Wetterblog

Themenschwerpunkt des neuen Wetterblogs von meteoradar ist der Radarblick auf das aktuelle Wetter. Wir möchten die User von Radar- und Blitzkarten bei deren Interpretation unterstützen. Zu bestehenden Beobachtungen, Vorhersagen und Warnungen werden in loser Folge vertiefende Erklärungen und Link-Hinweise auf externe Informationsquellen gegeben. Selbstverständlich finden auch im Nachhinein Analysen von besonderen Wetterereignissen ihren Platz.

Es ist uns ein Anliegen, bei den Lesern des Wetterblogs einen Lerneffekt auszulösen, und auf diese Weise zu einem bewussteren Umgang mit kurzzeitigen Wettergefahren wie Gewitter, Sturm, Sturzfluten, Hagel im Sommer, oder Glättegefahr im Winter beizutragen.

Der Wetterblog wird in Zusammenarbeit mit fotometeo Muriset betrieben.

Sturmvorschau 16.-21.01.2018

Wir haben immer noch „Winter 2017/18“ und wie sollte es anders sein: Der nĂ€chste nasse Sack steht vor der TĂŒr. Eine ganze Woche Verschnaufpause wurde uns gegönnt. Dabei haben wir ziemlich gelassen zugeschaut, wie die grossrĂ€umige Zirkulation ĂŒber Europa so etwas wie eine Ostlage versucht hat hinzubekommen – sie war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Bereits in der Monatsprognose an Silvester habe ich erklĂ€rt, wieso der Atlantik eine Macht sein wird in diesem Januar. Nun hat sich das riesige nordamerikanische Kaltluftreservoir ĂŒber den Nordatlantik ergossen und erzeugt dort gewaltige Temperaturunterschiede auf engstem Raum: Die beste Voraussetzung fĂŒr die Bildung neuer Sturmtiefs, die per Express nach Europa geliefert werden. Die nĂ€chsten schlaflosen NĂ€chte sind vorprogrammiert und wer sich draussen aufhalten muss, ist gut beraten, Ă€usserste Vorsicht walten zu lassen.

Die grossrĂ€umige Druck- und Windverteilung in rund 5000 m Höhe im Titelbild kommt uns irgendwie bekannt vor: Wie bereits vor zwei Wochen erstreckt sich ein mĂ€chtiges Förderband ĂŒber den Nordatlantik und zielt genau auf die Alpen, wo es angesichts des osteuropĂ€ischen Hochdruckblocks aufgefĂ€chert wird. Wetter wiederholt sich allerdings nie ganz genau und so gilt es auch diesmal, das Augenmerk auf die Details zu legen, soweit sie heute bereits abschĂ€tzbar sind.

Das erste Sturmfeld erreicht in der Nacht auf Dienstag den Jura, durch Kanalisierungseffekte kann es in den TĂ€lern sowie am JurasĂŒdfuss und auf den Mittelland-HĂŒgeln schon mal zu schweren Sturmböen kommen. Dabei steigt die Schneefallgrenze vorĂŒbergehend auf 1000 bis 1200 m an. Am Dienstag schleift die Kaltfront lĂ€ngere Zeit knapp nördlich der Schweiz. Die bodennahe Kaltluft dringt erst am Abend mit der Bildung eines Randtiefs sĂŒdlich der Alpen richtig zu uns vor, womit auch in den Niederungen mit Schneefall zu rechnen ist. Nachdem der Wind tagsĂŒber im Warmsektor permanent stark aus SĂŒdwest blĂ€st, ist in den Abendstunden mit der Kaltfront ein zweiter Höhepunkt mit Winddrehung auf West zu erwarten. „BegĂŒnstigt“ fĂŒr schwere Sturmböen sind in solchen FĂ€llen der Hochrhein und die Bodenseeregion sowie etwas zeitversetzt die EingĂ€nge zu den AlpentĂ€lern.

Am Mittwoch verbleiben wir auf der RĂŒckseite der Kaltfront in vom Atlantik erwĂ€rmter Polarluft. Es kommt immer wieder zu teils krĂ€ftigen Schauern, meist in fester Form bis in tiefe Lagen – angesichts des starken Windes bleibt die Temperatur aber knapp zu hoch, um im Flachland eine ansehnliche Schneedecke zuzulassen. Dass der Schneematsch in den tiefen Lagen gefriert, ist ebensowenig zu befĂŒrchten, da in der Nacht auf Donnerstag bereits der Wolkenschirm der nĂ€chsten Warmfront aufzieht. Diese gehört zu einem Randtief, das sich heute Montag vor der US-OstkĂŒste gebildet hat und am Dienstag am westlichen Rand der Karte auftaucht:

Dabei handelt es sich – getrieben vom oben erwĂ€hnten Förderband – um einen sogenannten SchnelllĂ€ufer: Bereits 45 Stunden spĂ€ter soll er sich ĂŒber Norddeutschland befinden.

Ist das Tief erst mal entstanden, kann seine ungefĂ€hre Zugbahn relativ gut prognostiziert werden. Es gibt aber immer Unsicherheiten, da sich geringe VerĂ€nderungen bei der hohen Zuggeschwindigkeit auf zwei Tage hinaus schnell mal auf 6 bis 12 Stunden bezĂŒglich des Eintreffens bei uns aufsummieren können. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die StĂ€rke des Tiefs. Diese dĂŒrfte in den nĂ€chsten ModellĂ€ufen noch mehrmals verschieden berechnet werden, es ist daher wenig sinnvoll,  bereits jetzt zu sehr ĂŒber exakte Zahlen zur SturmstĂ€rke zu spekulieren. Klar ist: Das Potenzial fĂŒr einen schweren Sturm ist vorhanden. Die folgende Karte ist daher mehr als ungefĂ€hre Richtlinie zu verstehen:

Zu den ohnehin bereits betrĂ€chtlichen Windgeschwindigkeiten, verursacht durch den Druckgradienten, kommt die hohe Zuggeschwindigkeit des Randtiefs hinzu. Die dargestellte mittlere Windgeschwindigkeit von etwa 120 km/h in der Nordschweiz kann jederzeit böig zum Boden runtergemischt werden, wenn die Bedingungen stimmen. Da die AufrĂ€umarbeiten nach dem Sturm „Burglind“ in unseren WĂ€ldern bei weitem noch nicht ĂŒberall abgeschlossen sind, ist damit zu rechnen, dass dieser Sturm vor allem bei bereits geschwĂ€chten BĂ€umen und an frisch entstandenen WindwurfflĂ€chen nachlegt. Dass man auch im Siedlungsgebiet angesichts solcher Aussichten alle notwendigen Sicherungsmassnahmen vornehmen sollte, versteht sich von selbst. Detaillierte Prognosen zum zeitlichen Ablauf und der StĂ€rke sind erst am Mittwochabend möglich, es wird die Konsultation des bei Bedarf hĂ€ufiger aktualisierten Unwetterberichts unter dem Radarloop von meteoradar empfohlen.

Nach den aktuellen Unterlagen handelt es sich diesmal in erster Linie um einen Warmsektorsturm. Die Schneefallgrenze steigt am Donnerstag wahrscheinlich bis auf etwa 1500 m an. Ein derart heftiger und vor allem lang andauernder SpĂŒlgang wie vor zwei Wochen ist allerdings eher unwahrscheinlich. Die Kaltfront zieht vermutlich erst in der Nacht zum Freitag oder am Freitagmorgen durch, aus heutiger Sicht ist aber die Höhenkaltluft diesmal weniger bissig als bei „Burglind“: Einzelne elektrische Entladungen sind wahrscheinlich, flĂ€chendeckende konvektive AktivitĂ€t mit einhergehenden Orkanböen sind aber nach aktuellem Stand eher nicht zu erwarten. Doch wie gesagt: DiesbezĂŒglich gilt es noch etwas abzuwarten und trotzdem auf der Hut zu sein.

Der Freitag scheint ungefĂ€hr eine Kopie des Mittwochs zu werden: Weiterhin sehr windig, aber nicht mehr volle SturmstĂ€rke, dabei immer wieder Schneeschauer bis in die Niederungen. Dabei dĂŒrfte es auch diesmal wieder zu warm sein, um tagsĂŒber in den tiefsten Lagen eine Schneedecke zu bilden. Erst in der Nacht zum Samstag kĂŒhlt es ausreichend aus. Wie viel Niederschlag dann aber noch nachkommt, wird sich weisen mĂŒssen. Der Sonntag scheint nach den heutigen Karten der erste Tag in diesem Jahr zu sein, der flĂ€chig mĂ€ssigen Frost bringen dĂŒrfte. Winterfreunde sollten es geniessen, denn bereits zum Anfang der nĂ€chsten Woche zeichnet sich die erneute Umstellung auf eine milde SĂŒdwestlage ab.

Sturmvorschau 03.-08.01.2018

Die seit dem 9. Dezember anhaltende Wintersturmserie erreicht in den nĂ€chsten Tagen ihren vorlĂ€ufigen Höhepunkt. Interessant ist dabei nicht nur die potenziell schadentrĂ€chtige Sturmlage vom Mittwoch, sondern auch die nachfolgende Achterbahnfart der Schneefallgrenze sowie betrĂ€chtliche Niederschlagsmengen am Donnerstag auf der Alpennordseite, zum Wochenende dann auch im SĂŒden. Auf die sich daraus ergebende Hochwasser- und Lawinengefahr kann hier nicht nĂ€her eingegangen werden, wir empfehlen die entsprechenden Berichte der kantonalen und nationalen Warnplattformen im Auge zu behalten. Aus dem Thunersee und den Jurarandseen wird jedenfalls schon mal vorsorglich Wasser abgelassen. Auch wenn es danach in der WetterkĂŒche etwas ruhiger aussieht, heisst das noch lange nicht, dass die Spannung wegfĂ€llt. Die Modelle sind sich bezĂŒglich der Entwicklung zu Beginn nĂ€chster Woche nĂ€mlich noch ĂŒberhaupt nicht einig.

Die grossrĂ€umige Wetterlage zeigt uns eine stramme West-Nordwestströmung ĂŒber den gesamten Nordatlantik, wobei das Starkwindband mit mittleren Windgeschwindigkeiten in 5500 m Höhe von 200-230 km/h direkt auf die Alpennordseite zielt (Klick auf das Titelbild fĂŒr vergrösserte Ansicht). Über Mitteleuropa fĂ€chert die Höhenströmung auf, wodurch es zum Wochenende ĂŒber Westeuropa austrogt und wir auf die warme Vorderseite gelangen. Die Zufuhr milder Luft weit nach Norden fördert in der Folge Hochdruckbildung irgendwo im Bereich zwischen Nordsee und Baltikum, wĂ€hrend das abgetropfte Tief ĂŒber SĂŒdwesteuropa oder im westlichen Mittelmeerraum herumeiert. Die genauen Positionen dieser beiden Gegenspieler ist fĂŒr die weitere Entwicklung in Mitteleuropa massgeblich, genau hier scheiden sich jedoch die Modellgeister. Doch wenden wir uns zunĂ€chst der Kurzfrist zu:

Bereits am Dienstagabend erreicht uns aus Westen eine neue Warmfront, die Schneefallgrenze steigt an den westexponierten Lagen der Alpennordseite rasch auf 1500 bis 1800 m an, inneralpin schneit es in der Nacht noch lĂ€nger bis in tiefe Lagen. Dabei frischt der SĂŒdwestwind allmĂ€hlich auf und erreicht auf den Bergen bereits in der Nacht und am frĂŒhen Morgen SturmstĂ€rke. Am Mittwochvormittag nĂ€hert sich aus Westen rasch eine Kaltfront:

Man erkennt an der gestaffelten Energieabnahme der Luftmasse hinter der Front, dass es sich dabei nicht um einen scharfen Temperaturgradienten handelt. Trotzdem birgt diese Front einige Gefahren. Aufgrund der eingangs erwĂ€hnten extremen Höhenströmung kommt die Höhenkaltluft nĂ€mlich viel schneller voran als die Bodenkaltfront. Die Modelle sind sich inzwischen einig, dass am Vormittag die Höhenkaltluft die bodennahe Warmluft im Bereich SĂŒdwestdeutschland/Nordschweiz ĂŒberholt. Die Schichtung erreicht mit -30 °C in 500 hPa ĂŒber 0 °C in 850 hPa eine LabilitĂ€t, welche im Sommer fĂŒr eine Schwergewitterlage sorgen wĂŒrde. Blitz und Donner erwarte ich daher auch diesmal, doch das ist nicht das Hauptproblem: Durch die konvektiven Umlagerungen wird nĂ€mlich der Höhenwind stellenweise bis zum Boden durchgemischt. Dieser erreicht in 3000 m einen mittlere Windgeschwindigkeit von 160 km/h, in 1400 m immer noch 120 km/h:

Sehr schön ist auch der Leitplankeneffekt entlang des Alpennordrands zu erkennen, der sich am Nachmittag weiter nach Bayern und Österreich – mitunter sogar unter VerstĂ€rkung – fortsetzt, wĂ€hrend auf der RĂŒckseite der Front in der Schweiz der Wind rasch nachlassen wird. Der Höhepunkt des Sturms wird in der Nordwestschweiz am Vormittag, am Bodensee um die Mittagszeit erreicht. Die inzwischen zahlreich gewordenen Lokalmodelle zeigen im Detail lokal unterschiedliche Maxima, hier ein in meinen Augen plausibler Vertreter:

Demzufolge wird die schadenstrĂ€chtige Schwelle von schweren Sturmböen (90 km/h) in den Niederungen verbreitet erreicht. Auf Orkanböen um 120 km/h muss man entlang des Hochrheins bis zum Bodensee, am JurasĂŒdfuss (Joran) sowie in den exponierten und erhöhten Lagen des Mittellands gefasst sein. Auf den Jura- und Voralpengipfeln sind durchaus Maximalböen zwischen 150 und 180 km/h möglich. Treffen die Berechnungen ungefĂ€hr so ein, wĂ€re dies der schwerste Sturm der letzten Jahre. ZusĂ€tzlich verschĂ€rft wird die Gefahr durch die völlig vernĂ€ssten Böden, was Entwurzelungen ganzer BĂ€ume begĂŒnstigt. Es wird daher dringend geraten, am Mittwoch WĂ€lder zu meiden!

AufrĂ€umarbeiten werden nur notdĂŒrftig erledigt werden können, denn trotz nachlassendem Wind bleibt die Sturmgefahr bestehen. Zudem regnet es im Gefolge der Front krĂ€ftig, die Schneefallgrenze sinkt vorĂŒbergehend auf etwa 700 m. Bereits in der Nacht zum Donnerstag folgt die nĂ€chste Warmfront mit Dauerregen bis in die Nacht zum Freitag, dabei steigt die Schneefallgrenze wieder an, stellenweise kann sie ĂŒber 2000 m erreichen. Und nun wird es kritisch, denn zu den akkumulierten Niederschlagsmengen kommt demzufolge auch noch einiges an Schmelzwasser hinzu:

Man kann nur hoffen, dass die mĂ€chtige Schneedecke noch einiges an Regenwasser aufnimmt und verzögert abgibt. Dennoch dĂŒrfte ein mittleres Hochwasser an den meisten FlĂŒssen der Alpennordseite anstehen. Kritisch wird es am Rhein, je nachdem wie die Abflussspitzen der ZuflĂŒsse aufeinander treffen. In mittleren Lagen steigt die Gefahr von Nassschneelawinen, in den Hochlagen wird die Lawinengefahr durch den starken Wind und Verfrachtungen verschĂ€rft.

Auf die Warmfront vom Donnerstag folgt nicht wie ĂŒblich eine Kaltfront, denn die Kaltluft zielt westlich der Alpen vorbei in Richtung Spanien und westliches Mittelmeer. Wir verbleiben auf der Vorderseite des abgetropften Tiefs, es bildet sich ab Freitag eine SĂŒdostföhnlage. Dadurch wird feuchte und mĂ€ssig warme Mittelmeerluft an die AlpensĂŒdseite gefĂŒhrt. WĂ€hrend es im Norden nun mehrheitlich trocken bleibt, regnet und schneit es auf der AlpensĂŒdseite immer hĂ€ufiger. Bei sĂŒdöstlicher Anströmung dĂŒrften die westlichen Tessiner TĂ€ler sowie das SĂŒdwallis die grössten Niederschlagsmengen erhalten. Das mit der Schneefallgrenze wird eine Lotterie:

Die Luftmasse gibt zwar eine Schneefallgrenze von 1500 m her, doch mit geringer Durchmischung und starker NiederschlagsabkĂŒhlung kann es in manch engem Alpental bis in den Talgrund schneien. Das kann je nach Ausrichtung des Tals völlig unterschiedlich aussehen. AbhĂ€ngig davon, wie weit nördlich das Bodentief verbleibt, könnte es im Wallis und im Berner Oberland zu starkem bis stĂŒrmischem Föhn kommen. Im Mittelland kommt eine zĂŒgige Bise auf, in der Genferseeregion und auf den Jurahöhen könnte sie am Sonntag durchaus in den Bereich der SturmstĂ€rke gelangen.

Das war jetzt ziemlich viel Konjunktiv, denn die Modelle haben mit der Positionierung und StĂ€rke von Tief im SĂŒdwesten und Hoch im Norden gewaltige Probleme. Auf obiger Karte sehen wir eine markante Luftmassengrenze quer durch die Mitte Deutschlands. Je nach Modell und Lauf bleibt sie dort stehen und wird in der Folge sogar wieder nach Norden zurĂŒckgedrĂ€ngt, oder aber sie kommt bis zu den Alpen voran. In der neuen Woche ist eine schwachgradientige SĂŒd- bis SĂŒdostlage ebenso möglich wie eine kalte Bisenlage. Auch ein erneuter Durchbruch von Westwind ist nicht völlig vom Tisch. Welches Schweinderl hĂ€tten’s denn gern? Die EZ-Ensembles fĂŒr den Gitterpunkt bei Bern zeigt das Dilemma klassisch auf:

Bereits ab Samstag streuen die Member in 1400 m zwischen -3 und +10 Grad, und tauchen zu Wochenbeginn vereinzelt bis -10 Grad, wĂ€hrend die GFS-Ensembles bis Dienstag kaum Member unter 0 Grad zeigen. Lassen wir uns also ĂŒberraschen. Man kann es auch mit der Romantik-Brille sehen: Zum GlĂŒck lĂ€sst sich die Natur auch heute noch von der Technik nicht immer in die Karten schauen…

Ex-Tropensturm RINA bringt uns den Winter

So absurd die Überschrift klingen mag, so verrĂŒckt ist die aktuelle Wetterlage. Was sich in den 90 Stunden von Freitagmittag bis Dienstagmorgen vom Atlantik bis zu den Alpen abspielen wird, ist spannender als jeder Krimi. Fussball-WM-Quali-Barragespiel und Tatort am Sonntagabend können einpacken 😉 „Endlich wieder mal Vollwetter!“, ist der Profi hinter und der wetterinteressierte Laie vor dem Bildschirm nach der deprimierend grauen und langweiligen Wetterwoche geneigt zu rufen, der schon fast totgeglaubte Wetterblog erwacht in alter Frische. Versuchen wir, Prise fĂŒr Prise die Zutaten fĂŒr das rezente SĂŒppchen zu analysieren und schauen mal, was uns schlussendlich serviert wird. Doch Vorsicht: Zu viele Köche verderben den Brei! Zwischen Neufundland und den Alpen kann viel geschehen. Ist dies vielleicht der Grund, dass noch kaum jemand in der Wetterbranche getrommelt hat?

Schauen wir uns die Grosswetterlage anhand des Titelbilds an, so erkennen wir zwischen einem sehr krĂ€ftigen und etwas nach Norden verschobenen Azorenhoch sowie einem ebenso krĂ€ftigen Tiefdruckkomplex ĂŒber Skandinavien eine stramme Nordwestströmung. Abgebildet sind die Windgeschwindigkeiten in rund 5500 m Höhe, welche im Jet bis zu 100 kn, also etwa 180 km/h erreichen. In diesen Neufundland-Sizilien-Express sind verschiedene Randtiefs und Wellen eingebettet, welche uns von Samstag bis Montag in rascher Abfolge besuchen werden. Dabei wollen wir ein besonderes Augenmerk auf die Ausgangslage heute Freitag zwischen Neufundland und der SĂŒdspitze Grönlands legen:

Die beiden bereits erwĂ€hnten Hauptdruckfelder sehen in dieser Darstellung mit den Bodendrucklinien noch imposanter aus. Markant ist die Luftmassengrenze, welche quer ĂŒber den Nordatlantik verlĂ€uft. FĂŒr uns von Bedeutung ist das unscheinbare Tief vor Neufundland, das sich zwischen den beiden steuernden Druckzentren durchquetschen muss und dabei ordentlich gebeutelt wird. Die gelbe Farbe deutet an, dass es subtropische Luftmassen im Schlepptau hat, und das kommt nicht von ungefĂ€hr:

Ziemlich spĂ€t in der Saison hat sich in den letzten Tagen auf der Höhe von 30° N / 50° W ĂŒber dem westlichen Nordatlantik eine tropische Depression gebildet, die sich auf dem Weg nach Norden zum Sturm verstĂ€rkt hat und nun in die Frontalzone eingebunden wird. Nach einem bei uns bereits sehr windigen und nassen Samstag kommt der Rest dieses Sturms als Welle in der Nacht auf Sonntag in Westeuropa an:

Durch den weiten Weg ĂŒber den Atlantik ist die Luftmasse bereits etwas abgekĂŒhlt, lĂ€sst aber dennoch die Schneefallgrenze in den Westalpen bis teils ĂŒber 2000 m ansteigen. Man sieht aber bereits auf der RĂŒckseite der Welle die polare Luftmasse, welche das Tief bei Grönland angezapft hat und auf direktem Weg zu uns fĂŒhrt. Starke Temperaturunterschiede auf engem Raum befeuern die Tiefdruckentwicklung entlang der Frontalzone, und genau da liegt nun das Motiv in unserem Sonntagskrimi verborgen: Wie stark wird sich diese Welle ĂŒber Mitteleuropa vertiefen? Das Angebot der verschiedenen Wettermodelle reicht (stand Freitagnachmittag) von 996 bis 1005 hPa. Auch die Zugbahn kann noch etwas variieren, doch scheint die grobe Richtung ĂŒber SĂŒddeutschland hinweg einigermassen gesichert, womit zu starkem Höhenwind und schnell ziehendem Tief auch noch der DĂŒseneffekt am nördlichen Alpenrand zu tragen kommt. Auch das tageszeitliche Timing zwischen Sonntagmorgen und Sonntagmittag ist relativ klar. GFS ist momentan eines der Modelle, die am stĂ€rksten auf die Tube drĂŒcken (ist aber damit nicht alleine):

Das reicht fĂŒr ordentliche Orkanböen in mittleren Lagen (Jura, höhere Mittelland-HĂŒgel). Die Frage ist nur, wie stark der Regen im Warmsektor die Durchmischung in die Niederungen zu bremsen vermag. Jedenfalls muss man das im Auge behalten und bringt vorausschauend schon mal alles in Sicherheit, was nicht niet- und nagelfest ist.

Mit der scharfen Kaltfront sinkt die Schneefallgrenze am Sonntagabend rasch auf etwa 500 m ab, zu diesem Zeitpunkt dĂŒrfte der Niederschlag noch krĂ€ftig genug sein, damit der Schnee in den höheren Mittelland-Lagen ansetzt. Da die kĂ€lteste Höhenluft direkt auf die Reste der Warmluft am Boden trifft, wĂ€re es erstaunlich wenn es am Sonntagabend nicht zu eingelagerten Gewittern kommt. Anders als noch in den letzten Tagen wird fĂŒr die Nacht kein rasches Vorstossen des Hochdruckkeils aus Westen mehr gerechnet, sodass es noch bis weit in den Montag hinein immer wieder zu krĂ€ftigen Schneeschauern kommen kann. Mitverantworlich dafĂŒr ist knackige Höhenkaltluft:

Die Höhenströmung trifft am Montag direkt aus Norden auf die Alpen. Das gibt einerseits einen heftigen Nordföhnsturm auf der AlpensĂŒdseite, aber auch einen netten Stau auf der Alpennordseite, wo sich die Schnee- und Graupelschauer (jetzt in fester Form bis in die tiefsten Lagen) weiter austoben können. Mit von Nordwest ĂŒber Nord auf Nordost drehendem Wind wird auch der Lake-Effekt am Bodensee von Vorarlberg bis spĂ€ter ins Appenzellerland ein Thema. In diesen Regionen bereitet man sich am besten schon mal auf eine ordentliche Schneeladung vor. Ich habe bereits von Wetten gehört, ob irgendwo die Ein-Meter-Grenze ĂŒberschritten wird.

Noch nicht genug? Der erwĂ€hnte Hochdruckkeil wird in der Nacht auf Dienstag doch noch wirksam. Ist er stark genug, um die Luft von oben abzutrocknen und Hochnebelbildung zu verhindern, steht uns am Dienstagmorgen der erste verbreitete, eventuell sogar mĂ€ssige Frost bevor. In den folgenden Tagen bildet sich eine HochdruckbrĂŒcke ĂŒber Mitteleuropa, wobei es in der Höhe rasch wieder wĂ€rmer wird. Mit Einschlafen des Windes am Boden wird sich somit allerspĂ€testens in der Nacht auf Mittwoch eine Inversionslage bilden. Wer es sich erlauben kann, wird also am Mittwoch/Donnerstag die frisch verschneite Bergwelt an der Sonne mitsamt Nebelmeer geniessen können. Ob das mit dem Winter nachhaltig ist, wird sich noch weisen mĂŒssen. Endmittelfristig ist von weiteren KaltlufteinbrĂŒchen aus Norden bis zu Föhnlagen alles in den Ensembles vorhanden…

 

Erster Herbststurm, Wintereinbruch in den Bergen – und wo bleibt der Altweibersommer?

Es scheint so, als wĂŒrden wir in letzter Zeit um den Altweibersommer betrogen werden. 2016 hochsommerliche Temperaturen bis Ende September und dann schlagartig Vollherbst – und dieses Jahr dasselbe Spiel, nur einen Monat frĂŒher. Das erste ausgewachsene Sturmtief ĂŒber der Nordsee kommt aussergewöhnlich frĂŒh und schickt einen AuslĂ€ufer bis zur Alpennordseite, in seinem Schlepptau ein kalter Gruss aus Grönland, der den Alpen einen ebenso aussergewöhnlich frĂŒhen Wintereinbruch beschert. Wie sich die Grosswetterlage danach entwickelt, ist derzeit in den Modellen Ă€usserst spannend zu verfolgen. Oft sind frĂŒhe KĂ€lteeinbrĂŒche im September TĂŒröffner fĂŒr einen schönen Herbst, doch ob es auch diesmal klappt? Nebst den stĂŒrmischen Kurzfrist-Aussichten wollen wir in diesem Artikel auch etwas ĂŒber die Mittelfrist spekulieren.

Betrachten wir die aktuelle Ausgangslage anhand der Karte im Titelbild (anklicken fĂŒr volle Grösse) so erkennen wir eine stramme Westströmung ĂŒber Europa. Auf der Vorderseite des umfangreichen Tiefdruckkomplexes wird sehr warme Luft ĂŒber Osteuropa weit in den Norden gefĂŒhrt und stĂŒtzt ein Russlandhoch, das die Ostverlagerung des Tiefs blockiert. Auch ĂŒber dem Nordatlantik wird unter dem Einfluss der Ex-Hurrikane tropische Luft weit nach Norden transportiert, was dort ebenfalls die Bildung eines blockierenden Hochs bewirkt. Auf dessen Vorderseite kann Polarluft auf direktem Weg nach Westeuropa gelangen. Das Nordatlantikhoch bewegt sich in den nĂ€chsten Tagen nach Nordskandinavien und spielt das ZĂŒnglein an der Waage fĂŒr unser Wetter in Wochenfrist, doch dazu spĂ€ter mehr. ZunĂ€chst mĂŒssen wir uns mit dem ersten Herbststurm der Saison befassen:

Heute Mittwoch zieht die Warmfront des Tiefs ĂŒber uns mit ein wenig Regen hinweg, der SĂŒdwestwind zieht bereits krĂ€ftig an und erreicht auf den Bergen SturmstĂ€rke. Vor allem am Nachmittag, wenn sich hinter der Front die Sonne zeigt, kann der Wind auch ins Flachland gemischt werden, dann ist mit den ersten stĂŒrmischen Böen zu rechnen. Sturmtechnisch kommen wir relativ gut weg, weil das Maximum des Höhenwindes in der Nacht bis zum frĂŒhen Morgen ĂŒber uns liegt und durch die nĂ€chtliche AuskĂŒhlung der Wind nicht voll durchgreifen kann, trotzdem mĂŒssen wir mit einer unruhigen Nacht rechnen:

Dieses sekundĂ€re Sturmfeld (das erste befindet sich weit im Norden) ist auf eine Randtiefentwicklung zurĂŒckzufĂŒhren, die sich entlang der markanten Kaltfront vollzieht. Diese wiederum erreicht uns am Donnerstagvormittag:

Schon fast lehrbuchhaft ist die Randtiefentwicklung aufgrund des sehr scharfen Temperaturgradienten. WĂ€hrend am Mittag bei uns die Temperatur von 20 auf teils unter 10 Grad fĂ€llt, werden in Östösterreich am Nachmittag teils ĂŒber 25 Grad erreicht. Kein Wunder, kommt es an der Front auch hier und da zu Blitz und Donner. Noch mehr davon könnte es auf der RĂŒckseite gegen Abend geben, wenn auch noch die Höhenkaltluft bei uns eintrifft. Zweifellos muss man aber das Hauptaugenmerk auf den Wind richten:

Hier sind die maximalen Windböen beim Eintreffen der Front am Vormittag dargestellt. Am heftigsten wird es wahrscheinlich am JurasĂŒdfuss, wo die Winddrehung auf Nordwest mit starkem Druckanstieg nördlich des Juras einen Fallwind (Joran) auslöst. Vor allem in der Westschweiz bis etwa nach Grenchen ist hier mit Böen von 100 – 110 km/h zu rechnen. Etwa 80-90er Böen in den Niederungen sind im weiteren Verlauf am Bodensee sowie an den EingĂ€ngen zu den AlpentĂ€lern infolge Kanalisationseffekten zu erwarten, ebenso in erhöhten und exponierten Lagen des Mittellands. Gegen Abend lĂ€sst der Wind allmĂ€hlich nach und in der darauf folgenden Nacht sollten wir wieder besser schlafen können…

Die eingangs erwĂ€hnte Verlagerung des Nordatlantikhochs in Richtung Nordskandinavien schnĂŒrt den Trog am Wochenende ab. Da gleichzeitig das Hoch im Osten blockiert, entsteht daraus eine Lage Tief Mitteleuropa (bereits die vierte seit Anfang Juli, sehr aussergewöhnlich diese HĂ€ufung). Die zuvor aus Grönland importierte Polarluft bleibt ĂŒber uns gefangen und dreht sich mehrere Tage im Kreis. Typisch fĂŒr diese Lage ist, dass keine Region rund um die Alpen lĂ€ngere Zeit von einer Leewirkung (Föhn) profitieren kann. Nach den bereits sehr intensiven RegenfĂ€llen an den beiden vergangenen Wochenenden steht auch diesmal ein sehr nasses bevor, wobei der Schwerpunkt diesmal eher etwas östlich zu liegen kommen dĂŒrfte:

Je nach IntensitÀt der NiederschlÀge kann die Schneefallgrenze zeitweise auf 1000 m sinken, unter UmstÀnden in einzelnen TÀlern sogar noch etwas tiefer. In etwa 2000 m Höhe ist bis Dienstag insgesamt mit bis zu einem Meter Neuschnee zu rechnen, der je nach Verlauf des Herbstes unter UmstÀnden noch lange Bestand haben könnte. Wobei wir im letzten Jahr gesehen haben, dass eine krÀftige, mehrtÀgige Föhnlage auch ein solches Polster im Nu dahinraffen kann. Auch ein ordentlicher Altweibersommer mit krÀftiger ErwÀrmung in der Höhe unter einem Hochdruckgebiet könnte dem Schnee zusetzen. Doch ist ein solcher in Sicht?

Möglich, ja, doch angesichts der Ensembles sieht die Entwicklung ab dem 20. September extrem unsicher aus. Nun kommt das eingangs erwĂ€hnte Skandinavienhoch ins Spiel. Wird dieses krĂ€ftig genug, kann es die Reste des abgetropften Tiefs aus Osteuropa wieder zurĂŒck nach Westen steuern. Das wĂŒrde fĂŒr uns eine schwarze Bisenlage bedeuten – Altweibersommer sieht anders aus. Einige Modelle zeigen, dass sich die Reste dieses Tiefs ĂŒber Osteuropa halten und wir von Westen unter Hochdruckeinfluss geraten. Angesichts der feuchten Vorgeschichte wĂŒrde auch dies nicht etwa SpĂ€tsommer, sondern Herbst bedeuten: Inversionslage mit Nebel in den Niederungen, immerhin sonniges und mildes Bergwetter. Die einzige Chance fĂŒr einen ordentlichen Altweibersommer wĂ€re eine krĂ€ftige SĂŒdwest- oder SĂŒdföhnlage, welche den feucht-kĂŒhlen Bodensatz wieder ausrĂ€umen wĂŒrde, doch solcherlei ist in den Karten nur in wenigen Aussenseiterlösungen zu sehen. Scheint so, als mĂŒssten wir uns definitiv mit dem Herbst anfreunden…

Kaltfront 18.08.2017 – Grande Finale des Hochsommers oder nur SpĂŒlgang?

Ob sich der spektakulÀre Frontaufzug vom 1. August wiederholt?

Manch einer mag sich jetzt wundern, warum der Titel dieses Blogs nicht wie im Sommer ĂŒblich eine Gewittervorschau fĂŒr eine ganze Woche ankĂŒndigt. Nun, wenn noch nicht mal die Grosswetterlage fĂŒr Anfang nĂ€chster Woche bestimmt werden kann, ist es wenig sinnvoll sich ĂŒber Gewitterwahrscheinlichkeiten den Kopf zu zerbrechen. Doch eines steht fest: Wir verabschieden uns wie fast alljĂ€hrlich pĂŒnktlich zu Mitte August vom Hochsommer. Bereits in den letzten Tagen konnte man feststellen, dass sich das Licht verĂ€ndert. Und trotz schwĂŒler Luftmasse geschieht verhĂ€ltnismĂ€ssig wenig. Beim Sonnenstand von Anfang Juli wĂ€re da ein ganz anderes Orchester aufgezogen als die paar wenigen Zellen, die zwar punktuell ordentlich geschĂŒttet haben, aber bezĂŒglich BlitzintensitĂ€t in der Schwachstromliga spielten. Der Boden erwĂ€rmt sich aufgrund der schwĂ€cheren Sonneneinstrahlung bereits deutlich weniger stark, gleichzeitig ist die Höhenluft relativ warm. Da kann noch so viel Energie vorhanden sein, ohne LabilitĂ€t zĂŒndet es eben nur punktuell und hauptsĂ€chlich orographisch unterstĂŒtzt. Oder es braucht eine starke Front, die sich nicht am hohen Geopotenzial totlĂ€uft. Eine solche erreicht uns am Freitagabend.

Die Karte mit der Übersicht auf die europĂ€ische WetterkĂŒche in rund 5500 m Höhe zeigt viele interessante Details:

Da wĂ€re – dem Muster des Hochsommers 2017 treu bleibend –  wieder mal eine SĂŒdwestlage, wobei sich deren Ende soeben abzeichnet. Das krĂ€ftige Tief bei Schottland steuert zwei rasch aufeinander folgende aktive Kaltfronten nach Mitteleuropa, dahinter wird es auf dem Atlantik chaotisch. Einerseits ist am Nordrand des HöhenrĂŒckens der Rest des Hurricanes GERT eingebettet, andererseits entwickelt sich inmitten des Azorenhochs ein subtropisches Tief. Dazu spĂ€ter mehr, denn es ist fĂŒr die mittelfristige Entwicklung interessant, was dort genau geschieht.

Konzentrieren wir uns zunÀchst auf das, was in der Kurzfrist als gesichert gilt: Die Kaltfronten am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag. In der folgenden Karte kann man die beiden Fronten anhand der Luftmassen-Klassifikation gut identifizieren:

Die erste Front steht am Freitagabend genau ĂŒber der Alpennordseite und trennt sehr energiereiche Subtropenluft (rot) von gemĂ€ssigter Atlantikluft (gelb). Die zweite Front, welche Polarluft (grĂŒn) nach sich zieht, folgt nur etwa 6 Stunden spĂ€ter. Erst mit ihr erreicht uns auch Höhenkaltluft, was bedeutet, dass die LabilitĂ€t in allen Phasen ungefĂ€hr dieselbe bleibt. Vom Energiepotenzial ist die erste Front wie ĂŒblich die gefĂ€hrlichere, das zeigt der Blick auf die Karte mit dem ausfĂ€llbaren Wasser:

Über 40 Liter pro Quadratmeter stehen in der LuftsĂ€ule bereit. Wenn sich das auf mehrere Stunden verteilt, ist das schon ordentlich viel. Bei einem dynamischen Kaltfrontdurchgang kann das aber in viel kĂŒrzerer Zeit runterkommen. Somit geht die Hauptgefahr am Freitagabend von Sturzfluten aus, die lokal wahrscheinlich wieder grössere SchĂ€den anrichten dĂŒrften. Es spielt aber noch ein zweiter Faktor mit, nĂ€mlich der Wind:

Der Wind in mittleren Höhen ist nicht aussergewöhnlich stark, doch die Gesamtsituation mit auf Nordwest drehendem Wind riecht stark nach einem heftigen Kaltfront-Joran am JurasĂŒdfuss. Eilt die Druckwelle der Front voraus, kann dies bedeuten dass die Gewitter in JuranĂ€he und im nördlichen Mittelland gar nicht mal so heftig ausfallen, sondern einfach im Nachgefolge der Front krĂ€ftiger Regen begleitet von starkem Wind aufzieht. Bei solchen Lagen zĂŒndet es, wo die energiereiche Luft durch den Schub aus Nordwesten in Richtung Alpen gehoben wird. Das beginnt in der Regel bereits dort, wo das Mittelland in die höhere HĂŒgelzone ĂŒbergeht. Mit SĂŒdwestwind von 80-90 km/h in 3000 m Höhe ziehen die dort entstehenden Zellen sehr rasch; dass diese WindstĂ€rke böig zum Boden runtergemischt wird, ist zu erwarten. Auch ist die Hagelgefahr aufgrund der starken Scherung nicht zu unterschĂ€tzen. Wir haben es also mit einer potenziell sehr gefĂ€hrlichen Lage zu tun, zumal das tageszeitliche Timing stimmt. Wobei diesmal die Sonneneinstrahlung (möglicherweise am Nachmittag bereits viel hohes Gewölk) gar nicht mal so sehr entscheidend ist: Die Luft vor der Front ist energiereich genug und braucht nicht noch zusĂ€tzlichen Treibstoff. Die zweite Kaltfront in der Nacht bringt tagesgangbedingt wahrscheinlich nur vereinzelt in den Dauerregen eingebettete Blitze, die Niederschlagsmengen dĂŒrften aber am Alpennordhang betrĂ€chtlich sein. Die Schneefallgrenze sinkt zum Samstagmorgen auf etwa 2500 m.

Der Vorteil dieses dynamischen Frontdurchgangs ist, dass es entgegen frĂŒherer Prognosen nicht das ganze Wochenende nass bleibt. Am Samstag hĂ€ngen noch viele Restwolken rum und in den zentralen und östlichen Bergen regnet und schneit es noch lĂ€nger, sonst trocknet es von Westen her bald ab. Am Sonntag wirkt bereits das nachrĂŒckende Hoch. Nach recht frischem Start erwĂ€rmt die Sonne tagsĂŒber die eingeflossene Kaltluft bereits wieder auf ĂŒber 20 Grad und der Montag dĂŒrfte der stabilste und sonnigste Tag mit angenehmen Sommertemperaturen werden.

Und danach? Schaut und urteilt selbst:

Wie soll man bei solch völlig gegensĂ€tzlichen Druckmustern eine Prognose erstellen? Dienstag und Mittwoch ist von stabilem, sehr warmem SpĂ€tsommerwetter ĂŒber schwachem Kaltfrontdurchgang bis zu einer nachfolgend kĂŒhlen Nordstaulage alles möglich. Es zeigt sich einmal mehr: Sobald der Hochsommer vorbei ist, kann man keiner Mittelfristprognose mehr trauen. Dazu trĂ€gt nicht nur die Unsicherheit der eingangs erwĂ€hnten Ex-Hurricanes bei. In diesem Jahr ist die Konstellation mit den Wassertemperaturen im Nordatlantik speziell:

SĂŒdwestlich der Azoren liegt eine sehr warme Wasserblase mit 28 Grad, wĂ€hrend die Wassertemperatur rund um die Kanaren nur etwa 22 Grad betrĂ€gt. Ein gewisses West-Ost-GefĂ€lle ist dort zwar normal, doch aktuell ist es gegenĂŒber dem langjĂ€hrigen Mittel besonders ausgeprĂ€gt:

SĂŒdwestlich der Azoren ist das Wasser derzeit etwa 2 Grad wĂ€rmer als normal, östlich davon um den selben Betrag kĂ€lter. Solche Temperaturdifferenzen auf relativ engem Raum sind nicht gerade zutrĂ€glich fĂŒr das Azorenhoch. Wir haben in der Übersichtskarte am Anfang des Beitrags auf das Tief hingewiesen, das sich inmitten des Azorenhochs entwickelt. Je nach Modell schwĂ€cht dies das Azorenhoch nachhaltig, indem an dieser Stelle regelmĂ€ssig neue Tiefs entstehen, oder das Azorenhoch verlagert sich nach Norden um sich dort zu ungewohnter StĂ€rke aufzuplustern. Der Unterschied der Auswirkungen dieser beiden Szenarien fĂŒr Europa ist gewaltig: Relativ ruhige, spĂ€tsommerliche Flachdruck- oder sogar Hochdrucklage vs. unbestĂ€ndige und kĂŒhle Nordwest- und Troglagen. Was sich schlussendlich durchsetzen wird, hĂ€ngt wohl von den zahlreichen tropischen Tiefdrucksystemen ab, die sich derzeit bereitmachen und das ZĂŒnglein an der Waage spielen könnten…

Gewittervorschau 29.07.-03.08.2017

Typisches Wolkenbild bei schleifender Front (Cb) und föhniger Höhenströmung (Ac len)

Zum Ende der letzten Gewittervorschau haben wir darĂŒber gerĂ€tselt, ob die aktuelle zweite WochenhĂ€lfte von einer Westlage (EZ) geprĂ€gt wird, oder ob rasch eine neue Hitzewelle folgt, die bereits am Wochenende beendet wird (GFS). Wir lernen: EZ hatte wieder mal die Nase vorn und der SiebenschlĂ€fer ist eine Macht, auch wenn er von vielen Meteorologen belĂ€chelt wird. Auch der heurige Sommer bleibt also der SiebenschlĂ€fer-Regel treu und macht mit dem (ungefĂ€hren) Zweiwochentakt weiter, die vierte Hitzewelle folgt ziemlich genau zwei Wochen nach der dritten und vier Wochen nach der zweiten. Das einzige was sich geĂ€ndert hat ist die Hochdruckphase zwischen dem Ende der kĂŒhlen Phase und dem Beginn der Hitzewelle, waren doch die letzten Tage störungsanfĂ€llig, wenn auch wieder angenehm temperiert. Der Hochdruckeinfluss beschrĂ€nkt sich nun auf einen Tag (Samstag), danach geht es wackelig bis rumpelig weiter, diesmal mit einer echten SĂŒdwestlage (Meteorologenschreck Nr. 2 nach dem Tief Britische Inseln).

Schauen wir uns diese SĂŒdwestlage anhand der Druck- und Windverteilung im 500-hPa-Niveau vom Dienstag, 1. August an:
Wir sehen ein weit nach Westen verschobenes Azorenhoch, was den atlantischen Tiefdruckgebieten die Austrogung vor Europa ermöglicht. Der Trog ist zu wenig tief fĂŒr die GWL Trog Westeuropa, vor allem aber folgen vom Atlantik her immer wieder neue Tiefs. Die Lage kann sich nicht entscheiden, ob sie ĂŒber Mitteleuropa vorwiegend zyklonal oder antizyklonal daherkommen möchte. Die kurzwelligen zyklonalen (gelbe „Nasen“) und die antizyklonalen Anteile (grĂŒne „Buckel“) wechseln sich tĂ€glich, oft sogar kĂŒrzer ab. Es versteht sich von selbst, dass auf einen Zeitraum ĂŒber mehrere Tage hinweg der Fahrplan dieser Wellen mehrmals Ă€ndern kann, daher tut man sich derzeit besonders schwer einzuschĂ€tzen, wie zum Beispiel der Bundesfeiertag verlaufen wird. Zudem braucht es nur eine geringe Ostverlagerung des Tiefdrucksystems, um den gesamten Vorhersagezeitraum zyklonal zu prĂ€gen (sehr schwĂŒl, knapp 30 Grad, Gewitter jederzeit möglich) oder eine geringe Westverlagerung um der Lage bei uns antizyklonalen Charakter zu verleihen (sehr heiss, teils ĂŒber 35 Grad, Gewitter nur lokal und auf die zweite TageshĂ€lfte beschrĂ€nkt). Das GFS-Ensemble fĂŒr den Gitterpunkt Seeland zeigt die Problematik dieser Lage deutlich auf:

Wir sehen die Wellenbewegung der 850-hPa-Temperatur mit Spitzen am Samstag (noch moderat), sowie in den NĂ€chten von Montag auf Dienstag und Mittwoch auf Donnerstag. Die TĂ€ler dazwischen markieren die kĂŒhleren EinschĂŒbe der wellenden Front, welche ziemlich sicher die Westschweiz tangieren werden. Am Boden der Grafik wird der 6-stĂŒndige Niederschlag gezeigt, und da ist in diesem Lauf ein Detail besonders interessant: WĂ€hrend viele Ensemble-Mitglieder in der Nacht von Sonntag auf Montag Niederschlag zeigen, bleibt der Hauptlauf (der dicke grĂŒne) trocken. Dasselbe noch mal fĂŒr die Nacht vom 1. auf den 2. August. Da der Hauptlauf stĂ€rker aufgelöst ist als die ĂŒbrigen Member, wird der Gitterpunkt im Flachland trocken berechnet, die Gewitter beschrĂ€nken sich auf den Jura und die Alpen:

Doch kann man diesem Braten im heissen Ofen auf mehrere Tage hinweg trauen? Nein, schon gar nicht bei dieser Lage. Das Modell zeigt alle 6 Stunden etwas anderes, und das dĂŒrfte wohl noch eine Weile so bleiben. Es ist daher völlig sinnlos, auf die Details der einzelnen Tage einzugehen. Das einzige was man sagen kann: Das Potenzial fĂŒr sehr heftige Gewitter ist aufgrund der Luftmasse (sehr heiss mit feuchten EinschĂŒben) von Sonntag bis Donnerstag als hoch einzustufen. Der sĂŒdwestliche Höhenwind schwankt ebenfalls, da die Front mal etwas nĂ€her, mal weiter draussen in Frankreich liegt. Dies wiederum lĂ€sst erst kurzfristige Prognosen ĂŒber den zu erwartenden Charakter der Gewitter (Cluster oder Superzellen, also Hauptgefahr Starkregen oder Hagel und Sturm) zu.

Der einzige Tag, der sich recht sicher einschĂ€tzen lĂ€sst, ist der Samstag: Lange sonnig trotz gelegentlicher Wolkenfelder und in den meisten Teilen der Schweiz trocken und sehr warm. Aufpassen muss man entlang und sĂŒdlich des Alpenhauptkamms am Nachmittag und Abend, wobei auch hier die verschiedenen Modelle und innerhalb derer sogar die LĂ€ufe mal mehr, mal weniger AktivitĂ€t zeigen. Es wird also eine fĂŒr Meteorologen arbeitsintensive Zeit und die Nutzer tun gut daran, wenn sie regelmĂ€ssig das Radar und die etwas hĂ€ufiger als ĂŒblich aktualisierten Kurzwetterberichte darunter zu Rate ziehen.

Gewittervorschau 21.-27.07.2017

Vor zwei Wochen haben wir vom Zweiwochen-Rhythmus in diesem Sommer geschrieben, und er scheint sich ungefĂ€hr dran halten zu wollen. Wobei, exakt zwei Wochen sind es nicht zwischen den WellentĂ€lern und -bergen. Die kĂ€ltesten Tage bisher waren der 02.07., der 14.07. und der nĂ€chste wahrscheinlich der 25.07., die Spitzen der Hitzewellen hatten wir am 23.06., am 06.07. und 19.07. Es gibt also einen Trend zur VerkĂŒrzung der WellenlĂ€nge, die sich in einen 11-Tage-Rhythmus einpendeln könnte. 7 und 11 Tage sind die hĂ€ufigsten Rhythmen in unserem Wetterablauf, abhĂ€ngig von der WellenlĂ€nge der Tröge und RĂŒcken, welche in der Westwindzone eingebettet sind. Die 7er sind besonders „beliebt“, wenn die WellentĂ€ler regelmĂ€ssig aufs Wochenende fallen, doch der diesjĂ€hrige Sommer ist der gewöhnlich arbeitenden Bevölkerung gegenĂŒber etwas gerechter eingestellt. Nun, das nĂ€chste Wellental steht also an und der Übergang von heiss zu kĂŒhl ist wie im Sommer ĂŒblich von heftigen Wettererscheinungen begleitet.

Das Titelbild zeigt die Grosswetterlage „Tief Britische Inseln“, berĂŒchtigt als Meteorologenschreck, weist sie doch im statistischen Mittel nur eine HĂ€ufigkeit von 3 % auf, was schon mal niedrige Erfahrungswerte bedeutet. Die Position des Tiefs versetzt Mitteleuropa in den isobarischen Sumpf, wĂ€hrend auf der Vorderseite des Tiefs aus je nach Ausrichtung sĂŒdlicher bis sĂŒdwestlicher, zum Ende aus westlicher Richtung feuchte und meist energiegeladene Luft in den Alpenraum gefĂŒhrt wird. Dies sind alles perfekte Zutaten fĂŒr Gewitter – dass es tĂ€glich zu solchen kommt ist schon mal sicher. Auch die Zugbahnen lassen sich anhand der doch recht zĂŒgigen Höhenströmung recht gut vorhersagen. Nicht in die Karten blicken lĂ€sst sich das Tief bezĂŒglich seiner eingebetteten Kurzwellentröge, was bedeutet dass sich der Zeitpunkt der Entstehung und die Heftigkeit der Gewitter jeweils bis kurz vor dem Eintreffen nur schwer einschĂ€tzen lĂ€sst, zumal zwischenzeitlich auch schwacher Föhn ins Spiel kommt. Dies ist also die Ausgangslage seit gestern Mittwoch bis und mit Sonntag.

Heute Donnerstagvormittag zog eine tageszeitlich bedingt harmlose Kaltfront ĂŒber die Deutschschweiz hinweg, die sich jetzt ĂŒber Bayern und Oberösterreich so richtig austobt. Unter dem Zwischenhocheinfluss bleibt es heute Abend und Nacht verhĂ€ltnismĂ€ssig ruhig: Die Gewitter bleiben nördlich der Alpen unorganisiert und verclustern nur inneralpin ein wenig, die Unwettergefahr ist also gering. Heikler wird die Situation am Freitag:

Das in der Nacht ĂŒber uns hinweg ziehende Zwischenhoch liegt am Freitag nordöstlich von uns und erzeugt eine schwache Bisenströmung, wĂ€hrend vom Tief ĂŒber Grossbritannien der SĂŒdwestwind wieder Raum gewinnen möchte. Wir bekommen es also mit einer grossrĂ€umigen Konvergenz zu tun, was schon mal bezĂŒglich der Gewitterwahrscheinlichkeit und -verbreitung eine gute Prognose ermöglicht. Die Luftmasse ist mĂ€ssig labil und schwach gedeckelt, aber sehr feucht. Dies lĂ€sst am Nachmittag verbreitete, nicht auf die Gebirge beschrĂ€nkte Auslöse zunĂ€chst vieler unorganisierter Einzelzellen erwarten, die sich im fortschreitenden Tagesverlauf allmĂ€hlich verclustern. Ein kurzer, schwacher Föhnstoss kann in den zentralen und östlichen AlpentĂ€lern die Auslöse noch etwas verzögern, zum Abend dĂŒrften aber auch hier verbreitet Gewitter entstehen oder von der AlpensĂŒdseite her ĂŒbergreifen. Die Hauptgefahr geht also von Starkregen und eher kleinem Hagel in nur mĂ€ssig schnell ziehenden Gewitterclustern aus. Je nach StĂ€rke der Verclusterung können wie schon am Mittwoch heftige Sturmböen den Gewittern vorauseilen. In der sĂŒdlichen Höhenströmung mit nur leichter Westkomponente ziehen in den Alpen entstehende Cluster auch ins Mittelland.

Der Samstag lĂ€uft wahrscheinlich wieder etwas geordneter ab. Die Konvergenz am Boden ist weg und in der Höhe herrscht eine mĂ€ssige SĂŒdwestströmung. Die Luftmasse ist immer noch dieselbe wie am Freitag. Durch das geringere Forcing am Boden ist die Auslöse mehr an die Orographie gebunden, Gewitter entstehen also wahrscheinlich bevorzugt ĂŒber dem Jura, den Alpen und Voralpen. Es könnte wieder mal ein klassischer SW-Schienen-Tag werden mit den heftigsten Gewittern von den Voralpen ins benachbarte Mittelland oder vom Jura in Richtung Basel und Hochrhein ziehend. Eher ausgespart wird bei solchen Lagen die Zone vom JurasĂŒdfuss bis zum Bodensee. Da man bei dieser Wetterlage aber nie im Voraus wissen kann, ob sich vielleicht nicht doch noch irgendwo ein Tröglein oder eine Welle bildet, bleibt das Ganze mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

Am Sonntag setzt sich das Britannientief allmĂ€hlich in Bewegung, sodass der zykonale Einfluss bei uns zunimmt und im Tagesverlauf eine Kaltfront auf unser Gebiet ĂŒbergreift:

Die Frage hierbei ist wie immer, ob die modellierte Verlagerung des Tiefs und somit das tageszeitliche Timing in drei Tagen stimmt. Zieht die Front am Vormittag durch, geht sie wahrscheinlich mit viel Regen, ein paar Blitzen und mĂ€ssigem Wind ĂŒber die BĂŒhne. Heizt es tagsĂŒber noch ein und die Front erreicht uns gegen Abend, ist das Potenzial fĂŒr Unwetter, insbesondere die Sturmgefahr, gross. Man darf also mit allen fliessenden ÜbergĂ€ngen zwischen diesen beiden Möglichkeiten rechnen. Der aktuelle GFS-Hauptlauf geht vom morgendlichen Kaltfrontdurchgang aus, die Gewittergefahr wĂ€re demnach inneralpin am grössten, wo sich noch Warmluftnester halten. Das Mittelland und der Jura lĂ€gen in diesem Fall ab Mittag bereits auf der ruhigen RĂŒckseite der Front (postfrontale Subsidenz). Allzu viel darauf wetten sollte man allerdings nicht.

Am Montag und Dienstag zieht das Tief langsam ĂŒber Holland und Norddeutschland, wir geraten somit in eine Westströmung mit mĂ€ssig kĂŒhler Luft. Ein echter Kaltlufteinbruch, wie wir dies aus den Sommern der 70er und 80er noch kennen mit tagelang tief verschneiten Alpweiden und Ă€hnlichen Schweinereien, ist es allerdings nicht. Die Schneefallgrenze erreicht ihren Tiefpunkt wahrscheinlich in der Nacht auf Dienstag mit etwa 2500 m. Beide Tage erhalten das PrĂ€dikat wechselhaft bis trĂŒb (dies vor allem am Alpennordhang) mit wiederholtem Regen. Vereinzelt gewittrig können die Schauer am ehesten am Dienstag werden, wenn die kĂ€lteste Höhenluft des Troges ĂŒber uns hinwegzieht. Zunehmender Hochdruckeinfluss aus Westen wirkt dem allerdings bereits etwas entgegen.

Am Mittwoch stellt sich mindestens Zwischenhocheinfluss ein. Der weitere Verlauf ist noch völlig offen. EZ sieht eine Westlage, wobei der Alpenraum auf der warmen, eher hochdruckbegĂŒnstigten Seite der Frontalzone zu liegen kĂ€me. GFS hingegen will eine kurze, aber heftige Hitzewelle, die bereits zum Wochenende wieder beendet wird. Dies wĂ€re ein deutlicher Bruch im bisherigen Hochsommermuster und daher in Frage zu stellen. In einer Woche wissen wir hoffentlich mehr…

Gewittervorschau 08.-14.07.2017

HĂ€lt der Deckel, oder hĂ€lt er nicht? Dies war in den letzten Tagen die am hĂ€ufigsten gestellte Frage der Meteorologen und sie wird es auch am Samstag noch bleiben. Der zweite recht stabile HochdruckrĂŒcken dieses Sommers hat uns eine weitere (etwas kĂŒrzere als die erste im Juni) Hitzewelle beschert. Nun ist wieder die Übergangsphase zur nĂ€chsten kĂŒhleren Periode angesagt, es wird also fĂŒr ein paar Tage ruppig. An dieses Auf und Ab sollten wir uns diesen Sommer gewöhnen, denn hat sich ein solches Muster Anfang Juli erst mal eingespielt, hĂ€lt es in der Regel den ganzen Hochsommer an (moderne Auslegung der SiebenschlĂ€fer-Regel). Wenn dieser Takt beibehalten wird, lesen wir uns in zwei Wochen wieder. Dazwischen (in der kĂŒhlen und anschliessend in der hochdruckbestimmten Phase) geschieht gewittermĂ€ssig nicht viel. So kommt jeder in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden auf seine Rechnung: Sowohl die Sonnenanbeter, die Gewitterfans und jene die es etwas kĂŒhler mögen. Ein gutschweizerischer Kompromiss-Sommer also.

Wie so hĂ€ufig lohnt sich als EinfĂŒhrung der Blick auf die grossrĂ€umige Wetterlage. Das Grundmuster ist eine antizyklonale Westlage, was eine ĂŒber das nördliche Mitteleuropa verlaufende, relativ stramme Frontalzone bedeutet. Der Alpenraum liegt dabei stets auf der warmen SĂŒdseite. Doch nun schlĂ€gt der Jetstream ĂŒber dem östlichen Atlantik wieder aus und bereitet die nĂ€chste Troglage vor:

Zu sehen ist ein CutOff-Tief, das bereits seit einigen Tagen ĂŒber der Iberischen Halbinsel herumeiert. Es wird vom nachfolgenden atlantischen Langwellentrog im Verlauf des Sonntags absorbiert. Diese Einverleibung geschieht ĂŒber Frankreich und das daraus resultierende Gespann zieht in der Folge ĂŒber uns hinweg. Nun kann man sich gut vorstellen, dass ein solcher Prozess von den Modellen örtlich und zeitlich etwas unterschiedlich berechnet wird, entsprechend sehen auch die prĂ€sentierten Szenarien fĂŒr Sonntag und Montag verschieden aus. Es ist daher ziemlich sinnlos, heute schon einen genauen Fahrplan prĂ€sentieren zu wollen, einmal mehr ist Nowcasting angesagt.

Am Samstag tagsĂŒber geschieht vorerst noch nicht viel. Vorderseitig des spanischen Tiefs steilt der HochdruckrĂŒcken noch mal genau ĂŒber den Alpen auf und deckelt somit die tageszeitliche Entwicklung. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das sonst eher zurĂŒckhaltende COSMO zerstreute Konvektion rechnet, wĂ€hrend die ĂŒblicherweise dramatisierenden, im GFS genesteten Modelle den Deckel ĂŒber der Schweiz stabil rechnen. Wie so oft dĂŒrfte es in solchen FĂ€llen (wie schon gestern und heute Freitag) bei einzelnen Deckelbrechern bleiben, die irgendwo durch lokale Konvergenzen unterstĂŒtzt entstehen können. FĂŒr die meisten sollte der Samstag aber noch trocken verlaufen. Die Musik spielt wahrscheinlich wieder knapp nördlich und östlich der Schweiz (wo der HochdruckrĂŒcken weniger Einfluss hat), wobei allenfalls die Bodenseeregion und der Alpstein noch mit ins Orchester einbezogen werden. Spannend wird die Frage sein, ob die unter dem sich nĂ€hernden Tief ĂŒber Frankreich entstehenden Cluster lange genug ĂŒberleben, um in der zweiten NachthĂ€lfte oder am Sonntagmorgen ĂŒber der (West-)Schweiz den sterbenden Schwan zu spielen. Die Wahrscheinlichkeit dafĂŒr ist nach den aktuellen Unterlagen eher als gering einzustufen, sie sollte aber im Auge behalten werden.

Am Sonntag selbst ist dann das oben erwÀhnte Chaos angesagt:

Der atlantische Trog fĂ€ngt soeben den Rest des CutOff-Tiefs ĂŒber Frankreich ein, und ĂŒber Bayern entsteht ein weiteres Hitzetief. Die Schweiz irgendwo dazwischen in WaschkĂŒchenluft, von Westen her in der Höhe allmĂ€hlich labilisierend. Nach Organisation sieht das alles vorerst nicht aus, der Höhenwind zieht erst in der Nacht auf Montag an. Also viele lokale, sich allmĂ€hlich verclusternde Gewitter mit noch relativ langsamer Verlagerung, wobei das ausfĂ€llbare Wasser Werte erreicht, die durchaus hier und da kritisch sein dĂŒrften. Vor allem wenn sich ein Cluster irgendwo in einem Tal festsetzt, ist mit Überflutungen zu rechnen. Wo genau, lĂ€sst sich naturgemĂ€ss erst kurz vorher sagen, darauf gefasst sein sollte man aber ĂŒberall.

Am Montag rĂ€umt der Trog das CutOff-Chaos im Westen auf, das Ganze fĂ€ngt allmĂ€hlich an Konturen zu kriegen und die dazugehörige Kaltfront greift auf die Schweiz ĂŒber:

Hier ist wie schon einleitend gesagt noch nicht sicher, wie der tageszeitliche Ablauf aussehen wird. Zieht die Kaltfront in der ersten TageshĂ€lfte durch, dĂŒrfte sich die Sache relativ harmlos abspielen. Sollte sich aber tagsĂŒber vorderseitig der Front noch mal ordentlich WĂ€rme aufbauen, kann es in der zweiten TageshĂ€lfte mit der Front ordentlich zur Sache gehen. Heute lĂ€sst sich einzig sagen: je weiter östlich, umso höher das Unwetterpotenzial. Die Details entnimmt man am besten dem bei solchen Lagen zeitnah aktualisierten Kurzwetterbericht unter dem meteoradar-Loop.

Am Dienstag befinden wir uns genau unter dem Trog in bereits kĂŒhlerer Luft, somit stabilisiert sich die Lage allmĂ€hlich. Es gibt aber auch Rechnungen, welche Reste von bodennah warm-feuchter Luft inneralpin belassen, da die Strömung vorerst noch auf West verbleibt. Dies bedeutet im Flachland wahrscheinlich nur noch wenige Schauer, in den Alpen sind aber Gewitter durchaus noch mal in Betracht zu ziehen. Am Mittwoch (dem kĂŒhlsten Tag und mit nordwestlicher Höhenströmung) sollte sich das dann auch erledigt haben. Im Nordstau der Alpen bleibt es wahrscheinlich ein trĂŒber Tag mit restlichen NiederschlĂ€gen, wobei die höchsten PĂ€sse durchaus mal ein SchĂ€umchen Schnee zu sehen bekommen können. Nach heutiger Sicht wirkt am Donnerstag ein Zwischenhoch mit gemĂ€ssigten Temperaturen und recht viel Sonnenschein, bevor uns am Freitag aus Nordwesten der nĂ€chste Trog besucht und den wahrscheinlichen Tiefpunkt dieses Monats einleitet. Angesichts der Zeitspanne bewegen wir uns hier aber bereits an der Grenze zum Glaskugelbereich.

Gewittervorschau 24.-29.06.2017

Samstagabend wird man gespannt Ausschau nach Westen halten (Bild einer Àhnlichen Lage am 07.07.2015)

Nach zwei Wochen im tĂ€glichen vielleicht-passiert-heute-etwas-aber-wahrscheinlich-nichts-dramatisches-Modus kommt grossrĂ€umig endlich etwas Schwung in die Wetterlage. Das Spekulieren ĂŒber „Wo geht heute ein Pupfi hoch?“ hat somit ein Ende und wir können uns wieder einmal ĂŒber etwas unterhalten, das HĂ€nde und FĂŒsse hat: nĂ€mlich Tröge und Fronten. Diese hatten es in den letzten Tagen schwer: Ein subtropischer HochdruckrĂŒcken ĂŒber Mitteleuropa hat alles plattgewalzt, was auch nur in die NĂ€he der Alpen kam. Die Folgen dessen haben wir inzwischen zur GenĂŒge kennengelernt: Hitze mit neuen saisonalen Rekorden, Trockenheit und zunehmende Waldbrandgefahr. Ob eine solch verfrĂŒhte Hochsommerphase nur das Amuse-Bouche fĂŒr einen ganz grossen Sommer war oder ob dieser nun bereits sein Pulver verschossen hat, wird Gegenstand der Untersuchung im inzwischen traditionellen SiebenschlĂ€fer-Ausblick des fotometeo-Blogs sein, hier soll es nun erst mal um die spannende Entwicklung der nĂ€chsten Tage gehen.

Heute ziehen wir fĂŒr den Überblick zur Grosswetterlage die Jetstream-Karte zu Rate:

Wir erkennen den Jetstream in bereits hochsommerlicher Position ĂŒber Nordeuropa mit nur wenigen MĂ€andern, wobei der ausgeprĂ€gteste davon ĂŒber dem zentralen Nordatlantik liegt. Dieser war fĂŒr unser stabiles Wetter der letzten Wochen verantwortlich, doch nĂ€hert er sich in den kommenden Tagen allmĂ€hlich Westeuropa und stellt somit die Wetterlage mittelfristig grundlegend um. Aus der aktuellen GWL West antizyklonal wird Trog Westeuropa und in der Folge – aber da scheiden sich noch die Geister bzw. die Modelle – Trog Mitteleuropa. In der Kurzfrist sollten wir aber das Augenmerk auf das kleine blau-tĂŒrkisige WĂŒrmchen richten, das in der Nacht zum Sonntag von den PyrenĂ€en zu den Alpen kriecht. Es markiert das Starkwindfeld in der Höhe vor einem Randtrog, und das weisse Kreuz ĂŒber der Schweiz steht ausnahmsweise nicht fĂŒr unsere Landesflagge, sondern signalisiert uns, dass die Luft in  9-10 km Höhe stark auseinanderfliesst, was die Hebung der darunter liegenden Luftmassen bewirkt.

Und auf genau diese Hebung wird es ankommen, denn obwohl wir den ganzen Samstag direkt unter einer Kaltfront liegen…

… passiert erst mal gar nichts. Wie die Isobaren zeigen, herrscht am Boden westlich von uns bereits wieder Hochdruck, was eine typische Begleiterscheinung flach einfliessender kĂŒhler Luftmassen ist. Da wir tagsĂŒber noch unter dem HöhenrĂŒcken liegen, ist die Schichtung auf der Alpennordseite mit -10 ĂŒber +12 Grad in 500/850 hPa zu stabil fĂŒr Gewitterbildung. Einzig in den AlpentĂ€lern und im SĂŒden, wo die bodennah kĂŒhlere Luft noch nicht hingelangt, kann es zur Auslöse kommen. Erst am spĂ€ten Abend nĂ€hert sich aus Westen Höhenkaltluft, womit die Differenz zwischen 500 und 850 hPa auf 26-27 Grad ansteigt:

Diese grenzwertige LabilitĂ€t wĂŒrde tagsĂŒber gerade mal fĂŒr kurzlebige Gewitter ausreichen, in der Nacht ohne Sonneneinstrahlung kommt es normalerweise unter solchen Bedingungen nur zu schauerartig verstĂ€rktem Regen. Doch die oben erwĂ€hnte Hebung, ausgelöst durch die Höhendivergenz, wird das bis dahin lauwarme SĂŒppchen so richtig zum kochen bringen, sodass wir entgegen dem normalen Tagesgang wahrscheinlich die Geburt einer Gewitterlinie irgendwo in unserer NĂ€he mitten in der Nacht mitverfolgen können. Über die genaue Position der Entstehung sind sich die Modelle noch nicht ganz einig. Zwischen Ostfrankreich/Jura und Zentralalpen ist alles möglich, somit steht fest: Je weiter östlich, umso grösser ist die Gewitterwahrscheinlichkeit. Diese neu geborene Front wird am Sonntagmorgen rasch weiterziehen und unseren östlichen Nachbarn ordentlich den Sonntag verschiffen, wobei man auch dort vielorts auf das kostbare Nass wartet. Hierzulande hingegen wird es im Verlauf des Sonntags immer sonniger, und dies bei erst noch ertrĂ€glichen Höchsttemperaturen um 25 Grad. Also ordentlich durchlĂŒften denn…

… am Montag regeneriert sich unser HöhenrĂŒcken noch mal und der nĂ€chste Warmluftschub aus SĂŒdwesten zieht ins Land, will heissen: sonnig, heiss, lokale Hitzegewitter am Abend vor allem ĂŒber den Bergen – wir kennen es ja bereits. Am Dienstag dasselbe nochmal in Rot, denn die Höhenströmung dreht auf SĂŒdwest bis SĂŒd und es kommt wohl allmĂ€hlich der Föhn ins Spiel – immerhin mal was Neues auf der MenĂŒkarte dieses Sommers. Wie stark die Gewitterneigung zunimmt, wird davon abhĂ€ngen, wie rasch uns der Trog im Westen auf die Pelle rĂŒckt und wie stark die Luftmasse angefeuchtet wird. Hier gibt es also noch einige Unsicherheiten, die man aber mit Spannung in der Kurzfrist verfolgen sollte, denn solche Lagen bergen besonders in der westlichen LandeshĂ€lfte Unwetterpotenzial.

Damit ist auch bereits einleitend vorgewarnt, dass ab Mittwoch so ziemlich alles offen ist, denn ĂŒber das Vorankommen des westeuropĂ€ischen Troges und somit kĂŒhlerer Luftmassen nach Osten sind naturgemĂ€ss noch viele Fragen offen. Bleibt der Trog im Westen hĂ€ngen, könnten wir es mit einer markanten Luftmassengrenze irgendwo in unserer NĂ€he zu tun bekommen, wobei im Osten Österreichs neue Hitzerekorde im Bereich des Möglichen liegen, wĂ€hrend man gleichzeitig in Genf bereits die Herbstsachen hervorkramt. Aber vielleicht entschliesst sich ja der Trog fĂŒr einen raschen Durchmarsch, wir gelangen auf die kĂŒhle RĂŒckseite und die Sache beruhigt sich schon bald. Dass es auch noch ein Mittelding gibt, nĂ€mlich dass wir tagelang in eine kalt-feuchte Nordströmung gelangen, blenden manche von uns – die Autorin eingeschlossen – vielleicht lieber noch aus…

Gewitter- (und PfingstschĂŒtte-) Vorschau 02.-08.06.2017

Die Grosswetterlage am 02.06.2017 zeigt Mitteleuropa unter einem Höhenkeil, am Boden ist die Druckverteilung jedoch flach

Wer kennt nicht den Film: „TĂ€glich grĂŒsst das Murmeltier“. UngefĂ€hr so kommt man sich als Meteorologe in dieser Woche vor. Der Blick auf die Karte im Titelbild (reinklicken fĂŒr grössere Ansicht) macht sofort klar, woran es liegt: Weder in der Höhe noch am Boden sind ĂŒber Mitteleuropa nennenswerte Luftströmungen zu erwarten. Barosumpf nennen wir das, die beste Voraussetzung dass jeden Tag um dieselbe Zeit ungefĂ€hr am selben Ort Gewitter entstehen. Besonders betroffen ist derzeit das Dreieck Thun-Emmental-Zentralschweiz. Da kein Wind die Energie in Form von WĂ€rme und Feuchte abtransportieren kann, spielt die Sonne Jo-Jo damit: Was am Vortag zu Boden gefallen ist, steigt tags darauf um die Mittagszeit wieder in die Höhe, wird am Abend erneut ausgeschĂŒttet und so weiter und so fort… Höchste Zeit, dass mal jemand aufrĂ€umt in der WetterkĂŒche. Ausgerechnet ĂŒber die Pfingstfeiertage (wann denn sonst…) ĂŒbernimmt ein Tief ĂŒber GB diese Aufgabe, indem es ein Junges gebĂ€rt, das die Alpennordseite mit Westwind ordentlich durchblĂ€st. Doch man ahnt es: Im Juni sind solche Westlagen selten nachhaltig, und so kann in einer Woche das Spiel mit der Sonne und dem Jo-Jo wahrscheinlich von neuem beginnen…

Heute Freitag also noch mal „same procedure as every day“: Einzig angetrieben von lokale Talwinden, entstehen kleinrĂ€umige Konvergenzen zunĂ€chst ĂŒber BergkĂ€mmen (Jura, Voralpen) und es bilden sich erste lokale, kurzlebige Einzelzellen. Nach einer halben Stunde ist der Spuk in der Regel vorbei, doch der Outflow triggert in der unmittelbaren Nachbarschaft die nĂ€chste Zelle. Das Feuchteangebot fĂŒr Multizellen ist dort ausreichend, wo schon in den letzten Tagen Gewitter niedergegangen sind. Diese können dann schon etwas mehr Wind produzieren und eine Eigendynamik entwickeln, die sich ins benachbarte Mittelland fortsetzt. In den Abendstunden also erneut (wo genau kann man nicht sagen) auch im Flachland hier und da eine ordentliche Dusche, auch kleinkörniger Hagel kann mit dabei sein. Da am Abend allmĂ€hlich in der Höhe etwas Westwind aufkommt, muss man damit rechnen dass sich ein Cluster möglicherweise auch mal in die Ostschweiz verirrt oder durch Outflow-Konvergenzen aus Schwarzwald, Jura und Voralpen vor Ort bildet. Lasst euch ĂŒberraschen!

Am Samstag zunĂ€chst nochmal dasselbe Szenario: Der Tag beginnt meist sonnig, wobei die zunehmende Dynamik in der Höhe, insbesondere ein starkes Divergenzfeld in rund 9000 m, durchaus fĂŒr örtliche Morgenkonvektion gut sein kann. Und damit ist auch schon alles ĂŒber die PrognosegĂŒte in der Kurzfrist gesagt: mĂ€ssig bis schitter. Denn zu allem Überfluss nĂ€hert sich aus Westen eine Kaltfront, die zu Verwellungen neigt, hier eingezeichnet durch die zusĂ€tzlichen (T):

Diese Verwellungen sind in der Bodenkarte nicht zu erkennen, einzig in den Karten der mittleren Luftschichten, insbesondere 850 hPa, treten sie deutlich hervor. Der fĂŒr die Gewitterzugbahnen massgebliche Wind zieht ordentlich an und erreicht am Abend ĂŒber der Westschweiz etwa 60 km/h aus SĂŒdwest, also Superzellenpotenzial ĂŒber dem Jura. Wie rasch das Ganze nach Osten vorankommt, ist eben vom Verwellungsgrad der Front abhĂ€ngig: StĂ€rkere Verwellung bedeutet langsamere Ostverlagerung. Daraus ergibt sich der nĂ€chste entscheidende Faktor: Ziehen die Zellen auf der klassischen Juraschiene oder bleiben sie auf französischer Seite? Gibt es frĂŒh Joran (der die untere Luftschicht stabilisiert) oder eine Druckwelle durchs Mittelland, die an den Voralpen neue Gewitterlinien triggert? Je mehr Modelle man sich anschaut, umso reichhaltiger wird das MenĂŒ…

Klar ist: Unwetterpotenzial ist vorhanden. Man muss mit allem rechnen, auch mit einem Rohrkrepierer. In der Nacht zum Sonntag und am Sonntagmorgen zieht die Kaltfront dann durch die Schweiz und bringt ordentlich Regen. Auch hier ist vom Verwellungsgrad der Front abhÀngig, wie viel Niederschlag wo fÀllt und wie rasch am Nachmittag aus Westen eine Wetterbesserung eintritt.

Am Montag liegt die Kaltfront genau an den Alpen, gerĂ€t allerdings unter den Einfluss einer schwachen HochdruckbrĂŒcke:

Dieses Szenario (sofern es denn auch eintrifft, siehe unsichere Vorgeschichte) spricht fĂŒr einen eher ruhigen Tag im Mittelland und Jura, hier ist die LabilitĂ€t höchstens fĂŒr schwache Gewitter knapp ausreichend. Die Reste der schwĂŒlen Luft in den Alpen werden zusammen mit einer konvergenten Strömung hier eher fĂŒr einen verregneten, mitunter gewittrig (vor allem im SĂŒden und in GraubĂŒnden) durchsetzten Tag sorgen. Dabei kann es lokal durchaus zu kritischen Regenmengen kommen.

In der Nacht zum Dienstag erreicht uns die nĂ€chste Kaltfront, und erst diese sorgt fĂŒr den eingangs erwĂ€hnten Luftmassenwechsel:

Diese Polarluft ist kalt genug, um am Dienstagmorgen die höchsten Juragipfel und die Voralpen anzuzuckern. Aus Westen setzt sich aber im Lauf des Tages allmĂ€hlich das nĂ€chste Hoch durch, und der Westwind ist krĂ€ftig genug, um die Polarluft rasch weiter nach Osten abzufĂŒhren. In den 60 Stunden von Dienstagvormittag bis Donnerstagabend setzt in 1500 m Höhe eine ErwĂ€rmung von sagenhaften 15 Grad ein. Der Mittwoch also ein sonniger, trockener und angenehm temperierter Tag, am Donnerstag könnte es dem einen oder anderen bereits wieder etwas zu warm werden. Und die ersten Hitzegewitter ĂŒber den Bergen sind möglich. Vorhang auf fĂŒr Sonne, Jo-Jo und so…