Wetterblog

Themenschwerpunkt des neuen Wetterblogs von meteoradar ist der Radarblick auf das aktuelle Wetter. Wir möchten die User von Radar- und Blitzkarten bei deren Interpretation unterstützen. Zu bestehenden Beobachtungen, Vorhersagen und Warnungen werden in loser Folge vertiefende Erklärungen und Link-Hinweise auf externe Informationsquellen gegeben. Selbstverständlich finden auch im Nachhinein Analysen von besonderen Wetterereignissen ihren Platz.

Es ist uns ein Anliegen, bei den Lesern des Wetterblogs einen Lerneffekt auszulösen, und auf diese Weise zu einem bewussteren Umgang mit kurzzeitigen Wettergefahren wie Gewitter, Sturm, Sturzfluten, Hagel im Sommer, oder Glättegefahr im Winter beizutragen.

Der Wetterblog wird in Zusammenarbeit mit fotometeo Muriset betrieben.

Sturm-, Gewitter- und Schneevorschau 12.-18.01.2017

So ähnlich wie der Sturm am 11.01.2016 dürfte auch der diesjährige daherkommen.

So ähnlich wie der Sturm am 11.01.2016 dürfte auch der diesjährige daherkommen.

Jährlich grüsst der Samichlaus, das Weihnachtstauwetter und – genau! – die Sturmlage Mitte Januar. Auf gewisse Dinge ist einfach Verlass, was in unserer schnelllebigen und sich stetig veränderndern Zeit gar nicht mal so schlecht ist. Es gibt zwar den weisen Spruch dass sich Wetter nicht wiederholt, und wenn man die Details betrachtet wird man darin auch bestätigt. So gleicht zwar der Titel zu diesem Beitrag jenem vor genau einem Jahr wie ein Ei dem anderen, doch dürfte aus dem diesjährigen Ei eher ein Schneehuhn schlüpfen, während uns das letztjährige einen Kuckuck als Symbol für den nahenden Frühling beschert hatte. Ein gewichtiger Grund für diesen Unterschied dürfte die doch etwas andere Vorgeschichte der ersten zehn Tage des Jahres ausmachen: 2016 war Europa zu diesem Zeitpunkt weitgehend schneefrei, während in diesem Jahr mit wiederholten Kaltluftausbrüchen über Osteuropa eine gesunde Grundlage für hausgemachte Kälte bereit gestellt wurde.

Alles Gute kommt aus Westen oder wie im Fall der winterlichen Sturmtiefs aus Nordwesten, denn der Ursprung liegt so oft in einem Kaltluftausbruch durch die Davisstrasse auf die relativ warme Labradorsee:

20170111-blog2Dargestellt sind die Temperaturen in rund 1500 m Höhe, der weisse Pfeil markiert den Ausbruch arktischer Luft von bis zu -30 Grad auf den Nordatlantik. Dort wird durch die extremen Temperaturunterschiede eine Welle gebildet, die nach 36 Stunden bei uns als Randtief für eine stürmische Nacht sorgen wird. Dabei erwärmt sich die arktische Luftmasse auf dem Weg über den Atlantik unter gütiger Mithilfe von Vermischung mit Subtropenluft auf -5 Grad in 1500 m. Was einmal mehr eindrücklich aufzeigt, aus welcher Richtung wir den Winter in Europa nicht erwarten müssen, allenfalls kann diese Entwicklung die Zutaten in der europäischen Grosswetterküche neu mischen, sofern die Kaltluftausbrüche von Kanada her auf den Atlantik nicht nachhaltig sind, so wie im aktuellen Fall. Doch bevor wir uns der mittelfristigen Entwicklung widmen, wenden wir uns zunächst der Kurzfrist, also dem Sturmtief zu:

20170111-blog3Hier sehen wir das Randtief mit einer Zugbahn über Holland und Norddeutschland hinweg. Das ist die amerikanische Variante, die von UKMO gestützt wird. Etliche Festlandeuropäer wie ICON, Arpège und Hirlam sehen die Zugbahn über Luxemburg und der Mitte Deutschlands, zudem gibt es zeitliche Verschiebungen um etwa 3 Stunden, die aber für uns nicht ins Gewicht fallen. Auch steht für uns ausser Frage, ob wir ins Sturmfeld geraten oder nicht. Allerdings entscheidet die Positionierung des Tiefs und der daraus resultierende Druckgradient darüber, ob im Mittelland Böen von etwa 80 oder gar 100 km/h durchbrechen. Dass auf den Bergen Orkanböen zu erwarten sind, steht wiederum fest. Etwas dämpfend auf die absoluten Spitzenböen in den Niederungen dürfte der Umstand wirken, dass die Kaltfront in der zweiten Nachthälfte durchzieht, somit also der verstärkende Effekt der tageszeitlichen Erwärmung wegfällt. Noch ein Wort zum Niederschlag: Dieser fällt in den freien Lagen der Alpennordseite bereits ab der Warmfront von Mittwochnacht bis in Höhen von rund 1000 m als Regen. Etwas beruhigend dürfte die Nachricht für die Skigebiete sein, dass die Warmfront den inneren Alpentälern vorerst noch Schnee bis in die Tallagen bringt, und die Niederschläge am Donnerstag tagsüber mit der wärmsten Luft (Schneefallgrenze lokal bis 1500 m steigend) nur schwach ausfallen. Kritisch unter diesem Aspekt ist der Regen in der ersten Nachthälfte vor dem Eintreffen der Kaltluft, in tieferen Lagen wird wohl vom bisherigen Schnee nicht allzu viel übrig bleiben. Aber für Nachschub wird schnell gesorgt: Am Freitagmorgen sinkt die Schneefallgrenze bis in die Niederungen und dort wird sie in den folgenden Tagen auch bleiben. Denn in einem sind sich die Modelle nach der unsicheren Zugbahn des Randtiefs wieder einig: Es findet eine mächtige Austrogung über Mitteleuropa bis ins Mittelmeer und in der Folge ein Abschnürungsprozess statt. Für uns bedeutet dies zuerst von Freitag bis Sonntag eine Nord- und in den Folgetagen eine Ostlage.

Mit dieser Nordströmung erreichen uns polare Luftmassen, welche bei einer normalen Eisbedeckung der Arktis für uns strengen Winter bedeuten würde. So aber ist die Luft vorerst gemässigt kalt und auch ausreichend feucht, um immer wieder für Schneeschauer zu sorgen. Am Freitag ist die Höhenkaltluft sogar derart beschaffen, dass es für einige Wintergewitter reichen dürfte. Spannend wird die Lage anschliessend mit dem CutOff-Tief über dem Mittelmeer:

20170111-blog4Über Mitteleuropa bildet sich bodennah eine Hochdruckbrücke bis nach Russland, und jetzt kommt der eingangs erwähnte Schnee in Mittel- und Osteuropa zum Tragen: Unter diesem Hoch kann in klaren Nächten über frischem Schnee sehr effektiv Kaltluft produziert werden, welche mit der einsetzenden Nordostströmung auf die Alpennordseite geführt wird. Manche „Meteorologen“ werden zwar zwecks Effekthascherei wieder mal die Legende der sibirischen Kaltluft bemühen, doch nein, es ist lediglich Kaltluft der Marke Osteuropa. Das starke Druckgefälle zwischen dem Hoch nördlich von uns und dem Mittelmeertief wird einen Bisensturm in Gang setzen, wie wir ihn wahrscheinlich seit Februar 2012 nicht mehr gesehen haben – dies selbstverständlich bei Dauerfrost und zweistelligen Minustemperaturen in den Nächten. Liebhaber von natürlichen Eisskulpturen an Seeufern sollten sich den Dienstag und Mittwoch schon mal in ihrer Agenda vormerken. Getrübt werden könnte das Schauspiel durch schlechte Lichtverhältnisse, sollte das Höhentief tatsächlich die gezeigte nördliche Position beibehalten. In diesem Fall ist nämlich mit hartnäckiger hochnebelartiger Bewölkung zu rechnen, mitunter kann es daraus sogar gelegentlich flöckeln. Das Ende dieser Kälteperiode lässt sich anhand der heutigen Unterlagen nicht festlegen.

Sturmvorschau 20.-24.11.2016

Auswirkung der aktuellen Eis- und Schneeverteilung auf die nordhemisphärische Zirkulation

Auswirkung der aktuellen Eis- und Schneeverteilung auf die nordhemisphärische Zirkulation

In unserem letzten Beitrag vor Monatsfrist haben wir erklärt, weshalb die Herbststürme bei uns in jüngerer Vergangenheit seltener geworden sind. Nun steht der erste nennenswerte Herbststurm dieser Saison (endlich) vor der Tür, auch wenn er uns nur randlich tangiert und in erster Linie in den Föhntälern zu spüren sein wird. Dabei ist es interessant, die Geschichte von Entstehen und Vergehen dieses Sturms genauer unter die Lupe zu nehmen und in den grösseren Zusammenhang der aktuellen nordhemisphärischen Zirkulation zu stellen.

Bekanntlich ist der arktische Eisschild derzeit auf einem Rekordniveau für die Jahreszeit. Nur am Kanadischen Archipel sowie bei Ostsibirien hat die Eisausdehnung das Festland erreicht, während auf europäischer Seite und in der Beringsee die Eisfläche aufgrund warmer Südströmungen in den letzten Tagen sogar noch auf dem Rückzug war. Die Titelgrafik zeigt die momentane Situation mit der grössten Kaltluftproduktion, die in zwei Pole gespalten ist (schwarze Kreise) und deren Weg nach Süden, wo im Kontakt mit wärmerer Luft die Tiefdruckproduktion angekurbelt wird.

Uns interessiert vor allem der Kaltluftausbruch vom Kanadischen Archipel durch die Davisstrasse auf den Nordatlantik hinaus, der am vergangenen Wochenende stattgefunden und nach längerer Zeit wieder mal eine ordentliche Westströmung in Gang gesetzt hat:

20161119-blog2Das Aufeinandertreffen von Polarluft aus Nordwesten und Subtropikluft aus Südwesten hat südlich von Island die Entstehung von Randtiefs begünstigt, das erste hat uns am Freitag die ersten stürmischen Böen bis in die exponierten Lagen des Mittellands gebracht. Im Spätherbst und Frühwinter ist dies eigentlich die Standardgrosswetterlage, welche für das jährliche Maximum an Westlagen im November und Dezember besorgt ist. Diesmal ist das Aufbäumen der Westdrift allerdings nur von kurzer Dauer. Das Fehlen einer Eisdecke über weiten Teilen der Arktis und somit die ungenügende Auskühlung der Luft über dem offenen Wasser sorgt weiterhin dafür, dass der Polarwirbel unrund läuft. Dies wiederum schwächt den Jetstream, wodurch dieser, statt über den Nordatlantik direkt auf Europa zuzusteuern, enorme Umwege schlägt. Sehr eindrücklich die berechnete Situation für kommenden Montag/Dienstag:

20161119-blog3Aus der strammen Westlage wird durch die Austrogung in nur 36 Stunden eine lehrbuchhafte GWL „Trog Westeuropa“, bei dem der Alpenraum knapp auf die Vorderseite des Starkwindbandes zu liegen kommt. Ein paar hundert Kilometer östlich, und die starken Höhenwinde würden die feuchten Luftmassen aus dem Mittelmeer über die Alpen hinweg nach Norden tragen, so aber bekommen wir es mit einer klassischen Föhnlage mit Stauniederschlägen im Süden und trockener Föhnluft im Norden zu tun. Dies ist eine typische Herbstlage und soll die Ungeduldigen unter uns daran erinnern, dass der Winter eben doch erst im Dezember beginnt…

Am Sonntag ist der Austrogungsprozess eben erst in Ausbildung begriffen. Dieser Prozess sorgt dafür, dass das Sturmtief über England allmählich einen nördlichen Kurs einschlägt und das europäische Festland „nur“ mit normalen Sturmböen beglückt, während das Hauptsturmfeld mit Orkanböen durch den Kanal in die Nordsee zieht:

20161119-blog4Die Schweiz wird davon nur am Rand gestreift, das Sturmfeld erreicht gerade noch den Jura, wo in erhöhten Lagen mit Böen um 80-100, auf dem Chasseral vielleicht 120 km/h zu rechnen ist. Der Druckfall auf der Alpennordseite lässt zudem allmählich den Föhn in Gang kommen, der etwa zur Mittagszeit mit Böen um 80 km/h in die typischen Täler durchbrechen und als Gast bis Donnerstag erhalten bleiben dürfte. Der Höhepunkt des Föhnsturms wird in den Süd-Nord ausgerichteten Tälern voraussichtlich am Montagnachmittag erreicht:

20161119-blog5Der Trog erreicht nun seine Reife und der exakt von Nord nach Süd verlaufende Höhenwind schlägt sich bis in die Niederungen durch. Damit stehen die Voraussetzungen gut, dass der Föhn auch im Mittelland zu spüren sein wird, zumal sich die Sonne immer wieder mal zeigt und allfällige Kaltluftseen am Boden wegheizt.

Das Schicksal derart starker Austrogungen liegt darin, dass sich die Trogspitze bald einmal abschnürt und sich ein sogenanntes CutOff-Tief bildet. Dieses kommt über der Iberischen Halbinsel zu liegen füllt sich in der Folge langsam auf. Damit dreht der Höhenwind über den Alpen auf Südost:

20161119-blog6Der Föhn in den klassischen Tälern schwächt sich allmählich ab, ohne jedoch ganz abzustellen. Im Gegenzug verstärkt er sich zum Beispiel im Oberwallis und im Berner Oberland (Guggiföhn!) und  kann bis weit auf den Genfersee ausgreifen. Allerdings ist das Tief doch etwas gar weit im Westen, sodass es wohl kaum zu einer extremen Sturmlage kommen wird. Noch ist nicht ganz klar, wann die Föhnlage zu Ende geht. Der aktuelle Modelllauf zeigt am Donnerstag die Abspaltung eines Randtiefs, das über Frankreich nach Süddeutschland ziehen soll und den Wind bei uns auf westliche Richtung drehen lässt. Die Modellierung solch kleinräumiger Tiefentwicklungen sind jedoch auf mehrere Tage hinaus meist fehlerbehaftet, sodass eine Verlängerung der Föhnlage durchaus möglich ist.

Ein mehrtägige Föhnlage ist in der Regel ein Garant für Starkniederschläge auf der Alpensüdseite:

20161119-blog7Durch das Drehen der Höhenströmung auf Südost ist vor allem der Bereich des Monte-Rosa-Massivs und des Nordtessins bis ins Bergell betroffen. Der von Gebührenmeteorologie gestern angekündigte Meter Neuschnee oberhalb von rund 2000 m dürfte sehr, sehr konservativ geschätzt sein. Vielmehr ist durch Verfrachtung und Verwehungen mit einer grossen Lawinengefahr in den betroffenen Gebieten zu rechnen. Spannend wird sein, wie stark die Niederschlagsabkühlung im Kerngebiet des Starkniederschlags in engen Tälern wirken kann. Greift der Wind nicht bis in die Täler, ist durchgehender Niederschlag in fester Form bis in manche Talböden durchaus denkbar. Somit würde zumindest sehr lokal der Winter doch schon im November Einzug halten. In den übrigen Gebieten ist diesbezüglich hingegen immer noch Geduld angesagt, denn nach dem Ende der Föhnlage stellt sich erst mal für einige Tage eine recht ereignislose Wetterlage ein, bei welcher der Alpenraum im Niemandsland zwischen den weit entfernten Druckzentren zu liegen kommen dürfte.

Vermisstenanzeige

Föhnsturm im Urner Reussdelta, 22.10.2013

Föhnsturm im Urner Reussdelta, 22.10.2013

Vermisst wird seit Ende Oktober 2013 der Herbststurm. Signalement: Gross und kräftig, von gedrungener Statur. Manchmal feucht, manchmal kühl abweisend, manchmal warm, von aufbrausendem Charakter. Der Herbststurm trägt schmutzig-grüne Hosen und einen gelb-rot-braun gesprenkelten Anorak sowie eine Sturmhaube, eine bläulich verspiegelte Sonnenbrille und Gummistiefel. Er wurde letztmals Ende Oktober 2013 in den Alpen gesichtet und wird seither vermisst. Man vermutet einen aktuellen Aufenthalt im Raum Ostsibirien bis Kamtschatka, gelegentlich taucht er aber auch kurz an der Südspitze Grönlands auf. Der Herbststurm ist vermutlich orientierungslos und verwirrt und kann bei Reizung rasch ausser Kontrolle geraten und Schaden anrichten. Es wird daher um schonendes Anhalten und baldmögliche Überführung nach Europa gebeten, wo ihn Meteorologen und wetterbegeisterte Menschen herzlich empfangen werden.

Bis der Herbststurm gefunden ist, müssen wir uns im Alpenraum mit seinem kleinen Bruder zufrieden geben. Der Föhn nimmt heute Sonntag nach Durchzug der Warmfront stetig zu und erreicht am Montagnachmittag seinen Höhepunkt. In den klassischen Föhntälern ist mit Böenspitzen zwischen 70 und 90 km/h zu rechnen. Also kein aussergewöhnliches Ereignis, das eine detaillierte Sturmvorschau rechtfertigen würde. Auch das mit der Kaltfront am Dienstag verbundene Sturmfeld zieht nördlich der Schweiz durch, allenfalls werden im Hochschwarzwald Sturmböen erreicht. In exponierten Lagen des Mittellands und der Nordschweiz dürften 50 km/h die allerhöchste Grenze sein.

Wie schon in den letzten Jahren sind Herbststürme in diesem Jahr rar, bzw. erreichen nicht die gewohnte Stärke. Die Ursache ist in einer zunehmend in den Herbstmonaten gestörten Zirkulation der Nordhemisphäre zu suchen. Während der Nordatlantik normale bis leicht unterdurchschnittliche Temperaturen aufweist, ist der Arktische Ozean sehr warm. Sturmtiefs werden jedoch durch starke Temperaturgegensätze befeuert, diese fehlen im Herbst aufgrund der geringen Eisausdehnung und der überdurchschnittlichen Wassertemperaturen in der Arktis immer häufiger. Starke Gegensätze gibt es hingegen zwischen der relativ warmen Arktis und den bereits stark ausgekühlten Landmassen Ostsibiriens und Nordamerikas. Entsprechend bilden sich die Herbststürme dort und seltener über Nordeuropa. Die Karte mit den prognostizierten Temperaturabweichungen der arktischen und subarktischen Region für Dienstag gibt Aufschluss (für grössere Ansicht in die Karte klicken):

20161023-blog2Zusätzlich zu den Temperaturabweichungen zum langjährigen Mittel sind die Windströmungen in rund 1400 m Höhe dargestellt. Man erkennt ein extrem kräftiges und umfangreiches Sturmtief über Ostsibirien, das sehr warme maritime Luft vom Pazifik über die Beringstrasse ins arktische Becken verfrachtet. Dasselbe geschieht in etwas weniger geringem Ausmass durch ein Tief vor der Küste Ostgrönlands, auch hier werden milde atlantische Luftmassen nach Norden geführt. Als Ausgleich fliesst Kaltluft von der Nordküste Kanadas und Grönlands (dort, wo der arktische Eisschild noch kompakt ist) durch die Davisstrasse nach Süden auf das ostkanadische Festland.

Europa hingegen liegt weiterhin in einer Un-Wetterzone. Was im September mit dem verlängerten Sommer noch angenehm war, präsentiert sich im Oktober mit wenig Sonne, viel Wolken- und Nebelgrau, trotzdem wenig Regen und schon gar keinen Stürmen bei durchschnittlichen Tagestemperaturen von 10 Grad. Für den wetterinteressierten Menschen ist dieses Wetter etwa so prickelnd wie eingeschlafene Füsse. Sehr viel Hoffnung auf eine nachhaltige Änderung besteht derzeit nicht. Gelegentlich verirrt sich ein schwaches Tief zum sterben auf den europäischen Kontinent wie aktuell gerade, danach darf wieder längere Zeit gewartet und gerätselt werden, ob und wann die Zirkulation allmählich auf Winter umstellt und bei uns mal kräftig durchpustet. Bei den derzeitigen Verhältnissen im Hohen Norden sollte man sich nicht allzu viele Hoffnungen machen.

Gewittervorschau 15.-21.08.2016

20160815-blog1Wer am Sonntag in der Natur unterwegs war, wird es trotz hochsommerlichen Temperaturen von knapp 30 Grad kaum übersehen haben können: Der Spätsommer hat Einzug gehalten. Das Licht ist weicher geworden, die Sicht klarer, die Farben verändern sich, ein Grossteil der Ernte ist eingebracht. Und nicht zuletzt sind die Quellwolken über den Mittelgebirgen (Jura, Schwarzwald, Voralpen) flach geblieben, wie unser Titelbild zeigt, aufgenommen am Sonntagabend von Schwarzenburg aus. Mit dem Spätsommer verändert sich auch die Gewitterklimatologie gegenüber dem Früh- und Hochsommer markant. Durch die flachere Sonneneinstrahlung wird der Boden weniger schnell aufgeheizt, gleichzeitig erreicht Mitte August die Mitteltemperatur in der Höhe den jahreszeitlichen Höhepunkt. Eine wichtige Zutat für Gewitterbildung wird damit schwächer: die Labilität. Damit es dennoch zu Auslöse kommt, müssen die beiden anderen Faktoren (Feuchte und insbesondere Hebung) dies kompensieren. Oder wir bekommen in der Höhe Unterstützung durch Kaltlufttropfen. In dieser Woche können wir all diese Einflüsse in unterschiedlichen Verhältnissen und Beziehungen zueinander beobachten.

Wir beginnen wie üblich mit der Übersicht der Grosswetterlage, diesmal unter Zuhilfenahme der Europakarte mit den steuernden Druckgebieten. Zusätzlich eingezeichnet sind warme (rot) und kalte (blau) Luftströmungen. Die schwarzen Pfeile markieren die Verlagerungsrichtung der Druckgebilde:

20160815-blog2Wir sehen den Beginn einer Omega-Lage, wobei sich die Achse des Hochdruckrückens über der Nordsee befindet. Omega-Lagen sind dann besonders stabil und ausdauernd, wenn die beiden flankierenden Tröge gleich stark sind. Wir erkennen jedoch rasch, dass der westliche Trog ausgeprägter ist als der östliche. Und damit ist der rasche Tod des Omegas bzw. des Blockadehochs bereits besiegelt, es entpuppt sich als Luftschloss erster Güte. Die warme Südströmung des Atlantiktrogs ist derart stark, dass das dadurch geförderte Hoch buchstäblich nach Norden katapultiert wird. Gleichzeitig ist der baltische Trog zu schwach, um entgegenzuhalten. Er wird vom nach Nordosten ziehenden Hoch nach Süden gedrängt, womit die beiden Füsse des Omegas über Mitteleuropa aufeinander zustreben und sich bald verbinden. Das Hoch im Norden wird von der Zufuhr warmer Luft abgeschnitten und verkrümelt sich zum sterben in die Arktis. Die Verbindung der beiden Tröge über Europa mündet in das, was wir vom ausklingenden Hochsommer bereits kennen: in eine neue Westlage.

Doch wenden wir uns zunächst der aktuellen Situation zu. Die Druckverteilung über Mitteleuropa ist eher flach unter leichten Hochdruckeinfluss, bei uns lagert aber eine sehr warme und ausreichend feuchte Luftmasse (Taupunkte um 16 Grad). Unter diesen Bedingungen im Früh- und Hochsommer hätten wir am Sonntag und heute Montag mit verbreiteten, teils heftigen Gewittern rechnen müssen. Die einleitend geschilderte schwache Labilität verhindert dies: Nur wo konvergente Windströmungen die Hebung massiv unterstützen, kann der Deckel durchbrochen werden. Die Thermik an den Mittelgebirgen wie Jura und Voralpen reicht dazu nicht mehr aus, es bilden sich nur harmlose Quellwolken. Typisch für den Spätsommer ist die Verlagerung dieser sogenannten Hitzegewitter in die Hochalpen. Sie entstehen über den nun schneefrei gewordenen Felsgebieten, die sich stärker aufheizen als die mit Vegetation bedeckten Hänge. Damit kommen kräftige Talwindsysteme in Gang, welche an den grossen Pässen und entlang des Alpenhauptkamms aufeinander treffen:

20160815-blog3Hier sind die wichtigsten Talwindsysteme der Zentralalpen eingezeichnet, das Radarbild zeigt die Situation am Sonntag, 14.08.2016 um 19:10 MESZ. Die Entstehung von Gewitterzellen über den grossen Pässen wie Gotthard, Lukmanier, Susten, Simplon, aber auch im Gebiet Brünig bis Grosse Scheidegg sind die logische Folge zusammenströmender Talwinde an Pässen und Kämmen. Bei Nordüberdruck (lokale Hitzetief-Bildung im Wallis) überschiesst der Talwind aus dem Haslital über die Grimsel und kommt als Nordostwind im Goms an, die Konvergenz bildet sich dann häufig im Gebiet Fiesch-Binn. Bei ausreichender Feuchte kommt es zu Verclusterungen wie am Sonntagabend. Recht überraschend war das System sehr langlebig und zog in der Nacht  in einer schwachen westlichen Höhenströmung über ganz Graubünden hinweg bis nach Südtirol.

Mit ähnlichen Szenarien in den Hochalpen ist auch in den nächsten Tagen zu rechnen, da sich die Bedingungen nur unwesentlich verändern. Es gibt aber Einflüsse auf Gebiete ausserhalb des Alpenbogens, die für uns interessant werden. Beginnen wir mit der Luftmassenverteilung in Mitteleuropa von heute Montag früh:

20160815-blog4Wir erkennen eine recht markante Luftmassengrenze quer durch Mitteleuropa, die polare Luftmassen (türkis bis grün) von subtropischen Luftmassen (orange) trennt. Durch die Bodendruckverteilung tendiert die kältere Luft bodennah nach Süden zu strömen, während in der Höhe schwacher Westwind vorherrscht. An der an sich inaktiven Luftmassengrenze gibt es Verwellungen, die meist unmotiviert irgendwo und relativ kurzfristig entstehen können. Es bilden sich lokale Konvergenzen, welche die Hebung fördern: fertig ist der Gewittermix auf der warmen Seite der Front. Die Modelle zeigen solche Hotspots zeitlich und räumlich unterschiedlich, entsprechend hoch ist das Überraschungspotenzial wie am Montagmorgen in der Nordostschweiz. Auch diese Ausgangslage verändert sich über die nächsten Tage nur schleichend: Das Bodentief über der Biskaya verlagert sich sehr langsam ostwärts, während der westliche Höhenwind bis Mittwoch kontinuierlich etwas anzieht. Etwas Bewegung kommt ab der Nacht zum Mittwoch in der Höhe hinein:

20160815-blog5In den meisten Karten kaum zu erkennen, schickt der Atlantiktrog einen ersten Ausläufer in Form eines schwachen Kaltlufttropfens in Richtung Alpen. Er nähert sich ebenso extrem langsam wie der markante Trog über Polen, wir befinden uns im Sandwich. Am Mittwoch und Donnerstag findet der Zusammenschluss dieser beiden Kaltlufttropfen über uns statt, es wird also in der Höhe kälter und somit labiler – theoretisch zumindest. Für Mittwoch dürfte es mit der Labilität und verbreiteter Gewitterauslöse dank der bodennah schwülen Luftmasse noch klappen. Am Donnerstag jedoch nähert sich bodennah aus Westen kühlere Luft:

20160815-blog6Da wir wissen, wie unberechenbar Kaltlufttropfen sind und noch keinesfalls klar ist, wie sich der Bodendruck dazu verhält, ist auch noch völlig offen wie sich der Donnerstag abspielt: Bleiben wir auf der warmen, aber labilen Seite mit kräftigen Gewittern, oder suppt flach aus Westen die Kaltfront rein und bringt einfach etwas Regen? GFS bevorzugt die zweite Variante. Es lässt den westlichen Trog rasch nach Osten ziehen, sodass wir uns am Freitag bereits auf seiner Rückseite in einem neuen Hochdruckrücken unter sehr warmer Höhenluft befinden könnten. Dies würde einen ruhigen, sonnigen und angenehm temperierten Freitag bedeuten (in den gängigen Wetterberichten nennt man das dann wieder mal „Zwischenhoch“, obwohl im Bodendruckfeld gar keins zu finden ist):

20160815-blog7Jedenfalls ist ruhige Zeit sehr knapp bemessen, denn bereits am Samstag wird der Atlantiktrog (jetzt mit einem Bodentief über den Britischen Inseln) für uns wetterbestimmend. Nach den heutigen Unterlagen soll am Samstag die nächste (diesmal markantere und aktivere) Kaltfront auf die Schweiz übergreifen:

20160815-blog8Über das tageszeitliche Timing und den gezeigten Hochdruckkeil halten wir uns mit Spekulationen fünf Tage im Voraus besser noch zurück. Potenzial für einen gröberen, die Hochsaison abschliessenden Knall ist gegeben. Ob es abgerufen wird, werden wir vielleicht erst am Freitag zu wissen glauben, um am Samstag wahrscheinlich trotzdem ins Staunen zu geraten. Jedenfalls öffnet diese Front der nächsten Westlage Tür und Tor. Glaubt man den heutigen GFS- und EZ-Ensembles, gerät Mitteleuropa wieder unter Hochdruckeinfluss und somit in eine stabile, spätsommerliche Lage, die dem heurigen Hochsommer zeigt was er zu tun gehabt hätte. Der EZ 00z-Hauptlauf von heute markiert aber den mahnenden Zeigefinger, dass man sich noch nicht zu sehr solchen Träumereien hingeben sollte.

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Gewittervorschau 04.-11.08.2016

Typisches Wolkenbild, wenn eine Druckwelle dem eigentlichen Gewitter weit voraus eilt

Typisches Wolkenbild, wenn eine Druckwelle der Gewitterfront weit voraus eilt

Täglich grüsst das Murmeltier. Oder zumindest alle fünf Tage. Das ist im Moment der Rhythmus, in dem der Jetstream tanzt. Und so stehen wir heute in einer ähnlichen Situation wie vergangenen Samstag, und nächsten Dienstag dürfte es wieder so weit sein. Der Jetstream mäandert über Westeuropa nach Süden, wir gelangen kurz in eine heisse Trogvorderseite, dann rauscht die Kaltfront mit Getöse durch, es ist ein paar Tage kühl (mal mehr, mal weniger), ein Zwischenhoch baut sich auf, es wird sehr warm… und das Spiel kann von vorne beginnen. Hochsommer 2016 eben. Für alle etwas dabei, Langeweile kommt in den Wetterstudios nie auf und es gibt doch immer wieder einen oder zwei Tage Verschnaufpause. Perfekte work-live-Balance für jene Meteorologen, die eigentlich immer im Dienst sind. Weil Wetter immer stattfindet, auch wenn man frei hat…

Die heutige Situation in rund 9 km Höhe ist uns aus diesem Sommer bereits bestens bekannt:

20160804-blog2Kräftige Westströmung über dem Atlantik, die nicht so richtig weiss wo sie hin soll, wenn sie den europäischen Kontinent erreicht. Also weicht sie zunächst nach Süden aus, um sich dann doch noch anders zu besinnen und wieder scharf nach Norden abzubiegen. Das ist der Stoff, aus dem Tröge und Abtropftiefs geschneidert werden. Diesen Hochsommer in einer Regelmässigkeit, dass man nach ihnen die Uhr stellen könnte.

Die Situation heute Donnerstag ist wieder mal hochgradig spannend, denn auch wenn sich die Muster jeweils sehr ähneln, können die Abläufe am Boden abhängig von tageszeitlichen und geographischen Einflüssen recht unterschiedlich sein. Heute haben wir ein Lehrbuch-Beispiel für Kaltfrontdurchgang mit vorauseilender Druckwelle. Der Vertikalschnitt von Nordwest nach Südost für heute Abend zeigt all die spannenden Prozesse, die dabei ablaufen:

Legende (weiss): B = Burgunder Pforte, J = Jura, M = Mittelland, N = Napfgebiet, V = Voralpen, A = Alpenhauptkamm, S = Südseite

Legende (weiss): B = Burgunder Pforte, J = Jura, M = Mittelland, N = Napfgebiet, V = Voralpen, A = Alpenhauptkamm, S = Südseite

Dargestellt sind hier die Vertikalbewegungen des Windes. Die Pfeile zeigen auf- und absteigende Windpakete, die Farbe deren Geschwindigkeit (rot negativ = aufsteigend, blau positiv = absinkend). Die Position der Kaltfront wurde blau eingezeichnet. An deren Stirn sieht man die heftigste Hebung, dort werden die stärksten Niederschläge auftreten. Noch deutlich vor der Kaltfront ist am Jurasüdfuss ein absteigendes Luftpaket zu erkennen, das auf einen Joran-Sturm hinweist. Diese Böenfront wird im Lauf des Abends durch das Mittelland rauschen und dann auch wieder an den Taleingängen der Alpentälern für Sturm sorgen. Diese Druckwelle erzwingt Hebung an den Voralpen, doch sieht man darüber auch noch den Rest eines Deckels, der tagsüber die Gewitterhemmung (CIN) recht lange aufrecht erhält. Am Alpensüdhang ist starke Thermik erkennbar, dort werden auch die ersten präfrontalen Gewitter bereits am späten Nachmittag entstehen. Anhand dieses Bildes noch ziemlich unsicher ist, ob vom Napfgebiet und vom Schwarzenburgerland aus präfrontal Zellen entstehen können, die mit dem Südwestwind ins Mittelland hinaus ziehen. Hier wird noch vorhandene CIN das Zünglein an der Waage spielen, aber eventuell auch mangelnde Feuchtigkeit (die präfrontale Luftmasse ist relativ trocken, nicht zuletzt dank schwachen Föhneinflusses).

Der eigentliche Kaltfrontdurchgang erfolgt erst in den späten Abendstunden und wird sich in erster Linie durch sehr starken Regen bemerkbar machen, in den Gewitter eingelagert sind. Für alle Gewitterfotografen keine gute Nachricht, da die Blitze vom Regenvorhang verschluckt werden. Die Befriedigung nach spektakulären Aufnahmen interessanter Strukturen steht und fällt also mit den unsicheren präfrontalen Gewittern. Für den Normal-Wetterkonsument bedeutet die heutige Lage, rechtzeitig alles zu befestigen oder in Sicherheit zu bringen, was bei stürmischen Windböen Schaden nehmen könnte.

Der Freitag bringt typisches Rückseitenwetter: Am Alpennordhang noch länger bewölkt und nass, im Mittelland erste Aufhellungen mit Schauern, die zum Abend hin kontinuierlich weniger werden. Am Samstag schützt uns ein sich aufbauender Keil des Azorenhochs vor weiteren Trogschauern, die wahrscheinlich östlich der Schweiz aktiv sein werden.

Besagtes Hoch wird am Sonntag und Montag voll wetterwirksam. Zwei sonnige und trockene Tage, dank Bise noch mässig temperiert.

Und dann wären wir beim nächsten Ausfallschritt des Jetstreams. Am Dienstagabend steht eine weitere Kaltfront vor der Tür:

20160804-blog4Ob diese Kaltfront bereits am Dienstagabend bei uns Gewitter bringt oder ob es noch bis Mittwoch warten kann, darüber sind sich die Modelle noch nicht einig. Der gezeigte GFS-Hauptlauf ist da mit der Randtiefentwicklung über der Nordsee sehr progressiv und steht im Ensemble fast alleine da, was sich an den Niederschlagskurven am Boden der Grafik ablesen lässt:

20160804-blog5Entsprechend zeigen auch die Temperaturkurven zerstreut zwischen Dienstagabend und Mittwochabend deutliche Neigungen in herbstliche Tiefen. Solch massive Kaltfronten gegen Mitte August hin bedeuten in der Regel das Ende des Hochsommers (nicht des Sommers an sich, diese Hoffnung lassen wir uns so schnell nicht nehmen!). Nach den heutigen Unterlagen dürfte der Tiefpunkt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit einer Schneefallgrenze um 1500 m oder sogar etwas tiefer erreicht werden.

Gewittervorschau 30.07.-04.08.2016

So nicht in den Modellen vorgesehen: Aktive Konvektionszone über Zentralfrankreich am Samstagmorgen

So nicht in den Modellen vorgesehen: Aktive Konvektionszone über Zentralfrankreich am Samstagmorgen

Manchmal kann man Sprüche auch umdrehen. Diesmal heisst es: Die Suppe wird nicht so kalt gegessen, wie sie gelagert wurde. Was vor wenigen Tagen noch nach einem markanten Kaltlufteinbruch für Anfang August aussah, entuppt sich im Verlauf der Modellentwicklungen zunehmend als Eintagsfliege. Zu verdanken haben wir die unsicheren Mittelfristaussichten mal wieder dem Jetstream, der eine Stippvisite nach Süden versucht. Im Groben entspricht die Grosswetterlage dem Typ West zyklonal, was aufgrund der starken Westwindströmung über Mitteleuropa sehr lebhaftes und wechselhaftes Wetter verspricht. Mit der manchmal überraschenden Entwicklung in den eingelagerten Trögen können die Modelle gelegentlich arge Nöte bekunden. Daher sei vorausgeschickt, dass alles was in den nächsten Zeilen geschrieben wird, bereits einen Tag später wieder Makulatur sein kann. Auf Details wird daher nach Montag sinnvollerweise gleich verzichtet – es soll beim Versuch bleiben, einen groben Ablauf zu skizzieren.

Die erste Überraschung steht bereits vor den Toren Genfs und zieht am frühen Nachmittag mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa 60 km/h über die Schweiz hinweg. Das Gewittersystem kann sich auf dem Weg über die Alpen durchaus abschwächen, doch darauf verlassen sollte man sich nicht. Viele Berggänger dürften daher heute Nachmittag überrascht werden, heisst es doch den ganzen Vormittag noch in den einschlägigen Wetterberichten, dass erst „gegen Abend“ mit ersten vereinzelten Regengüssen gerechnet werden muss. Ich habe da meine Zweifel…

20160730-blog2In den Modellen sucht man meist vergeblich nach den Anzeichen für diese Störung. Fündig wird man in über 9000 m Höhe, wo in obiger Karte über Zentralfrankreich ein kleines unscheinbares Pluszeichen darauf hindeutet, dass in der Höhe die Winde auseinanderdriften. Das erzeugt in den unteren Luftschichten Hebung, und schon ist der Prozess der Clusterbildung in Gange. Dieses kleine Plus verstärkt sich übrigens in den nächsten Stunden markant und kommt von Mitternacht bis weit in den Sonntag hinein direkt über der Schweiz zu liegen.

Besonders tückisch am heutigen Fall ist die scheinbare Trockenheit in den unteren Luftschichten, was eine gute Fernsicht ermöglicht. Begünstigt wird dies durch zügigen Westwind, der am Vormittag jegliche Feuchtenester ausgeräumt hat. Der erfahrene Berggänger wird damit gehörig hinters Licht geführt. Dass in höheren Schichten bereits etwas im Gange ist, haben die mittelhohen Wolkenfelder heute Morgen verraten. Altocumulusfelder, zumal wenn sie Türmchen aufweisen, sind zuverlässige Gewittervorboten. Allerdings waren diese nur über dem Mittelland, im Wallis und im Tessin zu sehen, nicht aber über den Nordalpen und in Graubünden. Die für die Gewitterbildung notwendige Feuchte wird mit dem System von Frankreich her zugeführt, und das aussergewöhnlich rasch. Wie schon in der Einleitung erwähnt, weist der Wind in 3000 bis 5000 m Höhe rund 60 km/h auf. Nur wer freie Sicht nach Westen hat, wird die Wolken früh genug aufziehen sehen.

Da die Modelle diese Störung gar nicht oder weiter südlich in ihren Rechnungen drin haben, bewegen sich heute alle Meteorologen quasi im Blindflug. Wer auf die Modelle vertraut, wird genau so überrascht wie der ahnungslose Berggänger, wenn er nicht nach Westen schaut. Über die weitere Entwicklung kann daher einzig gemutmasst werden. Alternativ sind die 6z-Läufe abzuwarten in der Hoffnung, dass die Modelle zu diesem Zeitpunkt das System endlich richtig erfasst haben.

Bereits kurz nach Mittag erfassen die Gewitter aus Westen die westlichen Alpen und das Wallis. Wie weit Entwicklungen nach Norden hin aktiviert werden, ist fraglich. Ebenso, wie aktiv das System auf dem Weg nach Osten bleiben wird. Noch spannender wird die Frage, was dahinter passiert. Die Luft hinter der Störung sieht im aktuellen Satellitenbild relativ trocken aus, es hat jedoch erste Ansätze neuer konvektiver Entwicklungen drin. Was also am Samstagabend in der Schweiz passieren wird, ist nach derzeitigem Stand völlig offen. Stimmen die Karten für die höheren Schichten, muss mit einem heftigen, sehr kurzfristig verlaufenden Antrieb gerechnet werden. Unwetterartige Gewitter können sich extrem rasch bilden, die Vorwarnzeit ist nicht nur deshalb, sondern auch wegen der sehr hohen Zuggeschwindigkeit extrem kurz. Mit Hagel, schweren Sturmböen und möglicherweise sogar Tornados muss bei diesem Setting gerechnet werden. Die Feuchtigkeit nimmt am Abend ebenfalls rasch zu (auf dem Satellitenbild als Schichtbewölkung über Frankreich zu erkennen, die sich im Tagesverlauf in mittlere Luftschichten umlagern wird), sodass das niederschlagbare Wasser ebenfalls hohe Werte erreicht. Dank der hohen Zuggeschwindigkeit verbleiben extreme Wolkenbrüche aber nie lange über demselben Gebiet.

Am Sonntag erreicht die Kaltfront von Westen her die Schweiz und schiebt an seiner Stirn die im Mittelland lagernde Luftmasse gegen den Alpennordhang. Der Querschnitt von Nordwest nach Südost soll das verdeutlichen:

Energiegehalt der Luftmasse Sonntagmittag, Querschnitt von NW nach SE. Legende v.l.n.r.: A = Ardennen, V = Vogesen, J = Jura, A = Alpen, T = Tessin

Energiegehalt der Luftmasse Sonntagmittag, Querschnitt von NW nach SE. Legende v.l.n.r.: A = Ardennen, V = Vogesen, J = Jura, A = Alpen, T = Tessin

Zu sehen ist hier, dass die Luftmasse in zwei Schritten kühler wird. Die zweite Kaltfront über den Ardennen wird die Schweiz allerdings nicht erreichen, bzw. wird durch Zwischenhocheinfluss weitgehend aufgelöst. Für uns bedeutet dies, dass die Gewitteraktivität im Lauf des Sonntags zu den Alpen verlagert wird. Rückseitig kann sich gegen Abend in der Nordwestschweiz und am Jurasüdfuss sogar wieder die Sonne zeigen. Der Luftdruck ist der Schweiz gut gesinnt und steigt rasch, sodass der 1. August mittlerweile viel besser aussieht als ursprünglich befürchtet. Unter Zwischenhocheinfluss dürfte es weitgehend trocken bleiben.

20160730-blog4 Eventuell halten sich inneralpin und im Süden noch ein paar schwül-warme Feuchtenester, die mal ein lokales Gewitter auslösen können. Viele Indizien sprechen allerdings eher dagegen.

Am Dienstag lässt der Zwischenhocheinfluss nach und die noch weiter nördlich lagernde kühle Luft kann mit einer Trogverschärfung bis zu den Alpen ausbrechen:

20160730-blog5Am Dienstag ist also noch mal mit konvektiven Umlagerungen zu rechnen. Je nach tagszeitlichem Timing kann es dabei durchaus noch mal zu kräftigen Entwicklungen kommen, nach Osten hin eher als im Westen, wo der Hochdruckkeil besser wirkt. Zu sehen ist auch der breite Warmsektor des nächsten Tiefs, der am Mittwoch und Donnerstag über uns zu liegen kommt. Hier wird es ganz fest vom Verhalten des Hochdruckkeils abhängen, wie stabil diese beiden Tage bei uns verlaufen. Nach derzeitigem Stand ist mit neuen Gewittern ab Donnerstagnachmittag zu rechnen.

Gewittervorschau 21.-28.07.2016

Altocumulus-Felder sind im Hochsommer meist verlässliche Zeichen, dass das nächste Gewitter oft nur wenige Stunden entfernt liegt

Altocumulus-Felder sind im Hochsommer meist verlässliche Zeichen, dass das nächste Gewitter oft nur wenige Stunden entfernt liegt

Eines fällt in diesem Sommer auf: Immer, wenn wir von potenziell gefährlichen Gewitterlagen schreiben, dann hat der Jetstream seine Finger im Spiel. In diesem Jahr ist er ein besonders launischer Geselle: Er kann sich nicht entscheiden, ob er schwach oder stark sein und ob er sich in nördlicheren oder südlicheren Gefilden wohl fühlen möchte. Was zur Folge hat, dass sämtliche Versuche, den Trend über mehr als eine Woche vorhersagen zu wollen, kläglich scheitern lässt. Also lassen wir diesmal das Spekulieren über die Mittelfrist und konzentrieren uns auf die nächsten Tage, die bringen nämlich durchaus genug Spannung in die Wetterküche. Oder sollten wir besser Waschküche sagen? Sauna wäre auch kein unpassender Begriff für das, was uns erwartet. Einzig ob und wann der Sprung ins kalte Wasser folgt, ist diesmal noch völlig offen. Jedenfalls sollte man jene Prognosen, die eine stabile Hochsommerphase für die nächsten Wochen herbeireden, mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten.

Schauen wir auf die grossräumigen Strömungen in den höheren Luftschichten, so fällt uns einmal mehr ein scharfer Trog auf. Diesmal bildet er sich über Westeuropa aus, sodass wir am Freitag auf seiner Vorderseite in eine sehr warme und zunehmend feuchte Süd- bis Südwestströmung geraten:

20160721-blog2Zuvor erholt sich jedoch am Donnerstagabend hinter der Okklusion vom Morgen noch mal der Hochdruckrücken. Auf der folgenden Karte ist die Trog-Keil-Trog-Abfolge gut zu erkennen (schwarze Linien):

20160721-blog3Über dem Dreiländereck DE/AT/CZ ist der Knick im Hochdruckrücken zu sehen, der in der Nacht auf Donnerstag über uns hinweg gezogen ist, begleitet von einer Okklusion, die einen Luftmassenwechsel brachte. Zwar haben sich die bodennahen Luftschichten etwas abgekühlt, ausgeglichen wird der Energiegehalt aber durch die höhere Feuchtigkeit gegenüber Mittwoch. Warm-feucht statt trocken-heiss sieht auf den Theta-e-Karten nahezu gleich aus, das Verhalten dieser unterschiedlichen Charaktere ist aber derart verschieden, dass sie bei der Prognose der zu erwartenden Gewittertypen eine Rolle spielen. Waren am Mittwochabend vereinzelt sehr explosive, überraschend auftretende, aber kurzlebige Hitzegewitter ein Thema, rücken nun mesoskalige Systeme mit gemächlicherem Aufbau und höherem Potenzial für Überflutungen in den Vordergrund.

Die Erholung des Hochdruckrückens sorgt nun aber im Lauf des Donnerstags dazu, dass die Gewitterneigung gegen Abend allmählich abnimmt. Dazu trägt auch die von -12 auf -10 Grad steigende Temperatur im 500 hPa-Niveau bei. Die etwas stabilere Schichtung bewirkt, dass sich Gewitter am Abend nur noch mit orographischer Unterstützung über den Bergen bilden. Die WSW-Strömung sorgt zudem dafür, dass über den Voralpen entstehende Zellen nicht ins Mittelland hinaus laufen können.

Wie schon eingangs erwähnt, dreht die Höhenströmung im Lauf des Freitags auf Südwest bis Süd, ist aber eher schwach ausgeprägt, da der Trog im Westen sich bereits anschickt, abzutropfen. Damit kommt er auch nicht richtig nach Osten voran, sondern zieht sich zunehmend in südlicher Richtung in die Länge. Eine aus Westen aufziehende Kaltfront verliert somit an Schwung und kommt am Abend direkt über der Schweiz zum Stillstand:

20160721-blog4Rückseitig kann bodennah etwas kühlere Luft über den Jura ins Mittelland einfliessen, doch in der Höhe bleibt uns die sehr warme und feuchte Südwestströmung erhalten. Darin eingebettet ziehen immer wieder Gewittercluster aus den Alpen und aus Südfrankreich nach Nordosten. Zeitliche Abfolge und genaue Zugbahnen sind mehr als sechs Stunden im Voraus so gut wie unprognostizierbar. Die Hauptgefahr liegt in relativ grossen und intensiven Niederschlagsgebieten, die sich über ein paar Stunden hinweg über derselben Region austoben können, da die Höhenströmung als folge des sich abzeichnenden CutOff-Prozesses relativ schwach ist und die Systeme nur langsam ziehen.

Auf den Samstag ändert sich die Situation kaum:

20160721-blog5Die schwach ausgeprägten Bodendruckfelder mit einem schwachen Tief über Deutschland bringen kaum Bewegung in den Sumpf. Inneralpin halten sich die energiereichen Luftmassen besonders hartnäckig, sodass sich hier nach wie vor kräftige Gewitter bilden können. Die Trogachse kommt in der zweiten Tageshälfte genau über der Schweiz zu liegen, sodass Gewitter in der Ostschweiz nach Norden, in der Westschweiz hingegen nach Süden ziehen können. Dazwischen herrscht so gut wie Stillstand, was stationäre Zellen mit ortsfestem Starkregen hervorbringen kann. Kaum nötig zu erwähnen, dass eine nur geringfügige Verschiebung der Trogachse die lokalen Strömungsverhältnisse völlig auf den Kopf stellen kann. Die perfekte Fettnäpfchen-Wetterlage für Meteorologen, und das ausgerechnet am Wochenende in der Ferienzeit mit zahlreichen Freilichtanlässen!

Die in den letzten Tagen versprochene Wetterberuhigung ab Sonntag steht auf wackligen Füssen, da der Trog über der Schweiz liegenbleibt und sich das Abtropftief nur langsam nach Süden verlagert:

20160721-blog6Man sieht zwar von Westen ein sich zögerlich nähernder Hochdruckkeil und wieder eine langsame Stabilisierung der Atmosphäre, doch die feucht-warme Luftmasse im Alpenraum bleibt liegen und erwärmt sich bei zunehmendem Sonnenschein. Sollte sich also nicht noch etwas Unvorhergesehenes entwickeln, so bleibt es in der ersten Wochenhälfte gewitteranfällig. Wobei das Mittelland wohl unter etwas Hochdruckeinfluss eher verschont bliebe, doch in den Bergen ist der tägliche Regenguss mit „Musik“ wohl ein Muss. Extreme Hitze entwickelt sich daraus zwar nicht, doch aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit ist das Schwüle-Empfinden trotzdem eher unangenehm.

Ein Ende könnte diesem Zustand ein Luftmassenwechsel zum Donnerstag mit kühlerer Atlantikluft aus Nordwesten bereiten. Doch eingangs wurde dargelegt, weshalb Spekulationen über eine Woche hinweg derzeit wenig sinnvoll sind.

Gewittervorschau 10.-15.07.2016

Auf die Drohkulisse in den Wetterkarten folgt jene am Himmel

Auf die Drohkulisse in den Wetterkarten folgt jene am Himmel

Eigentlich könnte der Sommer so schön sein. Eine antizyklonale Westlage, in der Nordhälfte Deutschlands verschmäht, aber im Alpenraum Garant für angenehm temperiertes Sommerwetter mit nur kurzen Störungseinflüssen, sodass auch ganz bestimmt keine Dürre aufkommen kann… Eine Woche lang durften wir dies nach dem verregneten Frühsommer nun geniessen und nach der Siebenschläfer-Regel wäre das ja auch der geeignete Zeitpunkt, um diese Konstellation noch ein paar Wochen zu behalten. Wäre in diesem Jahr nicht alles etwas speziell: Das Azorenhoch schwächelt und der Jetstream beginnt bereits wieder zu zappeln. Der Startschuss für die Achterbahnfahrt ist gefallen und wir tun uns gut daran, den Kreislauf schon mal vorsorglich zu stärken. Interessant ist allemal, dass die Mittel- und Langfristkarten bereits Ende Juni das vorhergesehen haben, was in der kommenden Woche auf uns zukommt. So richtig glauben wollte es niemand – tja, der Siebenschläfer kann eben nicht in jedem Jahr richtig liegen…

Betrachten wir die aktuelle Grosswetterlage, so fällt uns die Verabschiedung des vor wenigen Tagen noch hochgelobten Azorenhochs auf. Stattdessen können wir die beginnende Austrogung vor den Küsten Westeuropas beobachten. Sie geht langsam vonstatten, sodass wir auf der Vorderseite in eine zwar nicht klassische (da zu kurze) Südwestlage geraten. Das ganze System bewegt sich derart langsam ostwärts, dass wir zur Wochenmitte in den „Genuss“ des Höhepunktes der Trogbildung genau über unseren Köpfen kommen.

20160710-blog2Zunächst dürfen wir uns jedoch der Zufuhr sehr warmer und zunehmend feuchter Luftmassen aus Südwest erfreuen. Der Hochdruckrücken ist am Sonntag noch zu stark, sodass Gewitter noch weitgehend unterdrückt werden. Einzig in den Alpen kann der Deckel durch lokale konvergente Windsysteme durchbrochen werden. Auf der Alpensüdseite und in Graubünden ist die Luft durch die Reste des Kaltfront-Streifschusses in der Nacht auf Samstag noch am feuchtesten, entsprechend liegt dort auch der Schwerpunkt der Gewitteraktivität am Sonntagabend.

Mit der Annäherung des Troges und des zunehmenden Höhenwinds im Lauf des Montags verstärkt sich die Südwestströmung und die Taupunkte steigen auf unangenehm schwüle 20 Grad oder lokal sogar leicht darüber. Da auch die mittleren Luftschichten zunehmend angefeuchtet werden, sind bereits in den Morgenstunden die typischen Anzeichen eines bevorstehenden Gewittertags auszumachen: Mittelhohe Wolkenfelder mit Türmchen, und es sollte nicht überraschen wenn hier und da eine nicht in den Karten vorhandene Morgenkonvektion in Gang käme. Das verspricht einmal mehr Spannung in der Frage, wann der Hauptakt am Nachmittag/Abend aufziehen wird. Am Feuchteangebot soll es schon mal nicht liegen, denn das ist enorm:

20160710-blog3Teilweise über 40 kg/m² niederschlagbares Wasser entlang der Juraschiene ist ein ungemütlicher Wert. Die Gefahr von Sturzfluten wird durch den Umstand gemindert, dass die Zuggeschwindigkeit der Zellen mit etwa 50-60 km/h derart hoch ist, dass so ein gewaltiger Wokenbruch nicht lange über einem Gebiet verharrt. Die starke Geschwindigkeitsscherung mit zunehmender Höhe birgt dafür anderes Potenzial: nämlich jenes für Hagel und Tornados. Vermutlich haben wir es diesbezüglich mit der gefährlichsten Lage der bisherigen Saison zu tun. Etwas langsamer ziehen die Zellen entlang der Voralpenschiene, doch auch hier ist mit heftigen Entwicklungen zu rechnen. Nach den aktuellen Unterlagen dürfte im Lauf des Abends aus Nordwesten bodennah etwas kühlere Luft einfliessen, sodass die Atmosphäre im Jura und im Mittelland auf die Nacht bereits stabilisiert wird. Dieser Nordwestwind ist aber in der Regel ein verstärkendes Element für die Gewitter an den Voralpen. Hier und in den Alpen ist somit noch während der Nacht auf Dienstag mit länger anhaltender Gewitteraktivität zu rechnen.

Am Dienstag hängt die Kaltfront an den Alpen fest:

20160710-blog4Die energiereichen Luftmassen südlich und östlich der Schweiz sorgen weiterhin für hohe Unwettergefahr, zumal auch der Jetstream wieder mal kräftig mitmischt:

20160710-blog5Diese Schlange direkt über unseren Köpfen möchten wir im Hochsommer eigentlich nicht sehen, das ist kein gutes Zeichen für den weiteren Verlauf. Aber bleiben wir doch bei der Aktualität: Man erkennt sehr gut die starke Divergenz (weisse Linien mit Pluszeichen im Zentrum) über Österreich und Tschechien, und gleich darunter liegen die energiereichsten Luftmassen, die durch das Auseinanderströmen des Höhenwinds regelrecht hochgesogen werden. Aus dieser Region werden Nachrichten über heftige Unwetter nicht ausbleiben. Am Alpennordhang der Schweiz hingegen stellt sich Dauerregen ein, der bis Mittwochmorgen anhält. Dabei sinken die Temperaturen markant. Ob man dies nach der schwülen Hitze als Erleichterung empfindet oder doch schon wieder einen Schock auslöst, ist stark vom persönlichen Empfinden abhängig.

Die Trogachse nähert sich nun allmählich von Westen an und erreicht uns wahrscheinlich im Lauf des Donnerstags:

20160710-blog6Minus 23 Grad in 500 hPa über plus 5 Grad in 850 hPa erinnern eher an April als an den Hochsommer. Entsprechend erwarten wir hier nicht mehr die heftigen Sommergewitter, sondern klassische Kaltluftgewitter, die durchaus mal kräftig ausfallen und kleinkörnigen Hagel mit sich führen können. Auch die Böen sind in der Nähe solcher Zellen nicht zu unterschätzen. Und ja, wir müssen uns auch mit der Schneefallgrenze befassen, denn wir haben ja Ferienzeit und die Alpen werden entsprechend besucht: Bis auf rund 1800 m kann die weisse Pracht zwischen Donnerstagmorgen und Freitagmorgen fallen. Gut möglich, dass der eine oder andere höher gelegene Alpenpass nicht mehr normal befahrbar sein wird und etliche „überraschte“ Berggänger gerettet werden müssen.

Ab Freitag befinden wir uns auf der Rückseite des Troges zwar noch unter Höhenkaltluft, der am Boden ansteigende Luftdruck sorgt allerdings für eine allmähliche Wetterberuhigung. Dies trifft nicht unbedingt auf den Wind zu: Starker Nordföhn südlich der Alpen und eine kräftige Bise im Mittelland vor allem nach Westen hin verhindern die rasche Rückkehr zum Sommerfeeling. Und wenn der Wind in der klaren Nacht zum Samstag dann endlich abstellt, wird es für Juli am Morgen empfindlich frisch sein. Bodenfrost in höheren Muldenlagen kann man nicht völlig ausschliessen.

Die Schlange auf der Jetstream-Karte lässt es erahnen: Mit der Temperaturkurve geht es bald danach wieder sehr steil nach oben. Nachhaltig ist das alles nicht, daran sollten wir uns in diesem Sommer gewöhnen…

Gewittervorschau 24.-30.06.2016

Einzelzelle, Deckelbrecher, Pioniergewitter, Hungerturm - ein paar Bezeichnungen für dieses optisch interessante Phänomen

Einzelzelle, Deckelbrecher, Pioniergewitter, Hungerturm – ein paar Bezeichnungen für dieses optisch interessante Phänomen

In den Beiträgen der letzten Wochen war mehrmals von der Umstellung von der Frühlings- zur Sommerzirkulation (meridional zu zonal) die Rede,  die sich im Juniverlauf mal einstellen sollte. Der erste Anlauf ging schief und bescherte uns noch mal sehr viel Regen und jetzt einen abrupten Wechsel von kühler zu heisser und sehr schwüler Witterung. Doch es gibt eine ungeschriebene Regel: So schnell die Hitze kommt, so schnell geht sie auch wieder. Es soll auch diesmal nicht anders sein und die oben erwähnte Umstellung der Zirkulationsform können wir in den nächsten Tagen lehrbuchhaft nachvollziehen. Doch zunächst dürfen wir uns mit den Begleiterscheinungen der Brechstangen-Hitzewelle auseinandersetzen: Abgesehen vom einen oder anderen Kreislauf-Purzelbaum sind vor allem die Gewitter am Freitag und Samstag interessant, deren Ergüsse auf immer noch völlig durchtränkte Böden und randvolle Seen treffen. Immerhin geht diesmal der Kelch eines weiteren Abtropftiefs an uns vorbei: Noch so eine nasse Geschichte ohne absehbares Ende hätte nach der ganzen Vorgeschichte leicht in eine grossräumigere Katastrophe münden können. So wie es sich jetzt anbahnt, bleiben ernsthafte Probleme wohl eher lokal begrenzt.

Die Grosswetterlage präsentiert uns aktuell ein Tief über den Britischen Inseln, das sich am Freitag zum Übertritt auf das europäische Festland anschickt (Ähnlichkeiten zum aktuellen politischen Geschehen sind rein zufällig):

20160623-blog2Eingezeichnet ist die meridional (nach dem Längengrad) ausgerichtete Trogachse, sie wird später noch mal ein Thema. Man erkennt die Schweiz unter einer südwestlichen Höhenströmung, die sich langsam von Westen her annähert. Der Gradient der Windstärke in rund 5000 m Höhe zwischen Ost und West wird für das Verhalten der Gewitter in der Nacht auf Samstag eine wichtige Rolle einnehmen. Über dem südlichen zentralen Mittelmeer ist übrigens das Abtropftief zu sehen, das uns vor Wochenfrist noch Sorgenfalten auf die Stirn geezeichnet hat. Gut, hat es sich dort unten still gehalten..

Über den Alpen hält sich seit Mittwoch ein Höhenrücken, der für Absinken und damit Abtrocknen der oberen und mittleren Luftschichten gesorgt hat. Bis zum Boden konnte sich dieser Effekt allerdings nicht durchsetzen, kein Wunder bei all der Feuchtigkeit die in den vergangenen Wochen bei uns abgelagert wurde. Die unterste, stark durchheizte Luftschicht nimmt diese Bodenfeuchte dankbar auf und wird durch beinahe Windstille nicht abtransportiert (bei niedrigerem Sonnenstand wäre das die perfekte Nebellage):

20160623-blog3Taupunkte ab etwa 16 Grad werden als schwül empfunden, ab 20 Grad wird es schon tropisch. Im Hochgebirge ist die Luft hingegen wie schon erwähnt sehr trocken, daher war gestern und heute die Alpensicht aus dem Mittelland trotz feuchter Grundschicht recht gut. An dieser Konstellation ändert sich am Freitag tagsüber vorerst nur wenig, denn noch immer wirkt der nur langsam nach Osten wegziehende Höhenrücken als Barriere. Der Druck der extrem energiereichen Luftmasse von unten ist allerdings enorm. So werden im Lauf des Nachmittags ähnliche Türme wie im Titelbild gezeigt entstehen: Verbreitet bleibt die Konvektion unter dem Deckel und breitet sich an diesem aus bzw. vertrocknet, doch an neuralgischen Stellen mit orographischer und Lokalwind-Unterstützung ist der Aufwind stark genug, um den Deckel zu durchbrechen. Resultat sind diese einzelnen Pioniergewitter, von mir gerne auch Hungertürme genannt, da sie einen sehr dünnen Aufwindschlauch aufweisen, an dessen Rändern das Nagen der trockenen Luft gut zu erkennen ist. Je mehr der Boden aufgeheizt wird, umso mehr von diesen Einzelzellen entstehen und feuchten die mittleren Luftschichten an, sodass die Hemmung allmählich abgebaut wird. Gegen Abend ist somit vor allem entlang des Juras und den Voralpen mit verbreiteter Auslöse zu rechnen. Aufgrund der schwachen Höhenströmung werden sich die Zellen aus den Voralpen heraus nur sehr langsam verlagern und bieten somit Gefahr von extremen Niederschlägen mit eher kleinkörnigem Hagel innert kurzer Zeit, was auf den völlig durchtränkten Böden in steilem Gelände rasch zu Erdrutschen und Sturzfluten führen kann. Am Jura hingegen verlagern sich die Zellen etwas rascher nach Nordosten, hier kann die Scherung möglicherweise für die Bildung von Superzellen ausreichen. Somit ist auch mit gefährlichen Sturmböen jeweils vor dem Eintreffen der eigentlichen Gewitter zu rechnen. Während also die Jurazellen bezüglich ihres Verhaltens relativ durchschaubar sein werden, dürfte die Entwicklung aus den Voralpen heraus recht chaotisch durch Kettenreaktionen ablaufen. Die Möglichkeit von Clusterbildungen, die im Lauf der Nacht Fahrt in Richtung Mittelland aufnehmen, ist durchaus gegeben. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass aufgrund der energiereichen Luftmassen (Hitze plus extreme Luftfeuchtigkeit) aussergewöhnlich blitzintensive Gewitter entstehen.

Am Samstagmorgen präsentiert sich die Lage dann so:

20160623-blog4Schwarz eingezeichnet sind Konvergenzlinien, wobei vor allem jene in der warmen Luftmasse (rot) sehr aktiv sein wird. Sie könnte womöglich noch längere Zeit über der Schweiz verharren. An der (blau eingezeichneten) Kaltfront erkennt man Verwellungstendenzen, da der Höhenwind frontenparallel verläuft und sich das ganze System nur sehr langsam nach Osten verlagert. Nach dem oben gezeigten Modell soll uns die Kaltfront am Samstagabend erreichen. Allerdings ist noch völlig unklar, wo und wie sich die Front verwellt und wie sich die Konvergenzlinien vorderseitig verhalten werden. Am besten rechnet man den ganzen Samstag über mit heftigen Gewittern, die jedoch wenig organisiert sein dürften. Die grösste Gefahr besteht immer noch in der Clusterbildung, wobei die Verlagerungsgeschwindigkeit nach Nordosten im Tagesverlauf allmählich zunimmt. Zwischen den Clustern können durch das Absinken der in den Clustern aufgestiegenen Luft durchaus grössere  niederschlagsfreie und sogar sonnige Gebiete entstehen, lokal und zeitlich leider nur sehr zeitnah prognostizierbar.

In der Nacht auf Sonntag sickert die Bodenkaltluft aus West-Nordwest seicht ein und unterbindet Konvektion aus der Grundschicht, allerdings können immer noch Gewitter in der darüber lagernden labilen und energiereichen Luft entstehen. Die am Sonntag nachrückende Konvergenzlinie liegt bereits gänzlich in der kühleren Luftmasse und wird daher keine Unwetter mehr bringen. Der eine oder andere blitzende Schauer kann aber noch dabei sein, abhängig davon wie nah uns die nach Norden abdrehende Höhenkaltluft noch kommen wird. Am Alpennordhang stellt sich Stauregen ein, der in der Nacht auf Montag abklingen dürfte.

Anders als in den vergangenen Wochen tropft der Trog nicht ab, sondern schwenkt am Montag nach Norden weg:

20160623-blog5Man sieht jetzt die Trogachse zonal (dem Breitengrad entlang) ausgerichtet. Zu verdanken haben wir dies der (endlich!) erstarkenden Westwinddrift. Hoffen wir, dass es dieses Mal nachhaltig sein wird und somit den seit drei Monaten währenden Kapriolen ein Ende gesetzt wird. Die daraus entstehende Westlage ist bei uns in der ersten Wochenhälfte antizyklonal geprägt. Mithilfe eines Azorenhochkeils wird die relativ kühle Atlantikluft über dem Festland rasch erwärmt, sodass sich angenehme Sommerwerte um 25 Grad herum einstellen. Dazu gibt es viel Sonnenschein mit zunächst leichter Schauer- und Gewitterneigung über den Bergen, die im Wochenverlauf allmählich zunimmt. Ob und wann sich in die Westströmung eingelagerte Fronten bei uns melden, ist derzeit noch nicht ausreichend genau vorherzusagen, dürfte aber für die nächste Gewittervorschau ein Thema werden.

Gewittervorschau 16.-23.06.2016

Grosswetterlage um den 16.06.2016: Trog Westeuropa

Grosswetterlage um den 16.06.2016: Trog Westeuropa

Vor einer Woche wurde an dieser Stelle beschrieben, wie die Druckschaukel über dem Atlantik allmählich wieder eine Westlage in Gang bringt und eine Umstellung von der Frühlings- zur Sommerzirkulation einleiten könnte. Der Konjunktiv war durchaus berechtigt, wie sich heute herausstellt, denn die Westlage entpuppte sich als Strohfeuer. Das Azorenhoch zieht sich in den nächsten Tagen wieder nach Westen zurück und zeigt uns die kalte Schulter, für Tröge und abtropfende Tiefs ist das Fenster über Westeuropa sperrangelweit geöffnet. Es ist eine Konstellation, die fatal an die Sommer 2012 und 2014 erinnert. Allerdings ist es meines Erachtens noch zu früh, wie andere prominente Wetterblogger bereits jetzt die Grabesrede für den Sommer anzustimmen. Noch steht uns der Siebenschläferzeitraum bevor, während dem sich in den meisten Jahren die Zirkulation noch mal grundlegend umstellt. Tatsächlich zeigen die Mittelfristkarten zum Monatswechsel eine Verlagerung des Jetstreams nach Norden. Ob genügend Fleisch an diesem Knochen hängt oder es sich lediglich um einen nicht selten von den Modellen gezeigten jahreszeitlichen Soll-Zustand handelt (von einigen gerne Sommermöhre genannt), darüber zu spekulieren wäre heute müssig.

Wenden wir uns lieber der aktuellen Situation zu. Typisch für den Frühling sind meridionale Lagen, bei denen grossräumig die warmen und kalten Luftmassen in Nord-Süd-Richtung einen Ausgleich zwischen den kalten Polargebieten und den warmen Tropen anstreben. Ist der Jetstream schwach, wird er dabei gewaltig verbogen und kann sehr weit nach Süden ausgreifen, so wie dies momentan der Fall ist:

20160616-blog2Solche Langwellen sind bezüglich ihrer Verlagerung in östlicher Richtung sehr träge und können längere Zeit über derselben Region verharren, während kurzwellige Ausschläge zügiger vorankommen und für rasche Wechsel der Wetterlagen sorgen. Speziell an der jetzigen Situation ist der Verlauf des Maximums direkt über die Alpen hinweg. Dort, wo der Jetstream einen Richtungswechsel vollzieht, fächert die Strömung in rund 9000 m Höhe auf (zu sehen an verschiedenen weissen Plus-Zeichen auf der Karte), bildet also Divergenzen. Strömt die Masse in der Höhe auseinander, muss Luft aus tieferen Schichten nachströmen, es ensteht dynamische Hebung, und diesem Fall grossräumig in Alpennähe. Hinzu kommt die durch das Gebirge orographisch erzwungene Hebung, was einem ungemütlichen Giftcocktail entspricht, zumal durch das Mittelmeer angefeuchtete, sehr warme und somit energiereiche Luftmassen im Spiel sind. Höhendivergenz und Über- sowie Umströmung eines Gebirges sind für Tiefdruckbildung am Boden zuständig, was dort wiederum Konvergenzen bildet und die Hebung weiter unterstützt. Das Ergebnis ist eine für die Jahreszeit aussergewöhnlich rasche Tiefdruckentwicklung auf der Alpennordseite, die mit der Höhenströmung rasch nach Nordosten weiterzieht und auch den Ländern des nördlichen und östlichen Mitteleuropa Unwetter beschert. Doch zurück in die Schweiz:

20160616-blog3Die oben geschilderten Prozesse sorgen für enorme Regenmengen in kurzer Zeit, dargestellt sind auf dieser Karte die prognostizierten Summen von 30 Stunden von Donnerstag 02:00 bis Freitag 08:00 MESZ. Auf der Alpensüdseite stellen solche Mengen in der Regel kein grösseres Problem dar, dennoch kann hier und da ein Bach hochgehen, wenn eingelagerte Gewitter für erhöhte Stundensummen sorgen. Mehr Sorge muss das Übergreifen auf die seit einem Monat ununterbrochen nasse Alpennordseite bereiten, hier können die Böden kaum noch Wasser aufnehmen und der Niederschlag gelangt in kürzester Zeit in den Abfluss. Zusammen mit der laufenden Schneeschmelze sorgt dies auch an grösseren Flüssen für Gefahr, wobei sich in letzter Zeit gezeigt hat, dass die Abflussmodelle vermutlich den Sättigungsgrad der Böden unterschätzen und die Abflussspitzen mitunter deutlich zu niedrig ansetzen.

Glücklicherweise verlagert sich der Feuchtefluss am Freitagmorgen nach Osten und verlässt die Schweiz. Auf der Rückseite fliesst aus Westen etwas energieärmere Luft nach, die allerdings immer noch feucht und labil genug ist, um weitere Schauer und Gewitter auszulösen. Mit extremen Entwicklungen ist nicht zu rechnen, dennoch ist jeder Regenguss auf die durchnässten Böden der potenzielle Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann. Das Risiko lokaler Überflutungen und Erdrutsche bleibt somit noch bis weit in die nächste Woche hinein bestehen. Am Samstag erreicht uns aus Nordwesten die nächste Kaltfront (Grenze grün zu gelb):

20160616-blog4Das Einfliessen kühlerer Luft in Bodennähe sorgt vorübergehend für eine leichte Stabilisierung der Atmosphäre. Es kommt meist nur noch zu Schauern mit vereinzelten Blitzentladungen, Typ Aprilwetter mit sonnigen Abschnitten zwischendurch.

Am Sonntag drehen Höhen- und Bodenströmung auf nördliche Richtung, über der Westschweiz oder etwas westlich davon vollzieht sich der Abtropfprozess eines Höhentiefs vom nördlichen Trog:

20160616-blog5In der Höhenkaltluft entstehen neue Schauer und Gewitter vom Typ „Schwachstrom“. Mit der Nordströmung ist allerdings mit länger anhaltenden Stauniederschlägen am Alpennordhang zu rechnen, die – wie könnte es anders sein – im ohnehin schon triefenden Osten des Landes ergiebiger ausfallen dürften als weiter westlich.

Ab Montag verkommt die Lage zum Roulette: Das abgetropfte Tief eiert irgendwo südlich der Alpen herum. Waren die Modelle in den letzten Tagen auf eine extreme Tiefdruckbildung mit Vb-Zugbahn aus, welche den Alpen weitere extreme Niederschläge besorgt hätte, so geht der Trend momentan eher in die Richtung, dass sich das Tief relativ stationär und für uns weit südlich genug allmählich auffüllt. Doch es gibt einen Grundsatz in der Meteorologie der da lautet: Traue keinem Kaltlufttropfen! Der weitere Verlauf dieses eigenwilligen Gewächses ist völlig unmöglich vorherzusagen. Es gibt durchaus plausible Modellrechnungen, die das Tief früher (Dienstag/Mittwoch) oder später (Donnerstag/Freitag) wieder nach Norden ziehen lassen.

20160616-blog6Hier dargestellt ist eine Variante, bei der ein neuer Trog im Lauf des Donnerstags nach Westeuropa ausbricht und den verbleibenden Kaltlufttropfen über dem Mittelmeer einfängt. Auch wenn es von Montag bis Mittwoch im besten Fall mal eine etwas ruhigere Phase geben sollte, ist in der Folge mit neuen, womöglich ergiebigen Niederschlägen zu rechnen. In einer Woche wissen wir mehr…