Sturmvorschau 7.-10.04.2022… der letzte Wintersturm der Saison?

In den letzten Jahren zog der letzte Wintersturm in der Regel im März auf, oft schon Ende Februar. Mit dem vollständig hochdruckdominierten März dachte man bereits, der Winter hätte dieses Jahr früh aufgegeben, doch die Wundertüte April lehrt uns wieder mal etwas Anderes. Auch wenn Sturmlagen im April selten sind, auftreten tun sie hin und wieder mal – vielleicht erst recht wenn der März sehr ruhig war. Und wie uns das letzte Jahr gezeigt hat, ist man selbst im Mai noch nicht völlig davor gefeit, daher hat das Fragezeichen im Titel durchaus seine Berechtigung.

„Wintersturm“ nennen wir ihn deshalb, weil die Kriterien für eine südliche Westlage (Ws) offenbar knapp erfüllt werden: Kern des steuernden Tiefs südlich von 60 Grad Nord, zeitweise 1015 hPa-Isobare südlich der Pyrenäen. Diese Wetterlage tritt vorzugsweise im Winterhalbjahr auf, vor allem von Dezember bis März. Wie wir im Titelbild sehen (klick ins Bild öffnet grössere Ansicht), zielt eine starke Westströmung direkt vom Nordatlantik auf das südliche Mitteleuropa, darin befinden sich in der Frontalzone eingelagerte Randtiefs – ebenfalls eine typische Erscheinung südlicher Westlagen:

Die Luftmassengrenze befindet sich am Freitag noch über Süddeutschland, das soll sich aber am Wochenende ändern: Schnee bis in die Niederungen ist noch einmal möglich, daher passt die Bezeichnung „Wintersturm“ auch in dieser Hinsicht. Ob es allerdings noch mal zu solchen Schneemengen reicht wie am vergangenen Wochenende, hängt davon ab, wie lange die Feuchtigkeitszufuhr anhält. Vermutlich wird es mit Schauern nur strichweise zu stärkeren Schneefällen bzw. Graupel im Flachland kommen. In den Tälern am Alpennordhang und erst recht in Lagen oberhalb 800 m ist ein neuerliches Einwintern aber so gut wie sicher. Erwähnenswert ist auch noch mal die Gefahr von schädlichem Frost, falls es in der Nacht zum Sonntag bereits länger aufklart. Auch die Nacht zum Montag ist diesbezüglich noch nicht ganz sicher: Obwohl bereits im Lauf des Sonntagnachmittags in der Höhe wärmere Luftmassen aufziehen sollen, kann sich am Boden in der Nacht noch eine kalte Schicht halten.

Doch wenden wir uns noch dem eigentlichen Sturmereignis zu: Bereits in der Nacht zum Donnerstag zieht der Wind in der Höhe markant an und erreicht auf den Bergen Sturmstärke. Im Lauf des Donnerstags treten stürmische Böen zunehmend auch im Flachland auf. Ein erster Höhepunkt ist am Donnerstagabend zu erwarten:

Böen von 60 bis 75 km/h sind im Flachland verbreitet möglich, bereits in leicht erhöhten Lagen ist es deutlich mehr. Das ist verglichen mit einem echten Wintersturm relativ harmlos, man muss jedoch bedenken dass bereits viele Bäume belaubt sind oder in Blüte stehen und so mehr Angriffsfläche bieten. Vermutlich ist es damit aber noch nicht getan, denn eine zweite Sturmwelle wird irgendwann zwischen Freitagnachmittag und frühem Samstagmorgen erwartet. Hoch aufgelöste Modelle gibt es für diesen Zeitraum noch nicht, dieses Beispiel zeigt aber, wie hoch das Potenzial liegt:

Das englische Modell rechnet mit über 100 km/h sogar in noch grösserer Fläche, man muss das also im Auge behalten. Im Kurzwetterbericht über dem Radarbild von meteoradar.ch informieren wir Sie zeitnah über die zu erwartende Sturmstärke. Sie ist vor allem abhängig vom Kerndruck und der Zugbahn sowie -geschwindigkeit der Randtiefs, auch deren genauer Zeitpunkt lässt sich oft erst etwa 12 Stunden vor dem Ereignis einschätzen.

Zum Schluss sei noch ein Ausblick auf den Wochenbeginn gewagt. Wenn alles zusammenpasst, werden wir innerhalb von zwei Tagen direkt vom Spätwinter in den Frühsommer katapultiert, denn es steht die nächste Südlage an:

Wie man sieht, sind sich die Modelle noch nicht ganz einig, wie weit die Warmluft nach Osten vorankommt. Nach den wärmsten Rechnungen sind aber Temperaturen über 20 Grad verbreitet möglich. Da allerdings auch wieder mit einer ordentlichen Packung Saharastaub zu rechnen ist, der die hohen Wolken verdichten kann, steht das alles noch auf wackligen Beinen. Die Rechnung des europäischen Modells läuft sogar auf einen veritablen Föhnsturm in den Alpen hinaus. Man darf also gespannt sein, welche Überraschungen dieser April noch aus dem Ärmel schüttelt…

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