Ein Lehrstück: Squall-Line vom 07.09.2013

Radaranimation 07.09.2013 20:00 bis 02:00 MESZ

Radaranimation 07.09.2013 20:00 bis 02:00 MESZ (Klick öffnet den Film)

Ungewöhnlich heftig für die fortgeschrittene Jahreszeit präsentierte sich die Gewitterlage am Samstag, 7. September 2013. Sehr warme und zunehmend feuchte Luft aus dem Raum Spanien – westliches Mittelmeer erreichte aus Süd bis Südwest den Alpenraum. Wurden an den Tagen zuvor noch Spitzenwerte bis zu 30 Grad gemessen, mussten die Temperaturen am Samstag unter der feuchteren Luft besonders nach Westen hin bereits etwas nachgeben. Die energiereiche Luft sorgte allerdings für ein Phänomen, das als Lehrstück in der schweizerischen Gewitterklimatologie gelten kann.

Im Animationsfilm des Niederschlagsradars ist am frühen Abend in der Region südlich von Genf ein unorganisierter Haufen zahlreicher kleiner Einzelzellen zu sehen, welche mit der Höhenströmung ziemlich genau nach Norden ziehen. Westlich davon befindet sich ein flächiges Niederschlagsgebiet ohne wesentliche Blitzaktivität, hier hat sich bereits ein Kaltluftpool durch die Niederschlagsabkühlung gebildet. Um ungefähr 20:30 MESZ bildet sich von Genf bis zum nördlichen französischen Jura allmählich eine Gewitterline aus. Unter diesem sich formierenden Komplex wird zunehmend kalte Luft zu Boden befördert, die sich entsprechend der Druckverteilung zum Bodentief verlagern muss, das sich zu diesem Zeitraum im Oberrheingraben befindet. Nördlich des Juras kann sie dies auf direktem Weg tun, im westlichen Mittelland ist dieser Weg allerdings durch den Jurabogen versperrt: sie muss in östliche Richtung ausweichen. Die kalte Luft schiebt sich unter die warme weiter im Osten und hebt diese an: Es entsteht zwischen 21:30 und 22:00 eine zusammenhängende Gewitterlinie (Squall-Line) mit einer zunehmend Fahrt aufnehmenden Böenfront. Bemerkenswert ist nun die Tatsache, dass durch die Kanalisierung am Jurasüdfuss der südliche Teil der Squall-Line deutlich schneller voran kommt als der nördliche, sehr gut zu erkennen am Knick in der Linie genau über der Jura-Hauptkette um 22:45 Uhr:

Donnerradar-Archivbild 07.09.2013 22:45 MESZ

Donnerradar-Archivbild 07.09.2013 22:45 MESZ

Während am Juranordfuss ohne Kanalisationseffekt nur Böen von rund 60 km/h erreicht werden, sind es im Mittelland verbreitet 70 bis 80 km/h. Die stärksten Böen werden nicht ganz unerwartet direkt am Jurasüdfuss gemessen: Cressier 87 km/h, Grenchen 91 km/h. Die durch den Jura erzwungene Divergenz am Boden nimmt der Gewitterlinie etwas den Schwung, was sich in rasch abnehmender Blitzaktivität und nachlassender Niederschlagsintensität in der Nordwestschweiz manifestiert. Dies hätte den Tod der Squall-Line bedeuten können, würde der Jura nach Osten hin nicht zunehmend niedriger. Die schnelle Böenfront am Jurasüdfuss findet im Aargauer Jura den Weg über das kleinere Hindernis und kann wieder den ursprünglichen Weg nach Norden einschlagen, wo sie mit dem nördlichen Ast der Squall-Line konvergiert: Und oha! – schon bildet sich eine neue, schön zusammenhängende Line über dem Schwarzwald aus. An deren südöstlichem Ende wird um 01:00 Uhr in Schaffhausen eine Spitzenböe von 94 km/h gemessen.

Die Squall-Line war das Ergebnis einer vorlaufenden Konvergenz (schwarz) in der Tiefdruckrinne weit vor der Kaltfront (blau), die sich zu diesem Zeitpunkt noch weit im Westen über Frankreich befand:

Luftmassen- und Frontenanalyse 08.09.2013 02:00 MESZ

Luftmassen- und Frontenanalyse 08.09.2013 02:00 MESZ

Die Eigendynamik an der vorlaufenden Konvergenz liess eine Druckwelle in der Nacht bis weit nach Osten auslaufen, sie reichte am frühen Morgen bereits weit nach Bayern hinein:

Luftmassen- und Frontenanalyse 08.09.2013 08:00 MESZ

Luftmassen- und Frontenanalyse 08.09.2013 08:00 MESZ

Anhand der Theta-E-Karte kann man gut die Rolle von Kaltfront und vorlaufender Konvergenz erkennen: Die Karte stellt den Energiegehalt der Luft dar, welche sich aus Temperatur (Wärme) und Feuchtigkeit zusammensetzt. Die Aktivität der vorlaufenden Konvergenz hat die subtropische Luftmasse stark abgekühlt, daher ist die Luft westlich der Konvergenz energieärmer als im Osten. Beidseits dieser schwarzen Linie befindet sich jedoch dieselbe Luftmasse, sie weist denselben Taupunkt (=Feuchtegehalt) auf. Die Kaltfront trennt somit nicht mehr kühle von warmer Luft, sondern bloss noch trockenere von sehr feuchter Luft. Das ist der Grund, warum im Bereich zwischen Konvergenz und Kaltfront am Sonntag nur geringe Gewitteraktivität auftritt und die Kaltfront in erster Linie nur noch kräftigen Regen bringt.

Gewittervorschau 23.-29.08.2013

Auch Waschküchenwetter kann seinen Reiz haben

Auch Waschküchenwetter kann seinen Reiz haben

Das uns bevorstehende Muster könnte man als typische Aprilwetterlage bezeichnen. Eigentlich stimmt alles: Der Sonnenstand (entspricht derzeit jenem von Mitte April) wie auch die stetig vom Nordmeer Richtung Alpen abtropfenden Tröglein. Einzig die Höhenkaltluft weist zum Ende des Sommers ungefähr 10 Grad mehr auf als im April, was aber in Bezug auf die Labilität durch die höhere Boden- und Wassertemperatur teilweise ausgeglichen wird. Statt Schnee- und Graupelschauer sind somit niederschlagsintensive Schauer und Gewitter zu erwarten.

Heute Freitag zieht ein erster schwacher Randtrog über die Alpen hinweg ostwärts. Das Timing ist im Tagesgang für Gewitterentwicklungen ungünstig, am Nachmittag und Abend befindet sich der Trog bereits so weit im Osten, dass sich lokale Schauer und Gewitter auf die Ost- und Südalpen konzentrieren. Allenfalls können in der west-nordwestlichen Höhenströmung Entwicklungen vom Schwarzwald in Richtung Nordostschweiz ziehen, allzu stark dürften diese aber nicht ausfallen.

Am Samstag beschäftigt uns die markante Kaltfront eines Tiefs mit Zentrum über den Benelux-Ländern. Der Vormittag dürfte noch weitgehend sonnig werden, sodass sich die Luft noch mal auf sommerliche Werte erwärmen kann, besonders in der Ostschweiz. Um die Mittagszeit erreicht die Kaltfront den Jura und zieht in der Folge wahrscheinlich recht zügig über die Schweiz hinweg nach Osten. Dabei können kräftige Gewitter mit Sturmböen auftreten und hohe Regenmengen in sehr kurzer Zeit sind wahrscheinlich, während die Hagelgefahr zumindest was grössere Kaliber betrifft eher geringer einzustufen ist. Im Mittelland wird sich die Lage wahrscheinlich zum Abend hin rasch beruhigen, besonders am östlichen Alpennordhang ist aber noch länger mit teils intensivem Regen zu rechnen.

Ab Sonntag beginnt der Eiertanz mit einem Höhentief ziemlich genau über der Schweiz und mehreren Bodentiefs, welche den Kaltlufttropfen im Gegenuhrzeigersinn umkreisen:

Boden- und Höhendruckkarte für Sonntagmittag

Boden- und Höhendruckkarte für Sonntagmittag

Diese Konstellation macht eine genaue Prognose bezüglich Schwerpunkt der Schauertätigkeit und zeitlichen Abläufen nahezu unmöglich. Klar ist: Der Kaltlufttropfen dürfte sich bis Dienstag nur unwesentlich verlagern und somit für sehr unbeständiges Schauerwetter besorgt sein. Je nach Länge der Sonnenfenster tagsüber kann es dabei auch zu Gewittern kommen. Abends und nachts dürfte es jeweils deutlich ruhiger werden.

Wie geht es zur Wochenmitte weiter? Das Zünglein an der Waage spielt eine Schwachstelle in der Hochdruckbrücke, die sich von den Azoren über die Britischen Inseln bis nach Nordrussland erstreckt. Bleibt diese Schwachstelle bestehen, kann wie bei einem undichten Wasserhahn immer wieder Höhenkaltluft in Richtung Alpen abtropfen. Einzelne Modelle haben den Klempner bestellt und lassen den  tropfenden Hahn abdichten, das derzeit wahrscheinlichere Szenario geht aber von einem weiteren Abtropfen am Mittwoch und dann wieder zum Wochenende aus. Hier gibt es aber ebenfalls noch mehrere Möglichkeiten, je nachdem ob sich die Schwachstelle noch etwas nach Osten verlagert oder in der für uns ungünstigen Position über der Nordsee verbleibt.

Mögliche Grosswetterlage am Mittwoch, markiert ist die wahrscheinliche Zugrichtung weiterer Kaltlufttropfen durch die Schwachstelle in der Hochdruckbrücke

Mögliche Grosswetterlage am Mittwoch, markiert ist die wahrscheinliche Zugrichtung weiterer Kaltlufttropfen durch die Schwachstelle in der Hochdruckbrücke

Gewittervorschau 16. – 22.08.2013

Fotogene nachtgewitter waren diesen Sommer dünn gesät. Sammelfoto einer Reihe von Blitzen über Muri AG, 09.07.2013. Foto: Willi Schmid

Fotogene Nachtgewitter waren diesen Sommer dünn gesät. Sammelfoto einer Reihe von Blitzen über Muri AG, 09.07.2013. Fotos: Willi Schmid

Das Ende der wunderschönen, wolkenlosen und angenehm warmen Spätsommertage ist in Sicht. Ab heute Abend greift die atlantische Westwinddrift wieder weiter nach Süden aus und wird uns mit einer Reihe von wenig aktiven Wellenstörungen beglücken. Der Witterungscharakter bleibt bis inklusive Sonntag freundlich und mässig warm. Allerdings werden variable Wolkenfelder immer wieder die Sonne verdecken, und gelegentlich sind einige Regenspritzer, vielleicht sogar das eine oder andere kleine Gewitter, nicht ausgeschlossen.

Das heute noch wetterbestimmende Hoch zieht langsam nach Osten ab. Damit verflacht sich die Druckverteilung. Für starke Gewitterentwicklungen fehlt aber der über Westeuropa weit nach Süden ausgreifende Höhentrog. Dieser Trog führt normalerweise zur Zufuhr von Bodenfeuchte aus dem westlichen Mittelmeerraum, welche dann die Gewitterentwicklung begünstigt. Zudem nimmt nun die Sonneneinstrahlung von Tag zu Tag ab, und damit verliert auch der thermische Gewitterauslöser an Kraft. In der westlichen, an Stärke allmählich zunehmenden Höhenströmung sind mehrere Wellenstörungen eingelagert, welche temporär für günstige Hebungsverhältnisse sorgen. Für Gewitter braucht es bei dieser Konstellation ein optimales Timing, da diese Wellenstörungen immer auch von Wolkenfeldern begleitet sind, welche die Sonne abdecken. Ideal wäre eine ungestörte Sonneneinstrahlung tagsüber, kombiniert mit dem Durchzug eines Hebungsgebietes am späten Nachmittag und Abend.

Diese Konstellation ist heute Freitag noch am klarsten gegeben. Einzelne Gewitter sind somit am späten Nachmittag und am Abend in den Bergen nicht ausgeschlossen. Weitere Wellenstörungen folgen am Samstag (siehe Prognosekarte GFS am Artikelende) und am Sonntag, leider vorwiegend tagsüber. Damit dürfte betr. Gewitter nicht viel passieren. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen, so möglicherweise morgen Nachmittag ganz im Osten, und dann auch am Sonntagabend, falls tagsüber die Sonne nochmals gut einheizen kann. Der Sonntagabend wäre nicht uninteressant, weil die Höhenströmung zunimmt und damit auch die Scherbedingungen für rotierende Gewitterzellen besser werden. Am Montag rückt die Kaltfront ebenfalls zu ungünstiger Tageszeit an, vielleicht reicht es für den einen oder anderen elektrischen Kaltluftschauer auf der Rückseite der Kaltfront.

Mit der Kaltfront wird ein Schwall kühlerer Atlantikluft unser Land aus Nordwesten überschwemmen und damit wohl die erste herbstlich anmutende Witterungsperiode einleiten. Diese kühlere Luft gerät zwar rasch wieder unter Hochdruckeinfluss, das Hochzentrum scheint aber längere Zeit über der Nordsee steckenzubleiben. Damit ist Bise angesagt, und beim aktuell sinkenden Sonnenstand bedeutet dies eine Zunahme der ach so sattsam bekannten langweilig-grauen Hochnebelfelder, die Killer der Sonnenwärme schlechthin. Für Gewitter ist da kein Platz mehr in Sicht, damit könnte diese Vorschau auch die letzte des aktuellen Sommers werden.

Vorherswagekarte des GFS-Modells, Vorticityadvektion 300 hPa. Quelle: wetter3.de

Vorherswagekarte des GFS-Modells, Vorticityadvektion 300 hPa. Quelle: wetter3.de

Gewittervorschau 26.07.-01.08.2013

In der bisherigen Saison Mangelware: Nachtgewitter könnten Sonntagnacht verbreitet auftreten

In der bisherigen Saison Mangelware: Nachtgewitter könnten Sonntagnacht verbreitet auftreten

Nach der erfolgten Umstellung von Nordost- auf Südwestlage in den vergangenen Tagen ist das Potenzial für heftige Gewitter markant gestiegen. Bis Samstag und dann ab Dienstag wieder bremst Hochdruckeinfluss die Gewittertätigkeit, vereinzelte Hitzegewitter kann man aber an keinem Tag (am ehesten noch am Dienstag) gänzlich ausschliessen. Sehr spannend gestaltet sich der Kaltfrontdurchgang von Sonntag auf Montag.

Am Freitag und Samstag liegt ein Höhenkeil über Mitteleuropa, seine Achse befindet sich allerdings bereits leicht östlich der Schweiz. Somit sind vereinzelte, aber durchaus kräftige Hitzegewitter zu erwarten. Am Freitag liegt der Schwerpunkt noch auf der Linie Jura-Schwarzwald, am Samstag dürften eher die Alpen betroffen sein.

Bereits in der Nacht auf Sonntag sind im Jura erste kräftige Gewitter möglich, dies aufgrund der weiteren Verschiebung des Höhenkeils nach Osten und der Annäherung eines Höhentrogs aus Westen. Die Luft ist zudem extrem energiegeladen, was sich durch schwüle Hitze bereits am Samstag bemerkbar macht. In der Nacht auf Sonntag dürfte es vielerorts eine Tropennacht (Tiefstwert nicht unter 20 Grad) geben.

Am Sonntag nähert sich von Frankreich her langsam eine Kaltfront. Die Verlagerungsgeschwindigkeit und die Eigendynamik der auf der Vorderseite der Front auftretenden Gewitter sind auch zwei Tage vor dem Ereignis immer sehr schwer einzuschätzen, ein genauer Fahrplan der Entwicklung meist nur sehr kurzfristig zu bestimmen. Aufgrund des enormen Unwetterpotenzials empfehlen wir daher, regelmässig den Wetterbericht unter dem Radarbild von meteoradar zu konsultieren, eine vertiefte Diskussion zur Lage findet zudem im Sturmforum statt.

Extrem energiereiche Luft am Sonntagabend im Alpenraum, über Frankreich nähert sich die Kaltfront

Extrem energiereiche Luft am Sonntagabend im Alpenraum, über Frankreich nähert sich die Kaltfront

Die Erfahrung mit ähnlichen Wetterlagen lässt mehrere Szenarien zu. Zwei davon sind wahrscheinlich:

– Der für die Jahreszeit relativ starke Südföhn lässt in der Osthälfte der Schweiz kaum Gewitterentwicklungen tagsüber zu. Die Hauptaktivität geht vom Jura aus, wo sich aufgrund der starken Höhenströmung aus Südwest Schwergewitter mit Grosshagel und Sturmböen entwickeln, die wiederholt den Juranordfuss erreichen. Auch von den Savoyer- und Waadtländer Alpen ausgehend können heftige Gewitter ins westliche Mittelland ziehen.

– Die Hauptaktivität liegt sehr früh bereits in Ostfrankreich und induziert eine zusammenhängende Gewitterlinie, mitunter auch eine Squall-Line. Von ihr ausgehend kann bodennah ein starker Ausfluss kühler Luft über den Jura strömen und am Jurasüdfuss einen Joran-Sturm auslösen. Die damit verbundene Gewitteraktivität wäre eher moderat, die Hauptgefahr geht vom Windereignis aus.

In beiden Fällen dürfte die Kaltfront bzw. eine vorlaufende Konvergenzlinie die östliche Hälfte der Schweiz erst spät abends oder in der Nacht erreichen. Die Heftigkeit des Ereignisses hier hängt wiederum stark von der vorausgehenden Entwicklung tagsüber weiter westlich ab. Die Gefahr von Starkregen, Hagel und Sturmböen ist auf jeden Fall im Auge zu behalten und kann sich unter Umständen bis in den Montag hinein ziehen. Nach den aktuellen Unterlagen dürfte die Kaltfront zumindest verbreitet den von der Natur sehnlichst erwarteten Regen bringen, wobei sich die Lage am Montag in der zweiten Tageshälfte von Westen her allmählich beruhigt.

Am Dienstag macht sich von Westen her bereits wieder Hochdruckeinfluss bemerkbar, vereinzelte Restschauer dürften sich auf die östlichen Alpen beschränken. Die Temperaturen liegen im angenehmen sommerlichen Bereich. Am Mittwoch und Donnerstag steigt die Temperatur wieder an, der Sonnenschein überwiegt und die Gewitterneigung ist eher gering.

Der Sturm in Biel – Teil 2: Interpretation des Radarbildes um 17:55 Uhr

Zoombild Donnerradar, Region Biel um 17:55 Uhr. Details siehe Text. Quelle: meteoradar

Zoombild Donnerradar, Region Biel um 17:55 Uhr. Details siehe Text. Quelle: meteoradar

Als Ergänzung des Blogs vom 21.6. soll aus aktuellem Anlass versucht werden, die kurzfristigen Wetterrisiken für die Region Biel aus den um 17:55 Uhr zur Verfügung stehenden Radarbild-Information abzuschätzen. Hierzu werden zwei Bildquellen verwendet:
a) das Schlussbild „Donnerradar 3D“ des Blogs vom 21.6.
b) das Zoombild „Donnerradar Zoom“ dieses Blogs.

Aus der Zugrichtung und der Geschwindigkeit des Systems kann der ungefähre Zeitpunkt abgeschätzt werden, wann das System den Standort Biel mutmasslich überqueren wird. Dies dürfte um etwa 18:25 Uhr der Fall sein (dicke rote Querlinie). Die Bewegung des Systems ist mit dicken roten Längslinien markiert. Die dünnen Längslinien zeigen die allfällige Abweichung des Systems nach links oder nach rechts, gegenüber der mutmasslichen Bewegungsrichtung. Gemäss dieser einfachen Extrapolation kann man folgern, dass das Sturmzentrum, die rot eingefärbte Region, knapp westlich an Biel vorbeiziehen dürfte. Die rechte Ecke kann – muss aber nicht – den Standort Biel treffen. Superzellen mit zyklonaler Aufwindrotation (um eine solche handelte es sich im vorliegenden Fall ohne Zweifel) generieren die stärksten Wetterrisiken normalerweise am rechten Rand der auf dem Radar erfassten Starkechozone. In unserem Fall kann genau diese Zone die Region Biel treffen oder kanz knapp westlich vorbeischrammen.

Im folgenden werden die Wetterrisiken kommentiert, welche im Gefolge einer Superzelle auftreten können.

Risiko Blitzschlag
Es dürfte unbestritten sein, dass mit Blitz und Donner gerechnet werden muss. Die kleinen rot/orange/gelben Quadrätchen zeigen die Blitzentladungen in einem Zeitfenster von 5 Minuten. Es ist aber unmöglich vorauszusehen, wo und wann der Blitz allenfalls einschlagen kann. Das Risiko für einen festen, eng begrenzen Standort dürfte sogar sehr klein sein – sonst würde es zu viel mehr Zwischenfällen durch Blitzschlag kommen. Trotzdem wäre es verfehlt, diesem Risiko keine Beachtung zu schenken. Tragische Beispiele aus der Vergangenheit gibt es mehr als genug.

Risiko Hagel
Dieses Risiko muss als erheblich eingeschätzt werden. Es ist auch grosser, schadensträchtiger Hagelschlag möglich, vor allem deshalb, weil die Hagelzone in der Gewitterwolke bis 12 km hochreicht (siehe vorangehender Blog). Die rote Farbe im Radarecho gibt gute Hinweise, wo Hagelschlag auftreten kann. Es ist aber zu bedenken, dass sich die Hagelgefahr in den 30 Minuten bis zum vermuteten Eintreffen des Gewitters noch ändern kann, z.B. durch Abschwächung oder auch durch nochmalige Verstärkung des Gewitters.

Risiko Starkregen
Eine Superzelle kann extrem viel Regenwasser generieren, welches in kürzester Zeit, zusammen mit schmelzendem Hagel, zu lokalen Überflutungen führen kann.

Risiko Sturmböen
Dies ist bestimmt das relevante Risiko, zugleich aber auch das am schwierigsten einschätzbare. Sturmböen können auf der ganzen Breite einer Gewitterfront daherkommen, ebenso häufig sind aber lokale Sturmzentren und Variationen der Sturmstärke auf kleinsten Räumen. Downbursts/Tornados sind mögliche Begleiter von Superzellen. Es gibt Superzellen, welche kaum Sturmböen produzieren. Dies dürfte öfters in der Anfangsphase der Lebensgeschichte einer Superzelle der Fall sein. Mit zunehmender Lebensdauer steigt das Risiko für Sturmböen an, da die Abwinde stärker werden. Diese können auch zunehmend dem Niederschlagszentrum vorauslaufen und so deutlich früher als der Niederschlag an einem festen Ort eintreffen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Superzellen ein sehr hohes Risikopotenzial für Hagel, Starkregen, Sturmböen, Downbursts und Tornados in sich bergen. Der Wetterradar ist ein unverzichtbares Hilfsmittel geworden, um Superzellen rechzeitig zu erkennen, ihre mutmassliche Zugbahn abzuschätzen und so die möglichen Risiken räumlich und zeitlich einzugrenzen. Es versteht sich von selbst, dass ein hohes Fachwissen mit zuverlässigen und rasch verfügbaren Daten und Modellen in kürzester Zeit kombiniert werden muss, um dem Bedarf nach einer robusten Risikoabschätzung in Echtzeit gerecht zu werden. In diesem Artikel konnte nur ein Teil der Aspekte angesprochen werden, welche bei diesem Problemkomplex eine Rolle spielen. Im Zweifelsfall dürfte der folgende Grundsatz am ehesten dem Bedürftnis nach Sicherheit gerecht werden:

Besser 100mal zu früh als 1mal zu spät einen sicheren Ort aufsuchen.

Der Sturm in Biel, 20.6.2013 – eine Betrachtung aus Sicht des Wetterradars

Sequenz des Schweizer Radar-Komposits zwischen 20 und 20 Uhr am 20.6.2013. Quelle: meteoradar/Meteoschweiz

Sequenz des Schweizer Radar-Komposits zwischen 20 und 20 Uhr am 20.6.2013. Quelle: meteoradar/Meteoschweiz

Am 20.6., ca. 20 Minuten nach sechs wütete über dem Gelände des Eidg. Turnfestes ein Sturm, welcher Zelte aus der Verankerung riss und wie Papierschnipsel durch die flüchtenden Besucher jagte. Knapp 40 Verletze und hoher Sachschaden waren die Folge. Es war schon der zweite Sturm innert Wochenfrist. Wie kam es zu dem Sturm? War der Sturm überhaupt vorhersehbar? Wir meinen ja, anbei eine Betrachtung aus der Sicht des Wetterradars.

Die Wetterlage war eindeutig. Allenthalben wurden heftige Gewitter erwartet, die Wetterdienste überboten sich gegenseitig mit der Ausgabe von Gewitter-, Hagel- und Sturmwarnungen. Der Bieler Sturm wurde von einem lokalen Gewitter ausgelöst, welches im Jura aus SW ganz knapp am Neuenburger- und Bielersee vorbeischrammte. Dieses Gewitter begann seine Laufzeit weit südlich des Genfersees, um etwa 13:20 Uhr in der Nähe von Grenoble. Mit 60 km pro Stunde nahm das Gewitter seine Zubahn Richtung Norden, später Nordosten, in Angriff. Das westliche Genferseebecken wurde getroffen, und weiter ging die Reise durch den Jura bis in die Region von Basel, wo die Gewitterzelle um 20 Uhr ihre kompakte Eigenständigkeit verlor. Die Zugbahn des Gewitters ist im ersten Bild des angefügten Radarloops eingezeichnet. Nach 10 Sekunden startet der Bildloop, und man kann leicht erkennen, wie sich die Form und Stärke der Zelle auf ihrer Zugbahn laufend veränderte. Der Loop wird nur sichtbar nach Mausklick auf das kleinere Vorschaubild.

Die grösste Stärke erreichte die Zelle erst gegen Ende ihrer Lebensdauer. Kurz vor 18 Uhr befand sich der Mocken etwa auf der Höhe von Neuchàtel, siehe das Radarbild am Schluss dieses Artikels. Auf breiter Front – etwa 40 km – rauschte das Gewitter heran. Der Hagelkanal (rote Farbe) war zu diesem Zeitpunkt etwa 12 km hoch – in unseren Breiten eine selten erreichte Höhe. In der Folge schwächte sich das Gewitter leicht ab, auch die Höhe des Hagelkanals wurde geringer. Es ist anzunehmen, dass auch der Aufwind zu diesem Zeitpunkt schwächer wurde. Als Folge davon dürfte sich geballe Ladung von Wasser und Eis in der Wolke entleeren. Luft wird mitgerissen und am Boden umgelenkt. Sturmböen am Boden sind unvermeidbar. Wenn eine Gewitterfront auf einer Breite von 40 km daherkommt, dann dürften viele im Bereich dieser Front die gewaltigen Stumwinde zu spüren bekommen.

Deutlicher kann sich ein gefährliches Gewitter kaum ankündigen. Die Besucher der Veranstaltung wurden anscheinend von den Sturmböen völlig überrascht. 15 Minuten zuvor wäre eine rechtzeitige Evakuierung des Geländes möglich gewesen. Die Vorzeichen des Sturms waren überdeutlich, wenn nicht schreiend. Wir beschliessen diesen Blog mit der Wiedergabe unserer Warntexte, welche heute gegen Abend auf der Homepage www.meteoradar.ch erschienen sind.

– 16:03 Uhr: Aus Westen allmählich starke Gewitter, örtlich mit Hagel, Sturm und Sturzfluten.

– 17:18 Uhr: Zur Zeit sehr gefährlicher Gewittersturm im Jura, Höhe Neuenburgersee. Zugrichtung NE.

– 18:20 Uhr: Zur Zeit sehr gefährlicher Gewittersturm im Jura, Höhe Bielersee. Zugrichtung NE.

Radarbild kurz vor 18 Uhr. Quelle: meteoradar / MeteoSchweiz

Radarbild kurz vor 18 Uhr. Quelle: meteoradar / MeteoSchweiz

Gewittervorschau 13. – 20.06.2013

Vorhersagekarte Boden/500 hPA des GFS Modells, gültig for den 13.6. 20 Uhr Lokalzeit. Quelle: wetter3.de

Vorhersagekarte Boden/500 hPA des GFS Modells, gültig for den 13.6. 20 Uhr Lokalzeit. Quelle: wetter3.de

Aus aktuellem Anlass erscheint diese Gewittervorschau etwas früher als üblich. Für heute Donnerstagabend wird der rasche Durchzug einer aktiven Kaltfront erwartet, begleitet von Gewittern mit Sturmböen. Allerdings herrscht auch zum jetzigen Zeitpunkt einige Unsicherheit über die Stärke und das Unwetterpotenzial der erwarteten Gewitter.

Für den Wetterumschwung ist ein Kurzwellentrog verantwortlich, welcher auf der Ostflanke eines umfangreichen Kältepools über dem Atlantik für einmal nicht ins Mittelmeer abtropft, sondern rasch über Frankreich/Deutschland nach Nordosten zieht und dabei unser Land streift. Auf der Vorderseite sind heute die Temperaturen im Flachland auf sommerliche Werte über 25 Grad angestiegen. Die Taupunkte sind mit Spitzenwerten knapp über 15 Grad nicht gerade berauschend, aber durchaus im Bereich, welcher kräftige Gewitter zulässt.

Die Vorhersagekarte Boden/500 hPa des GFS Modells für heute 20 Uhr zeigt an, dass die Bodenfront in den frühen Abendstunden durchzieht, siehe die orange Linie in der beigefügten Grafik. Die einfliessende Rückseitenluft ist sehr seicht und wird zunächst weiter von der tagsüber aufgeheizten Luftmasse überlagert. Der nachfolgende Hochdruckkeil rückt rasch aus Westen vor und dürfte die erwartete Gewittertätigkeit wieder dämpfen. Aufgrund der raschen Zuggeschwindigkeit des durchziehenden Troges ist mit einer raschen Verlagerung der von Westen aufziehenden Schauer und Gewitter zu rechnen. Allerdings ist das Timing und die Stärke der aufziehenden Gewitter auch im jetzigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen. Wir verweisen hierzu auf die aktuelle Diskussion im Schweizer Sturmforum, www.sturmforum.ch. Es scheint aber gut gesichert, dass plötzlich auftretende kräftige Windböen ein Thema sind. Diese können örtlich auch Sturmstärke erreichen. Vorsicht also bei Aufenthalten im Freien. Die Windböen können den Niederschlägen vorauseilen und so praktisch ohne Vorwarnung eintreffen. Im Laufe der Nacht dürfte sich die Lage dann überall bei ausklingenden Niederschlägen beruhigen.

Bis Sonntag verbleibt unser Land am Rand einer kräftigen Höhenströmung aus SW bis Wêst. Es wird ein meist freundlicher und mässig warmer Witterungscharakter erwartet, mit einer geringen Neigung zu einzelnen Schauern, wobei gelegentlich Blitz und Donner nicht ganz ausgeschlossen sind. Zu Wochenbeginn rollt dann direkt aus Süden die erste hochsommerliche Hitzewelle auf uns zu. Bei zunehmender Föhntendenz dürften sich im Tagesgang einzelne Hitzegewitter vor allem über den Bergen im Westen entwickeln. Etwa ab Mittwoch dürfte die Gewitterneigung auf der Vorderseite eines von Spanien her nachrückenden Troges markant zunehmen, bevor dann Donnerstag oder Freitag erneut ein Wechsel zu kühlerem und nassem Trogwetter stattfinden könnte. Wie üblich, ist diese Einschätzung im jetzigen Zeitpunkt mit erheblichen Unsicherheiten verbunden.

 

 

Hochwasser- und Gewittervorschau 31.05.-07.06.2013

Erwartete Niederschlagssummen nach GFS bis Sonntagabend

Erwartete Niederschlagssummen nach GFS bis Sonntagabend

Wie bereits vor einer Woche angekündigt, stellt sich an diesem Wochenende eine sehr nasse Wetterlage ein, diesmal besonders für die Alpennordseite. Grund dafür ist die im Gegenuhrzeigersinn um ein mitteleuropäisches Tiefdruckgebiet herumgeführte Luftmasse mit Ursprung aus der Schwarzmeerregion. Diese ist nicht nur sehr feucht, sondern auch mild und lässt die Schneefallgrenze ansteigen. Gewitter spielen dabei kaum eine Rolle, im Zuge einer allmählichen Erwärmung gekoppelt mit einer Flachdrucklage werden sie erst ab der Wochenmitte wieder zum Thema.

Vorerst haben wir aber mal eine potenziell gefährliche Hochwasserlage auszustehen. Die aus östlicher bis nördlicher Richtung aufziehende Luftmasse enthält sehr viel ausfällbares Wasser, was beim Auftreffen auf Hindernisse wie Schwarzwald, Jura und Alpen zu ergiebigen Niederschlägen führt. Dabei steigt die Schneefallgrenze im Verlauf des Freitags auf 2000 bis 2400 m und somit in Gebiete, wo zum Teil noch beträchtliche Schneemengen liegen, welche das Regenwasser nur kurzfristig binden können. Schmelzwasser verstärkt somit den Abfluss der ohnehin ergiebigen Niederschläge zusätzlich. Vor allem bei regional schauerartig verstärkten, mitunter sogar gewittrig durchsetzten Starkregenfällen sind Nassschneelawinen, Hangrutschungen und Murenabgänge zu erwarten. Überflutungen an Bächen und an den Oberläufen sind in den betroffenen Gebieten bei diesen Bedingungen so gut wie sicher, die Hochwassergefahr steigt aber zum Ende des Ereignisses auch entlang der Unterläufe, zumal die Böden auch in den Niederungen gesättigt sind. Die genaue Verteilung und die Mengen werden derzeit von den Wettermodellen noch unterschiedlich berechnet, die Entwicklung der Läufe im Verlauf des Donnerstags haben aber die Regenmengen tendenziell etwas zurückgenommen, bzw. nach Osten verschoben. Der Schwerpunkt der Niederschläge dürfte zwischen Freitag früh und Samstagnacht aber entlang des zentralen und östlichen Alpennordhangs fallen. Die laufend aktualisierte Diskussion dazu kann im Sturmforum verfolgt werden.

Im Lauf des Sonntags macht sich aus Westen der Einfluss des Azorenhochkeils bemerkbar, der sich zu den Britischen Inseln ausdehnt und sich in der Folge dort zu einem eigenständigen Hoch abspaltet. Dieses führt bis Dienstag aus nördlicher Richtung kühlere, aber allmählich auch trockenere Luft zu den Alpen. Mit Bise ist es an beiden Tagen für die Jahreszeit zu kühl, obwohl die kräftige Junisonne die Luft tagsüber erwärmt. Am durchnässten Alpennordhang ist jedoch mit hochnebelartiger Bewölkung zu rechnen, die sich vor allem am Montag mitunter zäh halten und die Erwärmung noch verzögern kann.

Zur Wochenmitte setzt sich die Erwärmung der Luftmasse fort, welche bei flacher Druckverteilung und unter kräftiger Sonneneinstrahlung die mehr als zur Genüge vorhandene Bodenfeuchte aufnimmt. Auch die aus Nordosten zugeführte Luftmasse wird allmählich wieder feuchter und etwas wärmer, womit die Gewitterneigung von Tag zu Tag zunimmt. Nach GFS ist auch eine „Sandwichlage“ zwischen einer sich aufbauenden Südwestströmung von Frankreich her und der oben erwähnten Nordostströmung denkbar. Insbesondere am Donnerstag und Freitag besteht die Gefahr von recht verbreiteten, mitunter kräftigen Gewittern mit Starkregen, die sich aufgrund fehlenden Höhenwindes kaum verlagern und somit ihre nasse Fracht über längere Zeit im selben Gebiet abladen können. Die Hauptgefahr liegt bei lokalen Überflutungen und weiterer Destabilisierung der bereits durchnässten Böden, womit Hangrutschungen und Murenabgänge weiterhin ein Thema bleiben dürften.

Die energiereiche Luft am Donnerstag in Mitteleuropa ist weitgehend hausgemacht

Die energiereiche Luft am Donnerstag über Mitteleuropa ist weitgehend hausgemacht

Gewittervorschau 24.-31.05.2013

Schnee statt Gewitter: Der Frühsommer ist in weiter Ferne

Schnee statt Gewitter: Der Frühsommer ist in weiter Ferne

Wir können es auch diese Woche relativ kurz machen: Die anhaltende Zufuhr von Polarluft aus dem Raum Grönland/Island bringt zu wenig Energie in unsere Atmosphäre, um kräftige Gewitter entstehen zu lassen. Am ehesten sind an Kaltfronten sowie auf den labilen Rückseiten vereinzelte Entladungen denkbar. Hier der (noch recht unsichere) Fahrplan für die nächsten 8 Tage:

Freitag/Samstag: Typisches Aprilwetter mit teils kräftigen Schauern vornehmlich in der zweiten Tageshälfte. Graupel, Blitz und Donner sind hier und da zu erwarten, viel interessanter ist aber die tiefe Schneefallgrenze zwischen 800 und 1200 m, die in den Nacht- und frühen Morgenstunden auch tiefer sinken kann. Entlang des zentralen und östlichen Alpennordhangs sind auch länger anhaltende Niederschläge mit – je nach Intensität – Schnee bis in die Tallagen denkbar.

Sonntag bis Montagmittag: Aus Norden (!) nähert sich eine Warmfront mit flächigem Regen, dabei wird die verbleibende Kaltluft in den tiefen Luftschichten an der Alpennordseite eingeklemmt. Es bleibt wahrscheinlich trüb, nass und für die Jahreszeit deutlich unterkühlt.

Montag/Dienstag: Kurzer Zwischenhocheinfluss. Die Höhenströmung dreht am Dienstag auf Süd, in den Alpen wird es föhnig. Bereits am Dienstagnachmittag rückt jedoch aus Westen eine neue Kaltfront auf. Vorausgesetzt das tageszeitliche Timing stimmt, ist die Wahrscheinlichkeit für präfrontale Gewitterentwicklungen vom Berner Oberland über das Napfgebiet bis ins Zürcher Oberland recht hoch, die mit süd-südwestlichem Höhenwind ins Mittelland hinausziehen dürften.

Die Kaltfront am Dienstagmittag über der Westschweiz (Quelle: www.wetter3.de)

Kaltfront am Dienstagmittag über der Westschweiz und warme Föhnblase über den Ostalpen (Quelle: www.wetter3.de)

Mittwoch/Donnerstag: Wir befinden uns erneut in labil geschichteter Polarluft. Rückseitenschauer, vereinzelt auch mit Blitz und Donner dürften verbreitet auftreten.

Tendenz für Freitag und das Wochenende: Erneut zieht wie bereits am Sonntag eine Warmfront aus Norden auf. Sie dürfte eine allmähliche Erwärmung aufs Wochenende einleiten, unter Tiefdruckeinfluss wird die ganze Sache allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit recht nass vonstatten gehen.

Gewittervorschau 17.5. – 24.5.2013

Karte der vorausberechneten Regensummen Freitag bis Montag, GFS-Modell. Quelle: wetter3.de

Karte der vorausberechneten Regensummen Freitag bis Montag, GFS-Modell. Quelle: wetter3.de

Die Wetteraussichten für die kommenden Tage können mit folgenden Worten kurz umschrieben werden: Regen ja, aber kaum Gewitter. Die erwarteten Regenmengen sind in der Tat beeindruckend, vor allem südlich der Alpen: bis zu 150 mm im Tessin, und sonst verbreitet, wenn auch nicht überall, mehr als 50 mm. Trübe Aussichten also für die Pfingsttage, und da und dort auch Hochwassergefahr.

Die Grosswetterlage wird weiterhin durch ein ortsfestes Höhentief über Spanien bestimmt. Diverse Wellenstörungen umkreisen das Tief im Gegenuhrzeigersinn und treffen so aus Süden auf die Alpen. Eine solche ist für das aktuelle Regenwetter verantwortlich. Hinter dieser Störung wird am Samstag der Föhneinfluss nördlich der Alpen nochmals zunehmen, bevor dann am Sonntag die nächste Schlechtwetterwelle durchzieht. Zu Wochenbeginn schwächt sich das Höhentief allmählich ab und mutiert zu einer gestreckten Tiefdruckrinne, deren Achse in der Nähe unseres Landes verbleibt. Die Druckverteilung wird flach, die verbleibende Kaltluft wird von Tag zu Tag langsam aufgeheizt, und um die Wochenmitte könnte sich dann vorübergehend leichter Hochdruckeinfluss durchsetzen, bevor sich rechtzeitig aufs kommende Wochenende hin ein neuer Trog von Westen nähert.

In diesem Fahrplan sind Gewitter bis zur Wochenmitte wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Am ehesten besteht ein geringes Gewitterrisiko zu folgenden Zeiten:
– Heute Freitagabend in postfrontalen Kaltluftschauern im Jura oder ganz im Osten.
– Samstagabend oder in der Nacht zum Sonntag, vor Eintreffen der nächsten Regenfront
– Am Sonntagnachmittag vereinzelt in postfrontalen Kaltluftschauern
– Montag bis Mittwoch bei Tagesgangwetter jeweils in der zweiten Tageshälfte, zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer abschätzbar.

Gegen Ende der kommenden Woche deuten die aktuellen Vorhersagekarten des GFS-Modells das Näherrücken eines flachen Tiefdrucktroges aus Westen an. Auf der Vorderseite könnte dann die Gewitterneigung in frühsommerlicher und zunehmend feuchter Warmluft deutlich ansteigen. Eine völlig andere Variante offeriert das aktuelle EZ-Modell. Der Alpenraum würde in der 2. Wochenhälfte in eine frische NW-Strömung geraten. Die Alpensüdseite wirds freuen, im Norden würde die kühl-trübe und gewitterarme Witterungsperiode weiter andauern.