Gewittervorschau 09.-15.08.2013

Wohl noch nicht ganz das Schlussbouquet der Saison: Gewitter über Bern-Wittigkofen, 07.08.2013 00:50 MESZ

Wohl noch nicht ganz das Schlussbouquet der Saison: Gewitter über Bern-Wittigkofen, 07.08.2013 00:50 MESZ

Nicht untypisch für Mitte August stellt die Grosswetterlage auf West um und beendet damit den Hochsommer. Die Hitze zieht sich nach Südeuropa zurück, bei uns machen sich gemässigte Spätsommertemperaturen breit. Grundsätzlich ist die Westlage durch den Ausläufer des Azorenhochs bis zu den Alpen antizyklonal geprägt, vorübergehende Schwächeanfälle des Hochs erlauben aber gelegentlich den Vorstoss kühlerer Atlantikluft zu den Alpen.

Auf der Rückseite der Kaltfront können sich am Freitagnachmittag noch einige gewittrige Schauer bilden, vornehmlich in Juranähe und in der Nordschweiz. Die Trogachse mit der Höhenkaltluft liegt genau über der Schweiz, am Boden stabilisiert aber bereits das aus Westen vorstossende Hoch, sodass sich die Lage am Abend zunehmend beruhigt.

Das Wochenende verspricht ruhiges und zunehmend sonniges Wetter, die Temperaturen steigen wieder in den sommerlichen Bereich. Gewitter sind an beiden Tagen keine zu erwarten.

Am Montag stösst so eine wie eingangs erwähnte Kaltfront von Nordwesten nach Mitteleuropa vor. Auf dem Weg über das flache Binnenland zunächst nur schwach aktiv, wird sie durch die Hebung an den Alpen aktiviert. Die Luftmasse ist zwar nicht mehr so energiereich wie noch vor einer Woche, doch die Labilitäts- und Hebungswerte sind beachtlich:

Labilitäts- und Hebungswerte sind am Montagabend sehr hoch

Labilitäts (grün)- und Hebungswerte (gelb-rot) sind am Montagabend an der Alpennordseite sehr hoch

Für die Auslöse von Gewittern auf breiter Front ist die Konstellation ideal: Höhenkaltluft und Bodenfront treffen wie noch selten in dieser Saison fast zeitgleich bei uns ein, zudem erfolgt die Annäherung der Front aus Nordwesten parallel zum Alpenhindernis, wodurch die vorderseitig vorhandene Warmluft zwischen Front und Alpen zum Aufsteigen gezwungen wird. Heftige Entwicklungen sind auch aufgrund der Windscherung (bodennah auf West bis Nordwest drehend, in der Höhe starker Südwestwind) durchaus möglich, die Lage gilt es jedenfalls zeitnah genau im Auge zu behalten.

Höhentrog und -kaltluft erreichen die Schweiz Montagnacht

Höhentrog und -kaltluft erreichen die Schweiz Montagnacht

In der kühleren Luft und wieder erstarkendem Hoch bleibt es am Dienstag und Mittwoch ruhig. Am Donnerstag erwärmt sich die Luft wieder so weit, dass vor allem in den Bergen das Risiko für lokale Gewitter im Tagesgang leicht ansteigt.

Gewittervorschau 02.-08.08.2013

Aufziehendes Hagelgewitter südlich von Bern am 28.07.2013, 19:07 Uhr

Aufziehendes Hagelgewitter südlich von Bern am 28.07.2013, 19:07 Uhr

Die diesjährige Gewittersaison scheint in den nächsten Tagen ihren Höhepunkt zu erreichen. Das Zusammenspiel von sehr heisser Luft aus dem Raum Nordafrika und Spanien sowie die Annäherung eines neuen westeuropäischen Troges erzeugt eine delikate Mischung. Leider sind solche Wetterlagen immer mit vielen Überraschungen gespickt, sodass ein genauer Ablauf kaum vorhergesagt werden kann.

Heute Freitag bleibt der Hochdruckkeil über Mitteleuropa für uns noch wetterbestimmend. Zudem ist die Luft sehr trocken, was keine Gewitterbildung zulässt. Bereits Samstag früh erreicht uns aber von Frankreich her eine schwache Konvergenzzone. Deren Wetteraktivität wird von den meisten Modellen als sehr schwach eingestuft, in der sehr energiereichen Luft sind Überraschungen jedoch nicht gänzlich auszuschliessen. Als ziemlich sicher kann jedoch gelten, dass diese Konvergenzzone in der zweiten Tageshälfte von den Zentralalpen bis in die Ostschweiz einige Gewitter auslösen wird. Das Ausmass und die Verbreitung sowie deren Heftigkeit ist aber noch nicht absehbar.

Am Sonntag befindet sich die Schweiz unter einer schleifenden Kaltfront. Die Kaltluft kommt sehr seicht aus Westen rein, was sich in der Nacht auf Sonntag mit teils kräftig auffrischendem Wind bemerkbar macht. In der Höhe bleibt uns die sehr warme Luft in einer anhaltenden Südwestströmung erhalten. Der Stabilisierung der Luftschichtung durch die bodennah kühlere Luft wirken mehrere Randtröge und Konvergenzen entgegen, wodurch es im Tagesverlauf immer wieder zu Gewitterbildungen kommen kann. Unwetterartige Entwicklungen dürften sich eher auf die Ostschweiz konzentrieren, da sich aus Westen rückseitig der Kaltfront bereits wieder steigender Luftdruck durchsetzt. Die nachfolgende Karte zeigt ein regelrechtes Chaos im Windfeld auf rund 1500 m Höhe: Wo und wann genau sich also Randtröge und Konvergenzen einfinden und die Gewittertätigkeit antreiben werden, ist so gut wie unprognostizierbar.

Prognostiziertes Windfeld in rund 1500 m am Sonntag, 4. August 2013

Prognostiziertes Windfeld in rund 1500 m am Sonntag, 4. August 2013

Am Montag wirkt der sich noch mal regenerierende Höhenkeil stabilisierend auf unser Wetter, die Gewitterneigung beschränkt sich weitgehend auf die Alpen. Bereits am Dienstag nähert sich aber aus Westen die nächste Kaltfront. Ab Dienstagabend bis Donnerstag nimmt die Gewittergefahr daher wieder zu. Die Modelle sind sich über das Verhalten der Front aber bei weitem noch nicht einig: Von einem raschen Durchgang im Lauf des Mittwochs über einer während zwei Tagen verwellenden Front bis hin zu einer Abtropfung des Trogs ins Mittelmeer mit der damit verbundenen Rückläufigkeit der Front ist im Moment noch die gesamte Palette vorhanden. Generell kann man aber davon ausgehen, dass es zur Wochenmitte zunehmend schwül und gewittrig wird.

Gewittervorschau 19.-25.07.2013

Das perfekte Badewetter hält noch eine Weile an

Das perfekte Badewetter hält noch eine Weile an

Fast könnte man die Texte der letzten zwei Wochen wiederholen, aber eben nur fast. Gleich bleibt das wetterbestimmende Hoch im Raum Britische Inseln, doch die Details machen ja bekanntlich die Musik, bzw. die Gewitter im Alpenraum. Erst zur Mitte der nächsten Woche scheint sich unser Dauerhoch verabschieden zu wollen, womit sich eine Umstellung der Grosswetterlage abzeichnet.

Vorerst verbleibt der Alpenraum jedoch noch in der feuchten Luft, die uns ein kleines Tief über Frankreich in den letzten Tagen beschert hat. Die vorübergehend etwas schwächere Bise vermag die Luft nur noch im äussersten Nordosten der Schweiz trocken zu halten. Ansonsten köchelt die feuchte Suppe am Freitag unter der Julisonne rasch hoch, Labilität ist durch ein schwaches Höhentief über Frankreich gegeben. Die Gewitter dürften recht verbreitet auftreten, also auch im Mittelland abgesehen von der oben erwähnten Ausnahme. Die Hauptgefahr geht von Überflutungen aus, da die Gewitter nach wie vor recht langsam von Ost nach West ziehen, die Luft aber extrem viel ausfällbares Wasser enthält.

Noch eine Woche Hochsommerwetter, danach deutet sich ein Wechsel an

Noch eine Woche Hochsommerwetter, danach deutet sich ein Wechsel an

Wie die obige Ensembles-Grafik zeigt, ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit am Freitag am höchsten und nimmt dann von Tag zu Tag etwas ab. Dies, weil sich einerseits das Höhentief über Frankreich langsam auffüllt und damit stabilere Verhältnisse eintreten, andererseits weil aus Nordosten mit der Bise in den tiefen Luftschichten wieder trockenere Luft einfliesst. Am Samstag dürften noch einmal verbreitet Gewitter auftreten, am Sonntag und Montag werden sie sich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder nur noch auf die Alpen beschränken. Am Dienstag und Mittwoch tendiert die Gewitterneigung selbst in den Alpen gegen null, dies trotz des Anstiegs der Tageshöchstwerte auf rund 30 Grad.

Am Donnerstag stellt sich die Wetterlage wahrscheinlich langsam um, viele Modelle deuten einen zunehmenden Einfluss des westeuropäischen Trogs an, was die Gewitterneigung wieder ansteigen lässt. Ob dies der Anfang vom Ende des nunmehr drei Wochen anhaltenden Hochdruckwetters bedeutet, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Die Ensembles sowohl von EZ wie auch GFS signalisieren jedenfalls einen Trend zu wechselhafterem und kühlerem Westwindwetter zum Monatswechsel hin.

Gewittervorschau 12.-18.07.2013

Im Mittelland muss man die Gewitter auch in den nächsten Tagen selbst produzieren

Im Mittelland muss der Mensch die Gewitter auch in den nächsten Tagen selbst produzieren

Die stabile Grosswetterlage macht das Geschehen im Alpenraum weiterhin überschaubar. Das Hochdruckgebiet mit Zentrum im Raum Britische Inseln spielt das Zünglein an der Waage: Je nachdem wie es sich gerade ein wenig verlagert, sind geringfügige Änderungen im Wettergeschehen möglich. Ein radikaler Wechsel ist aber auch in den nächsten 8 Tagen nicht in Sicht. Die Gewitterneigung bleibt somit gering bis mässig. Meist fehlt eine der drei wichtigsten Zutaten: Feuchte, Labilität und Hebung. Ein Grundstock an Hebung ist durch unsere Berge im Sommer eigentlich immer vorhanden, doch mit den beiden anderen Ingredienzen hapert es:

Von Freitag bis Montag fehlt es eindeutig an der Feuchte. Die Bise bringt sehr trockene Luft, die durch das Hoch im Nordwesten produziert wird. Selbst die aus Norden aufziehenden Kaltfronten, gesteuert durch den Trog über Osteuropa, lösen sich nahezu vollständig auf, bevor sie uns erreichen. Da auch die Temperaturen für den Hochsommer im gemässigten Bereich bleiben, fehlt es der Luftmasse generell an Energie für Gewitter. Allenfalls kann sich in den inneren Alpenregionen und im Süden hier und da eine kurzlebige Einzelzelle bilden.

Am Dienstag dreht der Höhenwind vorübergehend auf Südwest, er sorgt bei uns für eine deutliche Erwärmung in der Höhe, was wiederum die Bildung eines Bodenhochs über Mitteleuropa stützt. Die Luft wird zwar etwas angefeuchtet, doch diesmal fehlt eindeutig die Labilität für Gewitterentwicklungen.

Am Mittwoch zieht der Höhenrücken mitsamt zugehörigem Bodenhoch langsam nach Osten ab. Erstmals seit langem wird die jetzt ausreichend energiegeladene Luft etwas labilisiert, womit das Gewitterrisiko von Westen her allmählich ansteigt. Das Ausmass dieser Entwicklung ist allerdings noch recht unsicher. Dies gilt auch für den Donnerstag: Einzelne Modelläufe zeigen die mögliche Annäherung einer Kaltfront aus Nordwesten, die Mehrheit der Modelle schätzt allerdings die Kraft des Hochs immer noch stark genug ein, um die Aktivität solcher Frontenvorstösse deutlich einzubremsen.

Die GFS-Ensembles zeigen, dass die Lösung des Hauplaufs mit einer Kaltfront zum Ende des Prognosezeitraums ein Ausreisser darstellt

Die GFS-Ensembles zeigen, dass die Lösung des Hauplaufs mit einer Kaltfront zum Ende der nächsten Woche einen Ausreisser darstellt

Gewittervorschau 05.-11.07.2013

GFS-Ensemble für So., 07.07.2013, Gewitterwahrscheinlichkeit

GFS-Ensemble für So., 07.07.2013, Gewitterwahrscheinlichkeit

Das Wetter für die nächsten sieben Tage ist überschaubar: Ein kräftiges Hoch im Raum Britische Inseln / Nordsee sorgt für eine konstante Bisenströmung. Damit steht uns eine sommerliche Witterungsphase mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad bevor, die Gewitterneigung ist als eher mässig einzustufen.

Am Freitag muss das aus Westen vorstossende Hoch erst noch die Restfeuchte der letzten Tage abtrocknen. Besonders in der östlichen Landeshälfte sind somit noch Wolkenfelder zu erwarten, es bleibt aber überall trocken. Dabei kommt eine mässige Bise auf.

Am Wochenende steigen die Temperaturen weiter an, die Bise lässt aber keine Hitze zu. Mit der Zufuhr recht trockener Luft aus Ost bis Nordost ist die Gewitterneigung auf der Alpennordseite nach wie vor gering. Etwas feuchter bleibt es in den inneren Alpen sowie im Süden, wo die Bisenströmung nicht hinreicht. Lokale Wärmegewitter sind somit am ehesten von Graubünden über das Tessin bis ins südliche Wallis zu erwarten. Die Zugrichtung der Gewitter erfolgt nach Südwesten.

Ab Montag verlagert sich das Zentrum des Hochs ein wenig nach Westen zu den Britischen Inseln. Damit dreht die Strömung von Ost auf Nordost und es gelangt ein wenig kühlere Luft zu uns. Die leicht energieärmere Luft wird durch den etwas nachlassenden Hochdruckeinfluss im Osten ausgeglichen, an der mässigen Gewitterneigung ändert sich somit nicht viel. Der Schwerpunkt liegt weiterhin in den Alpen, vereinzelt sind kurzlebige Gewitter aber auch im Schwarzwald und im Jura möglich. An der Verlagerungsrichtung nach Südwest ändert sich nichts.

Zum Ende des Prognosezeitraums am Mittwoch/Donnerstag dürfte sich das Hoch an seinem Ostrand weiter abschwächen. Damit steigt die Möglichkeit einer Austrogung aus Norden in Richtung Osteuropa. Ob die damit zusammenhängende Labilisierung durch Höhenkaltluft auch am Rande die Schweiz betrifft, oder ob nur bodennah kühlere Luft zu uns gelangt, wird von den Modellen derzeit noch sehr unterschiedlich berechnet.

Gewittervorschau 28.06.-04.07.2013

Wann zeigt uns das Wetterradar die nächsten kräftigen Gewitter? (Anlage La Dôle)

Wann zeigt uns das Wetterradar die nächsten kräftigen Gewitter? (Anlage La Dôle)

Die relative Gewitterarmut der bisherigen Saison scheint auch in den nächsten Tagen kein Ende zu finden. Entweder ist die Luftmasse zu energiearm, zu kühl oder unter Hochdruckeinfluss zu stabil geschichtet und zu trocken. Aus heutiger Sicht bietet in der kommenden Woche nur ein Tag ein etwas erhöhtes Potenzial für kräftige Entwicklungen.

Am Freitag gerät die polare Lufmasse bei uns unter Zwischenhocheinfluss, was die Schauerneigung zu einem grossen Teil unterdrückt. Wegen der nach wie vor labilen Schichtung durch die Höhenkaltluft sind kurze Regenspritzer insbesondere über dem Relief nicht auszuschliessen, sie bleiben aber in der Regel harmlos. Am Samstag ziehen in kurzer Abfolge eine Warm- und eine Kaltfront über uns hinweg. Die erste Tageshälfte gestaltet sich trüb und regnerisch, am Nachmittag und Abend kommt aber vermehrt konvektive Tätigkeit ins Spiel. Auch hier dürften die Schauer höchstens vereinzelt elektrisch werden, können aber besonders in der Nordschweiz von starken Böen begleitet sein.

Sonntag und Montag stehen unter Hochdruckeinfluss. Es wird rasch sonnig, der Wind schwächt sich ab und die Temperaturen steigen kräftig an. Am Montagabend sind vereinzelte lokale Gewitter in den Alpen möglich.

Unser Hauptaugenmerk richtet sich auf den Dienstag. Ein schwacher Trog durchbricht den noch fragilen Keil des Azorenhochs, womit sich im Tagesverlauf aus Nordwesten eine Kaltfront der Schweiz nähert. Der genaue Fahrplan ist fünf Tage im voraus noch kaum zu fixieren. Je nach Timing kann es auf der Vorderseite der Front verbreitet zur Auslöse kommen. Die Zugrichtung erfolgt aus West bis Südwest. Da kaum Richtungsscherung vorhanden ist, liegt die Hauptgefahr in stürmischen Böen und kräftigem Regen, die Zellen dürften sich aber rasch fortbewegen und daher für relativ kurze Ereignisse sorgen. Nach GFS ist die Front wegen des Azorenhochkeils am schwächeln, EZ rechnet den Trog schärfer, die Intensität des Ereignisses ist also ebenso unsicher wie der genaue Zeitablauf.

Luftmassen und Fronten am Dienstag, 02.07.2013 (Quelle: wetter3.de, Bearbeitung: fotometeo)

Luftmassen und Fronten am Dienstag, 02.07.2013 (Quelle: wetter3.de, Bearbeitung: fotometeo)

Am Mittwoch folgt die Warmfront des nächsten Tiefausläufers, es bleibt somit noch länger bewölkt und gelegentlich nass, Gewitter sind aber kaum ein Thema. Ob wir danach im Warmsektor verbleiben und sich der Hochdruckkeil aus Westen genügend verstärkt, ist derzeit noch nicht sicher. GFS tendiert deutlicher in diese Richtung, EZ lässt es auch am Donnerstag noch unbeständig bleiben.

Der Sturm in Biel – Teil 2: Interpretation des Radarbildes um 17:55 Uhr

Zoombild Donnerradar, Region Biel um 17:55 Uhr. Details siehe Text. Quelle: meteoradar

Zoombild Donnerradar, Region Biel um 17:55 Uhr. Details siehe Text. Quelle: meteoradar

Als Ergänzung des Blogs vom 21.6. soll aus aktuellem Anlass versucht werden, die kurzfristigen Wetterrisiken für die Region Biel aus den um 17:55 Uhr zur Verfügung stehenden Radarbild-Information abzuschätzen. Hierzu werden zwei Bildquellen verwendet:
a) das Schlussbild „Donnerradar 3D“ des Blogs vom 21.6.
b) das Zoombild „Donnerradar Zoom“ dieses Blogs.

Aus der Zugrichtung und der Geschwindigkeit des Systems kann der ungefähre Zeitpunkt abgeschätzt werden, wann das System den Standort Biel mutmasslich überqueren wird. Dies dürfte um etwa 18:25 Uhr der Fall sein (dicke rote Querlinie). Die Bewegung des Systems ist mit dicken roten Längslinien markiert. Die dünnen Längslinien zeigen die allfällige Abweichung des Systems nach links oder nach rechts, gegenüber der mutmasslichen Bewegungsrichtung. Gemäss dieser einfachen Extrapolation kann man folgern, dass das Sturmzentrum, die rot eingefärbte Region, knapp westlich an Biel vorbeiziehen dürfte. Die rechte Ecke kann – muss aber nicht – den Standort Biel treffen. Superzellen mit zyklonaler Aufwindrotation (um eine solche handelte es sich im vorliegenden Fall ohne Zweifel) generieren die stärksten Wetterrisiken normalerweise am rechten Rand der auf dem Radar erfassten Starkechozone. In unserem Fall kann genau diese Zone die Region Biel treffen oder kanz knapp westlich vorbeischrammen.

Im folgenden werden die Wetterrisiken kommentiert, welche im Gefolge einer Superzelle auftreten können.

Risiko Blitzschlag
Es dürfte unbestritten sein, dass mit Blitz und Donner gerechnet werden muss. Die kleinen rot/orange/gelben Quadrätchen zeigen die Blitzentladungen in einem Zeitfenster von 5 Minuten. Es ist aber unmöglich vorauszusehen, wo und wann der Blitz allenfalls einschlagen kann. Das Risiko für einen festen, eng begrenzen Standort dürfte sogar sehr klein sein – sonst würde es zu viel mehr Zwischenfällen durch Blitzschlag kommen. Trotzdem wäre es verfehlt, diesem Risiko keine Beachtung zu schenken. Tragische Beispiele aus der Vergangenheit gibt es mehr als genug.

Risiko Hagel
Dieses Risiko muss als erheblich eingeschätzt werden. Es ist auch grosser, schadensträchtiger Hagelschlag möglich, vor allem deshalb, weil die Hagelzone in der Gewitterwolke bis 12 km hochreicht (siehe vorangehender Blog). Die rote Farbe im Radarecho gibt gute Hinweise, wo Hagelschlag auftreten kann. Es ist aber zu bedenken, dass sich die Hagelgefahr in den 30 Minuten bis zum vermuteten Eintreffen des Gewitters noch ändern kann, z.B. durch Abschwächung oder auch durch nochmalige Verstärkung des Gewitters.

Risiko Starkregen
Eine Superzelle kann extrem viel Regenwasser generieren, welches in kürzester Zeit, zusammen mit schmelzendem Hagel, zu lokalen Überflutungen führen kann.

Risiko Sturmböen
Dies ist bestimmt das relevante Risiko, zugleich aber auch das am schwierigsten einschätzbare. Sturmböen können auf der ganzen Breite einer Gewitterfront daherkommen, ebenso häufig sind aber lokale Sturmzentren und Variationen der Sturmstärke auf kleinsten Räumen. Downbursts/Tornados sind mögliche Begleiter von Superzellen. Es gibt Superzellen, welche kaum Sturmböen produzieren. Dies dürfte öfters in der Anfangsphase der Lebensgeschichte einer Superzelle der Fall sein. Mit zunehmender Lebensdauer steigt das Risiko für Sturmböen an, da die Abwinde stärker werden. Diese können auch zunehmend dem Niederschlagszentrum vorauslaufen und so deutlich früher als der Niederschlag an einem festen Ort eintreffen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Superzellen ein sehr hohes Risikopotenzial für Hagel, Starkregen, Sturmböen, Downbursts und Tornados in sich bergen. Der Wetterradar ist ein unverzichtbares Hilfsmittel geworden, um Superzellen rechzeitig zu erkennen, ihre mutmassliche Zugbahn abzuschätzen und so die möglichen Risiken räumlich und zeitlich einzugrenzen. Es versteht sich von selbst, dass ein hohes Fachwissen mit zuverlässigen und rasch verfügbaren Daten und Modellen in kürzester Zeit kombiniert werden muss, um dem Bedarf nach einer robusten Risikoabschätzung in Echtzeit gerecht zu werden. In diesem Artikel konnte nur ein Teil der Aspekte angesprochen werden, welche bei diesem Problemkomplex eine Rolle spielen. Im Zweifelsfall dürfte der folgende Grundsatz am ehesten dem Bedürftnis nach Sicherheit gerecht werden:

Besser 100mal zu früh als 1mal zu spät einen sicheren Ort aufsuchen.

Der Sturm in Biel, 20.6.2013 – eine Betrachtung aus Sicht des Wetterradars

Sequenz des Schweizer Radar-Komposits zwischen 20 und 20 Uhr am 20.6.2013. Quelle: meteoradar/Meteoschweiz

Sequenz des Schweizer Radar-Komposits zwischen 20 und 20 Uhr am 20.6.2013. Quelle: meteoradar/Meteoschweiz

Am 20.6., ca. 20 Minuten nach sechs wütete über dem Gelände des Eidg. Turnfestes ein Sturm, welcher Zelte aus der Verankerung riss und wie Papierschnipsel durch die flüchtenden Besucher jagte. Knapp 40 Verletze und hoher Sachschaden waren die Folge. Es war schon der zweite Sturm innert Wochenfrist. Wie kam es zu dem Sturm? War der Sturm überhaupt vorhersehbar? Wir meinen ja, anbei eine Betrachtung aus der Sicht des Wetterradars.

Die Wetterlage war eindeutig. Allenthalben wurden heftige Gewitter erwartet, die Wetterdienste überboten sich gegenseitig mit der Ausgabe von Gewitter-, Hagel- und Sturmwarnungen. Der Bieler Sturm wurde von einem lokalen Gewitter ausgelöst, welches im Jura aus SW ganz knapp am Neuenburger- und Bielersee vorbeischrammte. Dieses Gewitter begann seine Laufzeit weit südlich des Genfersees, um etwa 13:20 Uhr in der Nähe von Grenoble. Mit 60 km pro Stunde nahm das Gewitter seine Zubahn Richtung Norden, später Nordosten, in Angriff. Das westliche Genferseebecken wurde getroffen, und weiter ging die Reise durch den Jura bis in die Region von Basel, wo die Gewitterzelle um 20 Uhr ihre kompakte Eigenständigkeit verlor. Die Zugbahn des Gewitters ist im ersten Bild des angefügten Radarloops eingezeichnet. Nach 10 Sekunden startet der Bildloop, und man kann leicht erkennen, wie sich die Form und Stärke der Zelle auf ihrer Zugbahn laufend veränderte. Der Loop wird nur sichtbar nach Mausklick auf das kleinere Vorschaubild.

Die grösste Stärke erreichte die Zelle erst gegen Ende ihrer Lebensdauer. Kurz vor 18 Uhr befand sich der Mocken etwa auf der Höhe von Neuchàtel, siehe das Radarbild am Schluss dieses Artikels. Auf breiter Front – etwa 40 km – rauschte das Gewitter heran. Der Hagelkanal (rote Farbe) war zu diesem Zeitpunkt etwa 12 km hoch – in unseren Breiten eine selten erreichte Höhe. In der Folge schwächte sich das Gewitter leicht ab, auch die Höhe des Hagelkanals wurde geringer. Es ist anzunehmen, dass auch der Aufwind zu diesem Zeitpunkt schwächer wurde. Als Folge davon dürfte sich geballe Ladung von Wasser und Eis in der Wolke entleeren. Luft wird mitgerissen und am Boden umgelenkt. Sturmböen am Boden sind unvermeidbar. Wenn eine Gewitterfront auf einer Breite von 40 km daherkommt, dann dürften viele im Bereich dieser Front die gewaltigen Stumwinde zu spüren bekommen.

Deutlicher kann sich ein gefährliches Gewitter kaum ankündigen. Die Besucher der Veranstaltung wurden anscheinend von den Sturmböen völlig überrascht. 15 Minuten zuvor wäre eine rechtzeitige Evakuierung des Geländes möglich gewesen. Die Vorzeichen des Sturms waren überdeutlich, wenn nicht schreiend. Wir beschliessen diesen Blog mit der Wiedergabe unserer Warntexte, welche heute gegen Abend auf der Homepage www.meteoradar.ch erschienen sind.

– 16:03 Uhr: Aus Westen allmählich starke Gewitter, örtlich mit Hagel, Sturm und Sturzfluten.

– 17:18 Uhr: Zur Zeit sehr gefährlicher Gewittersturm im Jura, Höhe Neuenburgersee. Zugrichtung NE.

– 18:20 Uhr: Zur Zeit sehr gefährlicher Gewittersturm im Jura, Höhe Bielersee. Zugrichtung NE.

Radarbild kurz vor 18 Uhr. Quelle: meteoradar / MeteoSchweiz

Radarbild kurz vor 18 Uhr. Quelle: meteoradar / MeteoSchweiz

Gewittervorschau 21.-27.06.2013

Aufzug der Böenfront südlich von Bern am 20.06.2013 18:20 Uhr

Aufzug der Böenfront südlich von Bern am 20.06.2013 18:20 Uhr

Nach dem turbulenten Ende der Hitzewelle geht es in den nächsten Tagen wieder deutlich ruhiger zu und her. In mehreren Wellen wird nach und nach kühlere Luft nach Mitteleuropa geführt. In der neuen Woche nimmt die Witterung aprilwetterartige Züge an – mit entsprechendem Temperaturniveau. Spannend ist aus heutiger Sicht eine scharfe Luftmassengrenze über den Alpen und mögliche Gegenstromlage in der Nacht auf Montag.

Am Freitag beruhigt sich das Wetter nach Abzug der Kaltfront nach Osten rasch. Tagsüber wechseln sich Sonne und Wolken ab, am Abend besteht besonders in der Ostschweiz eine leichte bis mässige Schauerneigung. Auch der Samstag zeigt sich bei gemässigten Temperaturen von der freundlichen Seite, in der zweiten Tageshälfte nimmt die Neigung zu Schauern und Gewittern besonders in Alpennähe aber zu. Mit heftigen Entwicklungen ist jedoch nicht zu rechnen.

Am Sonntag wird aus Nordwesten deutlich kühlere Luft zur Alpennordseite geführt, während ein Tief über Norditalien aus Süden warme und energiereiche Luft bringt. Die Alpen bilden eine scharfe Luftmassengrenze, an der es im Tagesverlauf wieder zu gewittrig durchsetztem Regen kommt. Besonders vom Tessin bis in die Ostschweiz können die Regenmengen bis in die Nacht auf Montag mitunter ergiebig ausfallen.

Mögliche Gegenstromlage am Sonntagabend mit scharfer Luftmassengrenze an den Alpen

Mögliche Gegenstromlage am Sonntagabend mit scharfer Luftmassengrenze an den Alpen

Montag und Dienstag ist wechselhaftes und kühles Aprilwetter unter einem mitteleuropäischen Trog angesagt. Dabei ist besonders in der zweiten Tageshälfte mit verbreiteten Schauern zu rechnen, hin und wieder können auch Blitz und Donner dabei sein.

Ab Mittwoch scheint sich aus Westen allmählich Hochdruckeinfluss durchzusetzen. Es wird meist trocken und zunehmend sonnig, allerdings bringt der Nordwestwind für die Jahreszeit zu kühle Temperaturen. Obwohl wir uns hier hauptsächlich mit Gewittern befassen, sei ein kleiner Hinweis auf möglichen Bodenfrost in erhöhten Muldenlagen und in den Hochtälern der Alpen während der klaren Nächten erlaubt…

Gewittervorschau 13. – 20.06.2013

Vorhersagekarte Boden/500 hPA des GFS Modells, gültig for den 13.6. 20 Uhr Lokalzeit. Quelle: wetter3.de

Vorhersagekarte Boden/500 hPA des GFS Modells, gültig for den 13.6. 20 Uhr Lokalzeit. Quelle: wetter3.de

Aus aktuellem Anlass erscheint diese Gewittervorschau etwas früher als üblich. Für heute Donnerstagabend wird der rasche Durchzug einer aktiven Kaltfront erwartet, begleitet von Gewittern mit Sturmböen. Allerdings herrscht auch zum jetzigen Zeitpunkt einige Unsicherheit über die Stärke und das Unwetterpotenzial der erwarteten Gewitter.

Für den Wetterumschwung ist ein Kurzwellentrog verantwortlich, welcher auf der Ostflanke eines umfangreichen Kältepools über dem Atlantik für einmal nicht ins Mittelmeer abtropft, sondern rasch über Frankreich/Deutschland nach Nordosten zieht und dabei unser Land streift. Auf der Vorderseite sind heute die Temperaturen im Flachland auf sommerliche Werte über 25 Grad angestiegen. Die Taupunkte sind mit Spitzenwerten knapp über 15 Grad nicht gerade berauschend, aber durchaus im Bereich, welcher kräftige Gewitter zulässt.

Die Vorhersagekarte Boden/500 hPa des GFS Modells für heute 20 Uhr zeigt an, dass die Bodenfront in den frühen Abendstunden durchzieht, siehe die orange Linie in der beigefügten Grafik. Die einfliessende Rückseitenluft ist sehr seicht und wird zunächst weiter von der tagsüber aufgeheizten Luftmasse überlagert. Der nachfolgende Hochdruckkeil rückt rasch aus Westen vor und dürfte die erwartete Gewittertätigkeit wieder dämpfen. Aufgrund der raschen Zuggeschwindigkeit des durchziehenden Troges ist mit einer raschen Verlagerung der von Westen aufziehenden Schauer und Gewitter zu rechnen. Allerdings ist das Timing und die Stärke der aufziehenden Gewitter auch im jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen. Wir verweisen hierzu auf die aktuelle Diskussion im Schweizer Sturmforum, www.sturmforum.ch. Es scheint aber gut gesichert, dass plötzlich auftretende kräftige Windböen ein Thema sind. Diese können örtlich auch Sturmstärke erreichen. Vorsicht also bei Aufenthalten im Freien. Die Windböen können den Niederschlägen vorauseilen und so praktisch ohne Vorwarnung eintreffen. Im Laufe der Nacht dürfte sich die Lage dann überall bei ausklingenden Niederschlägen beruhigen.

Bis Sonntag verbleibt unser Land am Rand einer kräftigen Höhenströmung aus SW bis Wêst. Es wird ein meist freundlicher und mässig warmer Witterungscharakter erwartet, mit einer geringen Neigung zu einzelnen Schauern, wobei gelegentlich Blitz und Donner nicht ganz ausgeschlossen sind. Zu Wochenbeginn rollt dann direkt aus Süden die erste hochsommerliche Hitzewelle auf uns zu. Bei zunehmender Föhntendenz dürften sich im Tagesgang einzelne Hitzegewitter vor allem über den Bergen im Westen entwickeln. Etwa ab Mittwoch dürfte die Gewitterneigung auf der Vorderseite eines von Spanien her nachrückenden Troges markant zunehmen, bevor dann Donnerstag oder Freitag erneut ein Wechsel zu kühlerem und nassem Trogwetter stattfinden könnte. Wie üblich, ist diese Einschätzung im jetzigen Zeitpunkt mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.