Gewittervorschau 03./04.06.2020: das erste Sommerintermezzo

Gerne würden wir an dieser Stelle die Saison mit einer Gewittervorschau für die ganze Woche eröffnen, doch dieser Frühling/Frühsommer will einfach nicht so richtig in die Gänge kommen. Nach der gefühlt zweimonatigen Bisenlage dreht der Wind zwar kurzzeitig auf West bis Südwest, die nächste Klatsche aus Grönland folgt aber auf dem Fuss. Man kann die kommende Gewitterlage also durchaus als Ein(einhalb)tagesfliege bezeichnen. Keine ausbrechende Euphorie also in den Wetterbüros, zumal derzeit auch keine Grossanlässe vor Unwettern gewarnt werden müssen. Dieser Beitrag ist also vielmehr dazu gedacht zu zeigen, dass wir immer noch da wären, wenn es uns denn wirklich brauchen würde…

Die Titelkarte (sie lässt sich mit einem Klick in Originalgrösse anschauen) zeigt die grossräumige Lage mit den steuernden Druckgebieten und den Windströmungen in rund 5500 m Höhe am Mittwochabend. Auffällig ist die Situation auf dem Nordatlantik mit einer High-over-low-Lage: Blockierendes Hochdruckgebiet südwestlich von Island und Tiefdruckgebiet südlich davon über den Azoren. Über Osteuropa ist das alte Tief zu sehen, das uns seit Wochen zusammen mit dem inzwischen zur Barentssee vertschüssten Briten- bzw. Skandihoch die Bisenlage beschert hat. Eben dieses sich Verdrücken des alten Hochs öffnet Tür und Tor für einen Trog, der sich von Grönland her allmählich nach Westeuropa vorarbeitet und uns die schöne schwül-warme Südwestströmung gleich wieder abmurkst. Auch wenn die Windrichtung bei uns in den Folgetagen auf West oder Südwest verharrt, so handelt es sich dabei doch um nichts anderes als auf kleinem Umweg über die Biskaya gesteuerte Polarluft – der Gewitterkiller schlechthin. Das Ganze ein paar Kilometer weiter östlich auf direktem Weg wäre der Schafskälte-Klassiker bis Mitte Juni – ganz vom Tisch ist diese Variante noch nicht, wenn auch die Modelle in den letzten Läufen von diesem Szenario etwas abgerückt sind. Da wird aber noch etwas zu sehr hin- und hergehüpft, um daraus wirklich schlau zu werden.

Wir können es also kurz machen: Innert kürzester Zeit wird der Hochdruck über Mitteleuropa abgebaut, aus Nordwesten nähert sich der Trog und auf dessen Vorderseite bildet sich am Mittwoch in warmer Luft ein Bodentief:

Das ist jetzt noch nicht wirklich die hochsommerliche Gewitterluftmasse (eine solche wäre rot in der Karte), aber immerhin reicht es mithilfe von zunehmendem Tiefdruckeinfluss, optimalen Windverhältnissen und allmählicher Anfeuchtung vom Mittelmeer her für etwas Bewegung – man ist ja derzeit bescheiden. Jedenfalls fängt es bereits um die Mittagszeit zuerst über dem Jura, später auch über den Voralpen zu brodeln. Aus den zunächst unorganisierten Einzelzellen können aufgrund der Windscherung (zunehmender Südwestwind in der Höhe) durchaus schnell ziehende, langlebigere Gewitter mit einem gewissen Hagelpotenzial erwachsen. Alles in allem sieht es nach klassischen Jura- und Voralpenschienen aus, die sich bis in den Abend ziehen. Dabei ist es gut möglich, dass einzelne stärkere Jurazellen nach rechts ins Mittelland ausscheren. Etwas Hagel- und Sturmprävention an Haus und Garten ist also vor allem am Jurasüdfuss sicher nicht ganz falsch…

Ein zweiter Schub folgt in der Nacht auf Donnerstag im Zuge der Annäherung einer Kaltfront. Deren Geschwindigkeit wird darüber entscheiden, ob es am Donnerstag tagsüber zu weiteren Gewittern kommt. Derzeit stehen die Zeichen für den Vormittag/Mittag noch günstig, im Lauf des Nachmittags sickert aber mit Winddrehung auf West bis Nordwest bodennah kühlere Luft ein. Da gleichzeitig der Trog nicht weiter nach Osten vorankommt und die Höhenkaltluft über Frankreich verharrt (und in der Folge sogar wieder nach Norden zurückgedrängt wird), ist die Labilität für Gewitter bald nicht mehr ausreichend und es plätschert dann einfach gemütlich vor sich hin. Je nach Intensität des Regens und der daraus folgenden Niederschlagsabkühlung ist es durchaus möglich, dass am Freitagmorgen die höchsten Juragipfel etwas angezuckert werden – weiter landeinwärts gelangt die Kaltluft vorerst wohl nicht.

Der Rest ist dann schon sehr spekulativ: Weil das Trogresiduum als CutOff-Tief über den Britischen Inseln stehen bleibt, verbleibt die Schweiz am Wochenende in einer südwestlichen Strömung und immer nah an der Luftmassengrenze. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass uns mal kurzzeitig (derzeit sieht es am ehesten für Samstag danach aus) wieder wärmere Luftmassen erreichen, die noch mal für etwas Gewitterneigung sorgen können:

Wie eng es dabei zugeht, zeigt die sehr kühle Luftmasse über Nordwesteuropa. Von Gewitter bis Schneefall in mittlere Lagen ist daher am Wochenende eigentlich alles möglich:

Hoffnungsvoll feucht-warm sieht es mittlerweile hingegen zur Monatsmitte aus – allerdings noch zu weit weg, um als bare Münze genommen zu werden.

 

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