Den Anfang macht heute Freitagnacht eine Kaltfront (Grenze von grün zu blau), die nachfolgende kühle Luftmasse prägt den Samstag mit Schauern in fester Form bis etwa 500 Meter. Der Warmsektor des nächsten Tiefs rauscht bereits in der Nacht auf Sonntag heran. Er wird auf dem Weg zu uns zwar zusehends schmaler, reicht aber aus, um die Schneefallgrenze am Sonntagmorgen noch mal kurz gegen 1500 m steigen zu lassen. Der vereinigte Tiefdruckkomplex über der Nordsee zapft dann die Polarluft östlich von Grönland an (unser berühmtes Rüebli), doch zieht das Tief so weit nach Osten, dass die kälteste Luft östlich an uns vorbeirauscht. Nach aktuellem Stand liegt die Zone mit Schnee bis in die tiefsten Lagen am Montag und Dienstag ab ungefähr Salzburg ostwärts. Zu dieser Zeit rückt von Westen bereits der von Höhenwarmluft gestützte Hochdruckkeil auf (auf der Karte ganz im Westen zu sehen). Dieser wird – statt sich zum Blockadehoch über dem Ostatlantik aufzuplustern – vom nachfolgenden Tiefdruckkomplex zerquetscht und aufgerieben. Es bleibt ein kleines, für Mitteleuropa unwichtiges Hoch, das sich rasch über Skandinavien hinweg nach Nordrussland vertschüsst und den Weg für die nächste Westlage frei macht.

Nach diesem Exkurs zur Grosswetterlage können wir uns den Details und dem eigentlichen Thema zuwenden:

Sturm Nr. 1, Freitagabend: Auf der Vorderseite der Kaltfront legt der Südwestwind immer mehr zu und beschert uns noch einmal sehr milde Verhältnisse. Am späten Abend erreicht uns die Höhenkaltluft, sodass sich an der Kaltfront kurz vor Mitternacht durchaus Gewitter bilden können – so linienhaft organisiert wie am vergangenen Montag wird es aber wahrscheinlich nicht. Trotzdem ist wieder mit ähnlich starken Böen zu rechnen: 60-75 km/h werden es wohl verbreitet. Von Basel dem Hochrhein entlang bis zum Bodensee können mit Kanalisierungseffekten und an exponierten Stellen durchaus lokal Böen von 100 km/h auftreten, im Mittelland werden solche Spitzen wahrscheinlich nur auf den höheren Hügeln erreicht. Die Schneefallgrenze sinkt in der Nacht rasch ab, die nachfolgenden Schauer können durchaus auch in tiefen Lagen mal etwas Pflotsch liegenlassen. Bereits im Lauf des Samstags zieht die Höhenkaltluft nach Osten weiter und die Schauer werden weniger, die Schneefallgrenze steigt dabei schon wieder etwas an. Dabei bleibt es aber ganztags windig, in Schauernähe liegt noch die eine oder andere Sturmböe drin.

Sturm Nr. 2, Nacht auf Sonntag:

Wir sehen hier einen noch etwas stärkeren Höhenwind als Freitagnacht. Da es sich aber um einen Warmsektorsturm handelt, lässt vor allem der „ungünstige“ Zeitpunkt in den kühleren Nachtstunden noch einige Fragezeichen offen. Bei etwas Sonnenschein und guter Durchmischung tagsüber müsste man von einem schweren Sturm ausgehen. Es wird vor allem davon abhängen, ob sich am Vorabend bei vorübergehendem Aufklaren im Mittelland eine Kaltluftschicht ausbilden kann. Falls ja, wird es der Höhenwind schwer haben, bis zum Boden durchzugreifen. Auch Regen (der momentan allerdings nur schwach gerechnet wird) wirkt auf die Durchmischung bremsend. Momentan würde ich von einem schwereren Sturmereignis vor allem auf den Bergen und Hügeln ausgehen, doch erfordert die Lage eine genauere Beurteilung kurz vor dem Eintreffen: Also allfällige Sturmwarnung am Samstagabend beachten! Was die Kaltfront am Sonntagmorgen bringen wird, muss man ebenfalls noch abwarten. Wie organisiert ist die Linie, vertieft sich die Welle unter Umständen oder gibt es eine Verzögerung? Jedenfalls bleibt der Sonntag spannend und mit -30° in 500 hPa zieht eine Luftmasse über uns, die in jedem Fall für musikalische Überraschungen sorgen kann, zumal es am Boden gar nicht mal so stark auskühlt. Die Schneefallgrenze wird in der zweiten Tageshälfte auf etwa 800 m zu liegen kommen.

Der Montag bringt mit Winddrehung auf Nordwest permanenten Feuchtenachschub. Für den Alpennordhang bedeutet dies Dauerregen oder besser gesagt Dauerschneefall, wobei es in den Tälern mit Niederschlagsabkühlung wahrscheinlich bald einmal bis ganz runter schneit. Im Mittelland sieht es etwas anders aus:

Wir sehen die 18er-Linie, welche eine Schneefallgrenze bei etwa 500 m erwarten lässt, komplett ausserhalb der Schweiz,  wahrscheinlich kommt sie also bei etwa 700 m zu liegen – im Westen möglicherweise noch höher. Das letzte Wort ist hier aber wohl noch nicht gesprochen, wenn man sich den recht deutlichen Gradienten nordwestlich von uns vor Augen hält. Rückt das Hoch etwas näher auf, ist es im Mittelland endgültig aus mit den Winterträumen. Mit etwas mehr Tiefdruckeinfluss kann die kühlere und feuchtere Luftmasse aber durchaus noch ein paar Kilometer nach Westen gutmachen (die Hoffnung stirbt zuletzt). Allerdings gilt es festzuhalten: Es wäre so oder so nur ein kurzes Vergnügen. Der nachrückende Hochdruckkeil (die Warmfront ist ganz im Westen bereits zu erkennen) wird die Schneefallgrenze bereits im Lauf des Mittwochs wieder auf 1000 m oder sogar höher steigen lassen – sofern denn überhaupt nennenswerter Niederschlag fällt. Klart es wegen des Warmfront-Wolkenschirms nicht auf, liegt nicht mal ein ordentlicher Nachtfrost drin. Und dann heisst es: Überraschen lassen, was die nächste Westwindlage bringt.

Sturmvorschau 29.10.-02.11.2018

Derzeit wird uns eindrücklich vor Augen geführt, weshalb Herbstferien am Mittelmeer nur etwas für Freunde des gepflegten Sauwetters sein kann. Bekanntlich reagiert Wasser auf Temperaturänderungen weitaus träger als Luft, entsprechend bleibt das Mittelmeer nach dem Sommer noch lange warm – bis weit in den Herbst hinein. Die ersten Kaltuftausbrüche aus der sich rasch abkühlenden Polarregion treffen somit in den Herbstmonaten auf sehr warme Luftmassen im Süden, entsprechend heftig sind die begleitenden Wettererscheinungen in dieser Region. Stimmt die Konstellation mit direkter Verfrachtung dieses Giftcocktails in der Atmosphäre in Richtung Alpen, sind die Zutaten für Extremwetter auch hier gegeben. Nicht zufällig fanden die grossen Unwetter der Vergangenheit in den südlichen Alpen häufig im Herbst statt. Aktuell sind sämtliche Zutaten für eine gefährliche Lage gegeben: Sehr hohe Wassertemperaturen im Mittelmeer, Kaltluftvorstoss über die Iberische Halbinsel ins westliche Mittelmeer, starke Südströmung direkt auf die Alpen gerichtet. Den ersten Feuchteschub vom Wochenende haben die vom langen, trockenen Sommer ausgemergelten Böden und Gewässer noch gut schlucken können, doch mit jeder neuen Welle steigt die Gefahr von Hochwasser, Hangrutschungen und Murgängen.

Die Analyse der grossen Druckgebiete und Strömungen in rund 5500 m Höhe im Titelbild zeigt eine klassische Grosswetterlage „Trog Westeuropa“ (TrW), dem Grosswettertyp Süd zugehörig. Diese völlig blockierte Situation mit kräftigem Hoch über Osteuropa, das durch die Warmluftzufuhr aus Süden weiter gestützt wird, kennen wir ja aus diesem Jahr zur Genüge. Westlich von Island ist bereits der nächste Trogvorstoss zu erkennen, der uns in der zweiten Wochenhälfte beschäftigen wird. Klickt man sich z.B. bei GFS durch die nächsten zwei Wochen, so sieht man, dass sich diese Lage immer und immer wieder regeneriert, auf TrW folgt TrW folgt TrW ohne Ende, die ruhigen Phasen mit Zwischenhocheinfluss oder etwas Westwind sind jeweils nur von sehr kurzer Dauer.

Wenden wir uns der aktuellen Entwicklung zu, wobei erst mal der Zutatenmix genauer angeschaut werden muss:

Die Karte mit den durchschnittlichen Wassertemperturen der letzten 7 Tage verdeutlicht die eingangs erwähnte Wärme im Mittelmeer. Der Kaltluftvorstoss, der aktuell zum westlichen Mittelmeer gerichtet ist, bringt rund -30 Grad in 500 hPa, etwa 0 Grad in 850 hPa, was bereits sehr labile Bedingungen für die Bildung heftiger Gewitter in sich birgt. Nun zieht diese explosive Mischung auch noch über ein Gebiet mit Wassertemperaturen um 24 bis 26 Grad – und wir sprechen hier nicht etwa über die Fläche des Bodensees. Aufgrund des blockierenden Hochs im Osten kommt der Trog nicht weiter nach Osten voran, die Strömung vollführt über den Balearen eine Spitzkehre und zieht zurück Richtung Norden – genau über die Alpen hinweg. Grosse Temperaturunterschiede sind der Hauptantrieb für die Bildung von Tiefdruckgebieten, was genau jetzt am Montag zwischen den Balearen und Sizilien geschieht. Im Lauf des Dienstags zieht dieses Tief mit Kerndruck von etwa 980 hPa genau über die Alpen hinweg nach Norden:

Die Luftmassenanalyse zeigt eindrücklich den Warmluftsektor des Tiefs mit sehr energiereicher Luft (feucht und warm), was die Schneefallgrenze auf etwa 3000 m ansteigen lässt. Zum Glück zieht das Tief rasch, sodass bereits nach etwa 12 Stunden die herumgeholte kühlere Luftmasse nachfolgt und die Schneefallgrenze wieder auf etwa 1500 m sinken lässt. Trotzdem sind diese 12 Stunden von heute Montagmittag bis etwa Mitternacht ausreichend, um sehr hohe Niederschlagsintensitäten auf der Alpensüdseite und am Alpenhauptkamm zu produzieren. Aktuell sieht man einen Gewitterkomplex mit sehr hohen Blitzraten die ligurische Küste entlang nach Norden ziehen. Auch wenn sich die Gewitteraktivität über der Poebene abschwächen wird, der Anteil an konvektiv verstärktem Regen wird auch an den Alpen noch hoch genug sein. Egal, welches höher aufgelöste Modell man zu Rate zieht: Am Alpenhauptkamm wird einhellig eine 36-stündige Niederschlagssumme von 250-300 mm gerechnet, örtlich sogar mehr. Was besonders Besorgnis erregend ist: Auch die inneralpinen Gebiete wie das Goms, die Gotthardregion, die Surselva und weitere Teile Graubündens sollen noch rund 150 mm Regen erhalten. Dies ist besonders heikel, weil es in diesen Regionen am Wochenende weit herunter geschneit hat und dieser gespeicherte Wasseranteil nun mit der hohen Schneefallgrenze mit runter gespült wird. Man darf aus den Erfahrungen der Vergangenheit mit Recht fragen, ob die Abflussmodelle diese spezielle Situation im Griff haben.

Ein zusätzlicher Schneefresser ist der Wind: Der Südwind wird mit bis über 3000 m ansteigender Nullgradgrenze im Hochgebirge Orkanstärke erreichen. In den klassischen oberen Föhntälern ist ebenfalls mit orkanartigen Böen zu rechnen. Allerdings ist nicht ganz klar, wie weit der Föhnsturm in die Täler vorstossen kann. Einerseits bremst der über den Alpenhauptkamm hinaus schiessende Niederschlag, andererseits die in den Niederungen lagernde Kaltluft. Je nach Modell ist in der Nacht ein Föhnstoss bis an den Zürich- und Zugersee und bis in die Bodenseeregion möglich – oder auch nicht. Die geschilderte Konstellation sowie die Tatsache, dass das Föhnmaximum in der Nacht erreicht wird, spricht eher dagegen.

Am Dienstagmorgen hat das Tief bereits eine Gegend erreicht, die für klassische Südweststurmlagen bekannt ist:

Mit dem rasch nach Norden ziehenden Tief nimmt der Druckgradient über die Alpen und somit der Föhn rasch ab, was im Lauf des Dienstags eine vorübergehende Entspannung in Sachen Niederschlag in den Südstaulagen bringt. Stattdessen zieht nun der Südwestwind auf der Alpennordseite an und erreicht auf den Jurahöhen Sturmstärke mit Spitzenböen von 100 km/h, auf dem Chasseral wahrscheinlich auch deutlich mehr. Wiederum uneinig sind sich die Modelle bei den Auswirkungen aufs Mittelland und die Nordwestschweiz: In den höheren und exponierten Lagen ist wohl verbreitet mit Böen von 60-75 km/h zu rechnen. Auch hier ist der Unsicherheitsfaktor jener, wie effektiv die bodennahe Kaltluft ausgeräumt wird. In der Westschweiz ist die Sturmgefahr mit Böen von etwa 80 km/h auch im Flachland höher als im Osten, vorsichtshalber sollte man aber auch in der Deutschschweiz alles festbinden oder in Sicherheit bringen, was nicht niet- und nagelfest ist.

Mit dem Abzug des Tiefs nach Norden stellt sich am Dienstagabend vorübergehend eine ruhige Phase ein, bevor der nächste vorstossende Trog über Westeuropa die Südströmung wieder ankurbelt und am Mittwoch den nächsten Föhnsturm (diesmal gemässigter) in den Alpen bringt. Etwa am Mittwoch um die Mittagszeit beginnt es auf der Alpensüdseite wieder zu regnen – zuerst noch leicht, in der Nacht zum Donnerstag dann wieder zunehmend intensiv. Diesmal liegt die Hauptstossrichtung sehr energiereicher Luft weiter östlich:

Bei einer Schneefallgrenze von 1500-2000 m vom Südwallis übers Tessin bis ins südliche Graubünden sind allerdings die erneut berechneten 100-150 mm von Mittwochmittag bis Freitagmorgen angesichts der Vorgeschichte kritisch genug.

Und es wurde einleitend bereits erwähnt: Die Grosswetterlage nimmt so schnell kein Ende, bereits ab Sonntag ist die nächste Welle in Sicht (Gitterpunkt Monte Rosa):

Naturgemäss ist die Streuung in Wochenfrist im Detail noch gross, doch im Groben scheint die Lage recht sicher von den Globalmodellen erfasst zu sein. Da wartet also noch einiges Ungemach auf die Alpensüdseite und im Norden dürfte noch der eine oder andere Föhnsturm anstehen.