Wetterblog

Themenschwerpunkt des neuen Wetterblogs von meteoradar ist der Radarblick auf das aktuelle Wetter. Wir möchten die User von Radar- und Blitzkarten bei deren Interpretation unterstützen. Zu bestehenden Beobachtungen, Vorhersagen und Warnungen werden in loser Folge vertiefende Erklärungen und Link-Hinweise auf externe Informationsquellen gegeben. Selbstverständlich finden auch im Nachhinein Analysen von besonderen Wetterereignissen ihren Platz.

Es ist uns ein Anliegen, bei den Lesern des Wetterblogs einen Lerneffekt auszulösen, und auf diese Weise zu einem bewussteren Umgang mit kurzzeitigen Wettergefahren wie Gewitter, Sturm, Sturzfluten, Hagel im Sommer, oder Glättegefahr im Winter beizutragen.

Der Wetterblog wird in Zusammenarbeit mit fotometeo Muriset betrieben.

Wochenvorschau Gewitter 14.-20.5.2012

Die Wetterlage für den Freitagabend, 18.5.2012, 20 Uhr (18 UTC). Quelle: wetter3.de

Mit diesem Blog eröffnen wir eine Serie von Beiträgen über das Gewitterrisiko in der jeweils kommenden Woche. Die Reihe wird den Sommer über in loser Folge fortgesetzt. Zusammenfassend lässt sich jetzt schon sagen, dass das Risiko für Gewitter erst am kommenden Wochenende wieder markant ansteigt. Hingegen ist weiterhin wechselhaftes Wetter zu erwarten. Verschiedene Störungen dürften, im Wechsel mit Zwischenhocheinfluss, für Wolken, Regen und auch Wind besorgt sein.

Am Montag wird ein erstes Zwischenhoch für freundliches und auch wieder etwas wärmeres Wetter sorgen. Am Dienstag folgt ein neuer Kaltluftvorstoss aus Nordwesten, dessen Zentrum knapp nördlich unseres Landes vorbeiziehen dürfte. Wir erwarten ab der 2. Tageshälfte am Dienstag Niederschlag, auch Westwind und erneut einen markanten Temperaturrückgang. Vereinzelt können Blitz und Donner dabei sein, insgesamt aber reicht die präfrontale Labilisierung nicht aus für hochreichende Gewittertürme.

Am Mittwoch dürfte frisches Rückseitenwetter vorherrschen, Es ist mit Schauern, vereinzelt auch wiederum mit Blitz und Donner zu rechnen, deren Häufigkeit und Intensität im Tagesverlauf nachlassen dürfte, da sich erneut zunehmend Zwischenhocheinfluss bemerkbar macht. Über die vertikale Mächtigkeit der Rückseitenkaltluft besteht zur Zeit noch einige Unsicherheit. Je nachdem sind verbreiteter und kräftige, oder dann nur vereinzelte Schauer zu erwarten.

Nach erneutem Zwischenhocheinfluss am Donnerstag folgt eine Umstellung der Wetterlage auf südwestliche Höhenströmung. Mit einer Warmfront gelangt feuchtlabile Warmluft aus dem westlichen Mittelmeer in unser Land und lässt das Gewitterrisiko aufs Wochenende markant ansteigen. Der Fahrplan und die Stärke der erwarteten Gewitter lassen sich zur Zeit nicht abschätzen. Die folgenden Aussagen sind deshalb spekulativ. Die Trogachse scheint sich nur langsam ostwärts zu verschieben. Bereits am Freitagabend sind erste Entladungen möglich, verbreiteter dann wohl am Samstag, bevor auf Sonntag eher wieder kühlere Meeresluft das Regime übernehmen könnte.

Die beigefügte Grafik des Vorhersagemodells GFS zeigt die potentiell gewitterträchtige Wetterlage für Freitagabend 20 Uhr (18 UTC).

Wann kommen die Gewitter – falls überhaupt?

Vorhersagekarte Bodendruck und Geopotential 500 hPa, Quelle: wetter3.de

Für Meteorologen ist es eine Herausforderung, bei Kaltfronten die Eintreffzeit und Stärke von erwarteten Gewittern möglichst exakt vorherzusehen. Bei der kommenden Kaltfront ist die Prognose besonders heikel. Das hängt mit zwei Faktoren zusammen:

1. Die Kaltfront kommt erst morgen Samstag. Falls es Gewitter gibt, werden diese im Vorfeld der Kaltfront erst in der Nacht auf Samstag erwartet – zu einer Tageszeit also, zu welcher die Sonne den Boden nicht mehr aufheizen kann, so dass ein wichtiger Trigger von Gewittern wegfällt.

2. Die Kaltluft kann in tiefen Schichten ohne Gewitterauslösung einsickern, die Luftmasse stabilisiert sich rasch – in der Folge kommt es allenfalls zu länger andauernden Niederschlägen – nur vereinzelt noch mit Blitz und Donner.

Als Laie kann man sich auf mehrere Arten orientieren:

a) man konsultiert die Vorhersagen des persönlichen Lieblings-Wetterdienstes, oder besser, man konsultiert gleich mehrere Wetterdienste, um sich das bestmögliche Bild zu machen.

b) man schaut sich die im Internet zahllos vorhandenen Wetterkarten an und bildet sich eine eigene Meinung.

c) man konsultiert die Diskussionen in einschlägigen Wetterforen, um die Sicht verschiedenster User (Fachleute und Laien) kennenzulernen. In der Schweiz kommt man selbstverständlich um das Schweizer Sturmforum (www.sturmforum.ch) nicht herum.

Wir kämpfen uns für einmal für Sie durch das Infomaterial durch und präsentieren Ihnen unsere Lesensweise. Selbstverständlich besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit. Ebensowenig versuchen wir, in die Tiefe einer Wetterkartenanalyse zu gehen. Eine solche zu machen und dann auch niederzuschreiben ist sehr zeitaufwendig. Auch so wird dieser Artikel noch lang genug. Wenn Sie, lieber Leser, sich durchlesen, dann ist Ihre Geduld schon sehr gross, und ich freue mich darüber :-) .

A) Aktuelle Texte der Wetterdienste (Stand: Freitag, 14 Uhr)

MeteoSchweiz:
Heute sonnig. Dünne hohe Wolkenfelder und in der zweiten Tageshälfte etwas Quellbewölkung. In den Bergen mässiger, im Flachland allmählich schwacher Südwestwind. Morgen am Vormittag im östlichen Alpenraum noch einige Aufhellungen, sonst stark bewölkt und auf der Alpennordseite zeitweise Regen, einzelne Gewitter möglich.

SF Meteo
Heute weiterhin meist sonnig und bis 30 Grad heiss. Zeitweise Schleierwolken, im Jura einige Quellwolken. In der Nacht auf Samstag zunehmend bewölkt und bereits erste Schauer oder Gewitter.

Meteomedia:
In der Nacht auf Samstag breiten sich im Vorfeld einer Kaltfront vom Jura und vom Hochrhein ausgehend Schauer und Gewitter aus.

meteotest:
Entlang dem Jura und den Voralpen steigt das Gewitterrisiko am Abend leicht an.

meteonews (für Zentralschweiz):
In der Nacht zunehmend bewölkt und gegen Morgen aufkommende Regengüsse, örtlich auch Gewitter möglich.

Unsere Zusammenfassung: Erste Gewitter kann es bereits heute Abend (im Jura, meteotest) geben, oder auch erst morgen Vormittag, wenn überhaupt (MeteoSchweiz). Die demokratische Mehrheit der Wetterdienste ist für Gewitter in der kommenden Nacht, eigentlich nur mit der Gegenstimme der MeteoSchweiz.

B) Sicht des Modells GFS

Meine persönliche Präferenz ist das GFS Modell, vor allem deshalb, weil die Karten bei wetter3.de, zuverlässig und in angenehmer Farbdarstellung abrufbar sind. Die hier referenzierten Karten sind diesem Artikel beigefügt. Es wird darauf verzichtet, die folgenden Aussagen anhand der Karten für den Leser nachvollziehbar zu begründen. Ebenso verzichten wir darauf, andere Modelle zu Rate zu ziehen, Begründung siehe oben…

Was kann ich da sehen?

- eine vorlaufende Bodenkonvergenz, welche um 20 Uhr (18 Z) knapp NW der Schweiz liegt (Karte 1). Im Bereich der Konvergenzlinie sind die CAPE-Werte (Karte 2) aber auch die CIN-Werte (Karte 3) besonders hoch. Hohe CIN-Werte bedeuten eine grosse Hemmschwelle zur Auslösung von Gewittern. Wenns aber losgeht (z.B. durch thermisch oder orographische Unterstützung), dann sind aufgrund der hohen CAPE-Werte durchaus auch kräftige Gewitter möglich.

Die Niederschlagsvorhersagekarte (Karte 4) zeigt bis 20 Uhr (18 Z) erste Signale im Jura. Diese Signale können nur durch lokale Schauer oder Gewitter generiert werden. Flächdeckend bleiben die erwarteten Niederschlagsmengen bis 20 Uhr gering, lokal kann es aber durchaus schon einen anständigen Sprutz geben.

Meine Interpretation: Am Abend, irgendwann nach 18 Uhr, erste Schauer im Jura möglich. Dabei dürften auch rasch einmal Blitz und Donner dabei sein. Aber Achtung, andere Modelle sehen das ganz anders, deshalb… Sprung zum Punkt C)

C) Sicht des Schweizerischen Sturmforums

Verfolgen Sie die seit einigen Tagen spannende Diskussion auf www.sturmforum.ch, aktuell in folgenden Threads:

http://www.meteoradar.ch/forum/viewtopic.php?f=2&t=8183

http://www.meteoradar.ch/forum/viewtopic.php?f=2&t=8189

Vorhersagekarte CAPE, "lifted index", Quelle: wetter3.de

Vorhersagekarte CIN, Quelle: wetter3.de

Vorhersagekarte Niederschlag bis 210 Uhr, Quelle: wetter3.de

 

 

 

Schmutziger Föhn in Sicht

Saharastaub-Prognose für den 27.04.2012, 18:00 UTC (Quelle: http://forecast.uoa.gr/dustindx.php)

Saharastaub-Prognose für den 27.04.2012, 18:00 UTC (Quelle: http://forecast.uoa.gr/dustindx.php)

Derzeit überbieten sich die Medien mit Superlativen in den Schlagzeilen, was das Wetter in der zweiten Wochenhälfte betrifft. “Sommerlich” ist noch der gemässigtste Ausdruck, manche sprechen gar von einer Hitzewelle und von Rekordtemperaturen für den April. Erfunden haben das die Medien nicht, denn es sind die Wetterdienste, die ganz ordentlich trommeln. Doch wie viel ist wirklich dran an diesen Prognosen?

Tatsache ist: Ein kräftiges Tiefdrucksystem setzt sich ab Donnerstag über Westeuropa fest, auf seiner Vorderseite wird aus Süden sehr warme Saharaluft über die Alpen nach Mitteleuropa geführt. Die prognostizierten Luftdruckunterschiede zwischen Süden und Norden sprechen zudem für kräftigen, mitunter sogar stürmischen Föhn. Die wärmste Luft wird nach den aktuellen Modellen von Freitag bis Sonntag mit 15 bis 18 Grad in 1500 m Höhe knapp nördlich der Alpen – also im Föhngebiet – erwartet. Bei voller Durchmischung und viel Sonnenschein sind in den Föhntälern 28, örtlich sogar knapp 30 Grad möglich. Und genau diese ominöse Zahl 30 geistert nun in den Medienmitteilungen der Wetterdienste herum und verführt die Redaktionen zu ihren reisserischen Schlagzeilen.

In keinem Wetterbericht  wurde jedoch bisher die Möglichkeit erwähnt, dass die Föhnhitze durch einen gewichtigen Faktor einen Dämpfer erhalten könnte: Wie auf obiger Karte zu erkennen ist, wird mit der kräftigen Südströmung aus dem Raum Marokko/Algerien ausserordentlich viel Saharastaub nach Mitteleuropa verfrachtet. Da gleichzeitig das Tief in höheren Luftschichten staffelweise feuchtere Luft zuführt, ist mit Schleierwolken zu rechnen. Mit dem Saharastaub sind viele Kondensationskerne in der Luft enthalten, welche die Bildung dieser hohen Wolken massiv verstärken können. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Wettermodelle diesen Faktor meist unterschätzen. Statt viel Sonnenschein gab es schon öfters bei solchen Lagen einen bedeckten Himmel mit nur diffusem Sonnenlicht, nicht selten kam es sogar zu einem kompakten Altostratus, aus dem mitunter sogar ein paar Tropfen fallen. Durch den gedämpften Sonnenschein wird die bodennahe Luftschicht weniger stark erwärmt und somit kann mancherorts der Föhn gar nicht so stark in die Täler durchgreifen, wie von den Modellen prognostiziert.

Fehlprognosen von 5 bis 8 Grad waren bei genau solchen Wetterlagen in der Vergangenheit (letztmals Ende Mai 2008) gar nicht selten. Wie der aktuelle Fall zeigt, hat dies der Modellgläubigkeit der Wetterzunft keinen Abbruch getan. Man darf also gespannt sein, wie warm es am kommenden Wochenende tatsächlich wird. Viel hängt davon ab, zu welcher Tageszeit das Zusammenspiel von hohen Wolken und Saharastaub greift und die Sonnenscheindauer tatsächlich einschränkt. Auf eines darf man sich aber mit ziemlicher Sicherheit einstellen: Einen typischen Föhn mit klarer Fernsicht wird es kaum geben, dazu fehlt einerseits der Regen auf der Alpensüdseite, der die Luft reinwaschen könnte und andererseits wird der Saharastaub auch ohne hohe Wolken für einen milchigen Himmel sorgen.

Neue Webcamseite www.camwetter.ch

Screenplot zur eleganten Navigation im Firefox

In diesem Blog möchten wir unsere neue Webcam-Seite www.camwetter.ch vorstellen. Diese Einstiegsseite führt zunächst auf ein Radarbild, bei Mausklick dann auf einen vergrösserten Kartenausschnitt mit Vorschaubildern und Links auf schöne Wetter-Webcams aus der Schweiz und dem nahen Ausland.

Insgesamt sind aktuell etwas mehr als 200 Webcambilder verlinkt, und es kommen laufend weitere dazu. Die Bedienung ist schörkellos. Bei Überfahren eines Farbtupfers mit der Maus auf der Zoom-Karte wird ein Vorschaubild angezeigt, und bei Klick auf den Farbtupfer öffnet sich in einem neuen Tab das Webcambild. Praktisch auch die Vorschaubildsammlung unterhalb der Zoom-Karte, angeordnet nach der Standorthöhe. Auch hier kann per Mausklick auf ein Vorschaubild das Webcambild in voller Grösse geöffnet werden.

Die neue Webcam-Seite bereichert das bisherige Angebot auf den beiden Homepages www.meteoradar.ch und www.metradar.ch. Nebst dem auf den Radarloops angezeigten Niederschlag können nun auch die lokalen Wetterverhältnisse (Wolken, Nebel, Nebeluntergrenze, Nebelobergrenze, Neuschnee, Schneefallgrenze und vieles mehr) direkt eingesehen werden. Mit wenigen Mausklicks kann zwischen den Webcambildern und den Radarloops hin und her navigiert werden.

Besonders praktisch wird die Navigation im Firefox mit dem zusätzlich installierten Addon “Tile Tabs”, siehe den angefügten verkleinerten Screen-Plot. Mit diesem Addon kann der Tab mit dem Webcambild neben dem Tab mit der Zoom-Karte im gleichen Browserfenster angeordnet werden. Bei Aufruf eines neuen Webcambildes per Mausklick erscheint dieses immer im 2. Tab auf der rechten Seite. So können sehr schnell verschiedene Webcambilder in einer Region eingesehen werden.

Gerne hoffen wir, dass den Lesern die neue Webseite gefällt. Falls Sie weitere schöne Wetter-Webcams kennen, welche jetzt noch fehlen, können Sie uns dies gerne per Email an support@meteoradar.ch mitteilen.

Unterbruch Radar Albis in der Hagel-Hauptsaison

Mit zielgenauer “Planung” bringt es die MeteoSchweiz zustande, den Radar Albis ausgerechnet in der Gewitter/Hagel Hauptsaison, Mai/Juni 2012, ausser Betrieb zu nehmen. Nur Juni/Juli wäre noch treffsicherer, aber das kann ja noch werden, sollte es Verzögerungen geben…

Bei der vorletzten Info der MeteoSchweiz war noch von April/Mai 2012 die Rede. Dies konnten wir hinnehmen, auch wenn im Mai bereits schwere Gewitterstürme auftreten können (Beispiel: 26. Mai 2009). Aber Mai/Juni, vielleicht sogar auch noch Juli (bei Verzögerungen), ist ein happiger Brocken. Die grösste Stärke des Albis-Radars ist die frühzeitige Erkennung von lokalen und plötzlich aufziehenden Unwettern. Die Gefährung bei Starkgewitter ist im Sommer aufgrund der zahlreichen Freizeitaktivitäten und Veranstaltungen besonders hoch. Der Unterbruch bedeutet eine nicht hinnehmbare Einschränkung für die Unwettervorsorge. Der Radar La Dole und ausländische Geräte können den Albis Radar in der dicht bevölkerten Ostschweiz nicht ersetzen.

Aus diesen Gründen wäre eine Verschiebung des Unterbruchs in den ruhigeren Herbst bestimmt vorzuziehen. Wir haben diesen Vorschlag bei MeteoSchweiz hinterlegt, mit ungewissen Erfolgsaussichten. Selbstverständlich hoffen wir, dass sich die MeteoSchweiz dazu aufraffen kann, den Planungsfehler zugunsten einer sicheren Unwettervorsorge zu korrigieren.

Zitat aus Info-Mail der MeteoSchweiz von heute, 3.4.2012:

“Commissioning, offline testing, configuration and online testing of the new radar will start beginning of May. Starting from this moment operation of the old radar will not be possible any more. The new radar will start the operation at the beginning of July.”

Neuerungen bei meteoradar

Webcambild Reichenburg. Quelle: meteoradar

Mit Beginn des zweiten Jahresquartals können wir über einige spannende Neuerungen bei meteoradar berichten. Unsere Vision ist eine Internet Platform, welche rasch und unkompliziert übers aktuelle Wetter und die mutmassliche Wetterentwicklung in den kommenden Stunden orientiert. Wir glauben, dass wir diesem Ziel mit den folgenden Neuerungen ein schönes Stück näher gekommen sind.

- Die neue Webseite http://www.meteoradar.ch/de/camwetter.php erlaubt den Zugang auf über 200 schöne Wetter-Webcambilder in der Schweiz und dem nahen Ausland. Die Bedienung ist schnörkellos und lässt sofort erkennen, welche Bilder aktuell oder älter sind. Die Anordnung der Vorschaubilder nach der Höhe gibt raschen Aufschluss über Wolken, Nebel, Nebeluntergrenze, Nebelobergrenze, Schneegrenze, die Basishöhe von Thermikwolken und vieles mehr.

- Das Radarvorhersagebild der Homepage http://www.meteoradar.ch wurde vergrössert und mit einer neuartigen Abfrage der Lokalprognose in Symbolform versehen.

- Die User können nun mit einem Mausklick zwischen den drei Angeboten Camwetter, Lokalprognose und Donnerradar wechseln und haben so auf einfachste Weise Zugang zur gesamten Information.

- Die Angebote Camwetter und Lokalprognose sind frei verfügbar und bleiben kostenlos. Das kostenpflichtige Angebot Zoom/3D Donnerradar bietet zusätzlich eine Angabe über die Bewegung der Radarechos, Blitzdaten, vertikale Radar- und Temperaturprofile, Bodenmessdaten und (optional) Archivzugang.

- Die kostenpflichtige lokale Risikovorhersage mit detaillierter Risikoanzeige für Regen, Hagel, Blitzschlag, Schneefall und Glättegefahr wurde markant vergünstigt und kann jetzt bereits ab Fr. 5.40/Monat abonniert werden.

- Wir möchten darauf hinweisen, dass der Radar Albis der MeteoSchweiz in den Monaten April und Mai erneuert wird. Wir werden als “Ersatz” Daten von ausländischen Radars verwenden. Vor allem östlich des Zürichsees ist mit Einschränkungen der angezeigten Radarinformation zu rechnen.

Hagelerkennung in Webcambildern

Gewitterwolke mit grün eingefärbten Hagelzonen. Quelle: meteoradar

Über grünlich verfärbte Hagelwolken wurde schon oft berichtet. Es gibt jedoch bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen, welche das Phänomen erklären können. Dabei wäre der Nutzen durchaus gegeben. Sollte eine physikalisch klare und reproduzierbare Ursache für das Phänomen vorliegen, dann sollte es auch möglich sein, aus Fotoaufnehmen mit entsprechender Verstärkung der Grünverfärbung die Hagelzonen zu identifizieren und zu lokalisieren. Genau diese Technik könnte dann auf die immer zahlreicheren Wetter-Webcambilder angewendet werden, um Hagelzonen, vielleicht sogar die Hagelstärke, besser zu erfassen und so auch die kurzfristige Hagelvorhersage zu verbessen.

Aus dieser Motivation heraus kooperiert meteoradar mit namhaften Forschungsinstituten, welche sich der Frage angenommen haben. Die ersten Resultate dieser Untersuchungen waren allerdings enttäuschend. Nach vielen Fehlschlägen hat sich gezeigt, dass eine zweite wichtige Komponente hinzugezogen werden muss, um zu brauchbaren Resultaten zu gelangen: die Fallbewegung der Hagelkörner im Vergleich zu den übrigen Wolkenpartikeln (Tröpfchen, Eiskristalle). Es scheint genau diese Fallbewegung zu sein, welche Reibungseffekte generiert, die nicht nur Blitz und Donner erzeugen, sondern eben auch die erwähnte Grünverfärbung. Für die Praxis hat sich gezeigt, dass ein Bild nicht genügt. Es braucht eine Bildsequenz mit einem Bildabstand von weniger als 30 Sekunden. Nur so kann auch die Fallbewegung analysiert werden, und dann in Kombination mit der Grünverfärbung zur präzisen Lokalisierung der Hagelzonen verwendet werden. Mehr können wir an dieser Stelle nicht verraten, wir sind gegenüber unseren Forschungspartnern vorderhand zu Stillschweigen verpflichtet. Im Doppelbild ist ein Beispiel angefügt, in welchem die Hagelzonen durch grüne Farbtupfer markiert sind. Interessant, dass der zufällig erwischte Blitz genau in einer eher hagelarmen Zone zu Boden rasselt.

Für den kommenden Sommer sind Tests mit maximal zehn operationellen Webcams in besonders hagelreichen Regionen (Jura, Voralpen, Südtessin) geplant. Wer qualitativ gute Wetter-Webcams in diesen Regionen kennt, kann uns dies per Email an support@meteoradar.ch oder im Schweizerischen Sturmforum melden (Link siehe unten). Das ideale Webcambild wird kontinuierlich oder in einem Abstand von weniger als 30 Sekunden erneuert, hat eine gute Pixel-Auflösung (typischerweise 1280×960 Pixel, 640×480 ginge zur Not) und zeigt zu mind. 50% den Himmel. Wir werden dann mit den Webcam-Haltern Kontakt aufnehmen.

Weiterführender Link im Sturmforum:

http://www.meteoradar.ch/forum/viewtopic.php?f=2&t=8136

Ausführliche Diskussion zur Grünverfärbung von Hagelwolken im Wetterzentrale-Forum:

http://www.wzforum.de/forum2/read.php?7,1609833

 

Wenn ein Nordstau das Gegenteil bewirkt

Satellitenbild vom 24.02.2012, 12:15 MEZ (Quelle: Eumetsat/UBIMET)

Satellitenbild vom 24.02.2012, 12:15 MEZ (Quelle: Eumetsat/UBIMET)

Der 24. Februar 2012 überraschte nach dem bisher kalten Monat entgegen vieler Prognosen mit frühlingshaften Temperaturen und ab Mittag mit einem völlig wolkenlosen Himmel über der gesamten Schweiz, dem Westen Österreichs und Teilen Süddeutschlands. Eine kurze Analyse, wie es dazu kam:

Eigentlich sollte es in der Nordschweiz an diesem Tag länger dicht hochnebelartig bewölkt bleiben. Dafür sprach die Anströmung aus Nordwest und der Eintrag von Grundfeuchte mit der Warmfront vom Vortag. Im Winterhalbjahr entsteht im Warmsektor zudem durch nächtliche Ausstrahlung und bodennahe Abkühlung eine Inversion. Stabile Schichtung (unten kalt, oben warm) kaum Wind und Grundfeuchte sind der optimale Mix für einen Hochnebeltag. Doch es kam anders…

Die Inversion war zwar am Freitagmorgen vorhanden, allerdings von geringer Mächtigkeit. Bereits in Lagen ab 700 Meter wurde in der vorangegangenen Nacht der Gefrierpunkt nicht unterschritten. Doch was war mit der Hochnebeldecke los, welche knapp nördlich der Schweiz und Frankreich weite Gebiete bedeckte? Mit der Nordwestströmung sollte diese eigentlich an die Alpen gedrückt werden und einen dicken Stau verursachen. An der folgenden Analyse-Karte kann man die Strömungsverhältnisse in ca. 1500 m erkennen: Strammer West- bis Nordwestwind von England direkt auf die Alpen gerichtet. Im Westen eine deutliche antizyklonale Krümmung (im Uhrzeigersinn) um das Hoch, im Nordosten die zyklonale Krümmung (im Gegenuhrzeigersinn) um das Tief:

Windströmung in 850 hPa am 24.02.2012 13:00 MEZ, Analyse nach GFS (Quelle: wetter3.de)

Windströmung in 850 hPa am 24.02.2012 13:00 MEZ, Analyse nach GFS (Quelle: wetter3.de)

Genau mittendrin befindet sich die Schweiz – und dies ist kein Zufall. Das Hoch könnte auch noch ein wenig weiter westlich und das Tief näher bei uns liegen, wenn die Anströmungsrichtung WNW stimmt, muss ein Teil der Luft aufgrund der Barrierewirkung östlich um die Alpen strömen, ein anderer Teil westlich davon. Die genaue Position des Hochs und des Tiefs entscheidet dann lediglich darübe, welche Seite wie viel des Anteils erhält und wo somit die Teilung stattfindet. Diese Teilung, das Auseinanderströmen der Luft, nennt man Divergenz. Wo am Boden Luft auseinanderströmt, entsteht ein Sog, der nur von oben aufgefüllt werden kann. Und diese Luft war an diesem Tag in der Höhe sehr trocken. Zudem wissen wir: Wenn Luft absinkt, erwärmt sie sich und wird dadurch relativ noch trockener. Eine Dunst- und Nebelschicht in den tiefsten Lagen hat damit keine Überlebenschance.

Man erkennt zudem auf dem Satellitenbild sehr gut die Stauwirkung am Nordwestrand des Juras, sowie auf der anderen Seite am Alpennordrand in Österreich. Im Westen handelt es sich unter dem Hoch um eine tiefe Nebelschicht, im Osten unter mehr Tiefdruckeinfluss sind die Wolken hochreichender und produzieren auch etwas Niederschlag. Ein weiter Unterschied zwischen dem hochdruckbeeinflussten Westen und dem tiefdruckbeeinflussten Osten: Trotz ähnlicher Düseneffekte am Alpenrand erreichten die Maximalböen in Genf gerade mal 25 km/h, in Wien waren es 75 km/h.

Diese Anströmungsrichtung bleibt auch in den kommenden Tagen mehr oder weniger bestehen. Was sich ändert, ist der Feuchtegehalt der Luft in der Höhe. So bringen am Samstag eine Kaltfront und am Montag und Dienstag Warmfronten mehr Wolken, am Alpennordrand in Österreich sogar ordentlich Regen und Schnee. Doch die Divergenz über der Schweiz bleibt und so darf es nicht verwundern, wenn es hier nicht nur alleine wegen des nahen Hochs weitgehend trocken bleibt. Ebenfalls sollte man nicht erstaunt sein, wenn die Wolken weiterhin grosszügiger auflockern als die Wettermodelle es gerne hätten. Hier ist die unverzichbare Erfahrung der Meteorologen gefragt.

Frühlingsgefühle

Wetterkarte der Nordhemisphäre, mit Anzeige der polaren Kaltluft (violette Farben). Quelle: wetter3.de

Die extrem kalte erste Februarhälfte ist Geschichte. Auch die letzten noch begehbaren gefrorenen Seeflächen dürften bald gesperrt sein. Die Wetterzeichen deuten aktuell auf Vorfrühling. Nach einem letzten Schneeflocken-Geplänkel heute Sonntag stösst ein warmes Atlantikhoch mächtig in den Kontinent vor. Ab dem Montag liegt der Kerndruck über Zentraleuropa über 1030 hPa, die Temperaturen steigen kontinuierlich an und erreichen bis am Freitag etwa +5 Grad in 1’500m Höhe. Mit dem immer schneller steigenden Sonnenstand wird die zunehmende Sonnenstrahlung dazu beitragen, dass die Temperaturen im Flachland an der 10-Grad Grenze kratzen werden.

Mit der aktuellen Wetterumstellung könnte eine neue Phase beständiger Witterung eingeleitet werden. Wenn man einen Blick auf die Wetterkarte der Nordhemisphäre wirft (siehe Grafik), dann fällt auf, dass die polare/kontinentale Kaltluft sich wieder weit von Zentraleuropa entfernt hat. Die Achse der kältesten Luft erstreckt sich etwa von Nordamerika über Grönland, den Nordpol bis nach Nordasien, während die atlantische Frontalzone ziemlich weit nach Norden verschoben ist. Falls diese Konstellation Bestand hat, dann wäre bei uns eher trockene und vor allem in der Höhe milde Witterung zu erwarten. Soweit ideales Skiwetter in den kommenden Wochen. Allerdings liegt die Schweiz eher östlich des atlantischen Wärmepools, so dass immer wieder Randstörungen aus NW zu uns vordringen können. Selbstverständlich kann auch wieder eine schöne Kaltfront dabei sein, aber nochmals eine Kältewelle wie gehabt? Nein, diesen Winter bestimmt nicht mehr.

Mildwinter = kalter Spätwinter – ein Widerspruch?

Grosswetterlage über Europa am 4. Februar 2012

Grosswetterlage über Europa am 4. Februar 2012

In der Nacht auf den 4. Februar sind im Schweizer Mittelland vielerorts die tiefsten Temperaturen seit 1987 gemessen worden. Manche Stationen tauchten unter -20 Grad, selbst in den grösseren Städten wurden zwischen -15 und -19 Grad gemessen. Das mag nach dem bisherigen Mildwinter erstaunen, jedoch nur auf den ersten Blick.

Was genau ist geschehen? Bis Mitte Januar hatte das Westwindregime mit milden atlantischen Luftmassen ganz Europa fest im Griff und nichts deutete darauf hin, dass dies in diesem Winter noch ändern könnte. Denn sämtliche Parameter für eine Fortsetzung des Mildwinters waren gegeben, und eigentlich sind sie auch heute noch vorhanden. Einerseits ist dies die positive Temperaturanomalie über weiten Teilen des Nordatlantiks, wie sie die aktuelle Karte zeigt:

Abweichung der Wassertemperatur gegenüber dem Klimamittel (Quelle: NOAA)

Abweichung der Wassertemperatur gegenüber dem Klimamittel (Quelle: NOAA)

Weiter fällt der extreme Temperaturgegensatz der Wasseroberfläche vor der Ostküste Nordamerikas auf. Diese ist sozusagen der Antrieb für die Produktion immer neuer Tiefdruckgebiete über dem Atlantik, was wiederum ein Garant für milde Westwinde bis nach Europa sein sollte. So zeigt denn auch der Index der Nordatlantischen Oszillation (NAO) weiterhin positive Werte an (Erklärungen dazu siehe Blogbeitrag vom 10. Dezember 2011):

NOA-Index, Messwerte und Prognose für Februar (Quelle: NOAA)

NOA-Index, Messwerte und Prognose für Februar (Quelle: NOAA)

Bei solchen Grosswetterlagen könnte man mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Fortsetzung des Mildwinters wetten, doch gibt es einen unberechenbaren Spielverderber: den sibirischen Kaltluftkörper. Dieser bildet sich in jedem Winter über der Nordhälfte der Eurasischen Kontinentalmasse aus, bedingt durch die langen Nächte und den geringen maritimen Einfluss. Er wächst im Lauf des Winters immer mehr an, bis im März die tägliche Sonneneinstrahlung die nächtliche Auskühlung wieder übersteigt und die Luftmasse über dem Kontinent allmählich durch die Sonne erwärmt wird. Die grösste Mächtigkeit erreicht dieser Kaltluftkörper somit erst in der zweiten Winterhälfte.

Da kalte Luft schwerer ist und eine grössere Dichte aufweist als Warmluft, kann man sich diesen Kaltluftkörper in etwa vorstellen wie zähflüssigen Honig: Von oben tropft immer mehr nach und am Boden breitet sich die klebrige Masse langsam in alle Richtungen aus. Dies erklärt die Bildung eines kräftigen Hochdruckgebietes am Boden, während in der Höhe eigentlich tiefer Luftdruck herrscht (gut zu sehen auf der Titelbildkarte). Das Höhentief saugt laufend neue Luft an, die sich über dem Kontinent in der Polarnacht extrem abkühlt, zu Boden sinkt und so den immerwährenden Nachschub an neuer Kaltluft gewährleistet. Erleidet nun die nach Europa gerichtete Westwinddrift über dem Atlantik einen Schwächeanfall wie dies Ende Januar (siehe NAO-Verlauf) der Fall war, hat der kalte “Honig” leichtes Spiel und überflutet Europa von Nordosten her. Die leichtere Warmluft aus Westen prallt auf dieser zähen Masse auf und kann nur nach Norden oder nach Süden ausweichen. Derzeit tut sie dies eher Richtung Norden, so weisen z.B. Island und Spitzbergen aktuell für die Jahreszeit deutlich zu milde Werte auf.

Ein Kälteeinbruch nach einem milden Winterbeginn ist somit nie auszuschliessen, die Voraussetzungen dafür liefern ganz einfach die klimatischen Voraussetzungen Europas zwischen einem sehr milden Ozean (Golfstrom) und einem extrem kalten Kontinent. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mildwinter in einen kalten Spätwinter kippt, liegt bei etwa 50 %. Die Auswertung der Winterverläufe der letzten 30 Jahre zeigt, dass im Schnitt jeder 4. Winter ein ähnliches Muster aufweist:
- 2004/05: mild bis Mitte Januar, extrem kalt Ende Februar bis Anfang März
- 2002/03: extrem mild bis Anfang Januar, zwei Kälteperioden Mitte Januar und Mitte Februar
- 1992/93: der erste Schnee des Winters fällt erst Ende Februar mit einem Kaltlufteinbruch aus Osten
- 1990/91: mild bis Mitte Januar, extrem kalt Ende Januar bis Mitte Februar
- 1987/88: extrem mild bis Mitte Februar, Kälte Ende Februar bis Anfang März
- 1985/86: mild bis Ende Januar, extrem kalt im ganzen Februar bis Anfang März
- 1982/83: eigentliche Winterkälte trat fast ausschliesslich im Februar auf

Wie geht es nun weiter? So wie man auch den Honig nur schwer vom Brot blasen kann, genau so wird die durchaus vorhandene Westwinddrift Mühe haben, die bodennahe Kaltluft auszuräumen. Zumal aus Osten der Kältenachschub noch mindestens eine Woche anhält. Wahrscheinlich ist danach eine rasche Erwärmung in der Höhe, während es in den Niederungen nur zaghaft in Richtung durchschnittliche Wintertemperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt geht.