Gewittervorschau 12.-18.05.2017

„Im Mai, im Mai… ischt der April noch nicht vorbei!“ Dieser von Emil Steinbergers Bauernregeln abgewandelter Spruch zeigt dieses Jahr wieder mal seinen Wahrheitsgehalt. Am Mittwochmorgen noch vebreitet Boden- und lokal sogar Hüttenfrost, am Nachmittag mit viel Sonnenschein und einsetzendem Föhn über 20 Grad. Danach ein paar Tage Waschküchenwetter, bevor uns ein Hoch mit einer ersten stabilen frühsommerlichen Phase beschenkt, die – Vorsicht, Spekulation! – mit dem nächsten kalten Gruss aus dem Hohen Norden endet. Unser Hauptaugenmerk richtet sich auf das Gewitterpotenzial von Freitag bis Sonntag, das hoffentlich ausgeschöpft wird, nicht dass der diesjährige April dem Mai in Sachen Gewitterhäufigkeit noch den Rang abläuft. Immerhin war das erste Maidrittel 2017 in Bern im Schnitt knapp zwei Grad kälter als das erste Aprildrittel, was für weite Teile der Alpennordseite repräsentativ sein dürfte. Ist also zu hoffen, dass der diesjährige Trötzeli-Frühling zum Ende hin noch Vernunft annimmt, allzu viel Zeit bleibt ihm dazu nicht mehr…

Zum Verständnis der nachfolgenden Prognoseversuche ist ein einführender Blick auf die Grosswetterlage von Nutzen, hier anhand der Strömung in etwa 5500 m Höhe dargestellt:

Für Mitteleuropa in den nächsten Tagen wetterbestimmend ist ein über dem zentralen Nordatlantik liegender Tiefdruckkomplex, an dessen Südflanke eine auf die Alpen gerichtete südwestliche Höhenströmung zu erkennen ist. In dieser Strömung bilden sich kleine Verwellungen, auch Kurzwellentröge genannt, deren genaue Positionen und Ausprägungen wie immer schwierig vorherzusagen sind. Daher sollten wir uns besser nicht allzu sehr in die detaillierten lokalen Abläufe verbeissen wollen, ein derartiges Unterfangen ist bei solchen Lagen in der Regel zum Scheitern verurteilt. Interessant sind vielmehr die täglich in kleinen Details ändernden Voraussetzungen, welche das Gewitterpotenzial positiv oder negativ beeinflussen.

Am Freitag dreht die bodennahe Strömung von Süd-Südost auf Südwest, sodass sich der Föhn deutlich abschwächt und sich in die obersten Täler zurückzieht. Der abtrocknende Effekt, der heute Donnerstag noch gut gewirkt hat, entfällt somit. Die aus Südwesten herangeführte Luftmasse ist vom Energiegehalt nur als mässig einzustufen, wobei die Energie mehr auf die Feuchte als auf die Wärme zurückzuführen ist. Denn es handelt sich nicht etwa um subtropische Luft, was die Windrichtung vermuten lassen würde, sondern um gealterte, über dem Atlantik und der Iberischen Halbinsel erwärmte Polarluft, die von Norden her westlich des Tiefkomplexes nach Süden geführt wurde. Um das Gewitterpotenzial auszuschöpfen, ist die Luftmasse also auf die tägliche Erwärmung durch die Sonne angewiesen. Und da darf am Freitag aufgrund der recht dichten hohen und mittelhohen Bewölkung zumindest mal ein Fragezeichen in den Raum gestellt werden. Kommt hinzu, dass aufgrund der wiederholten Kaltlufteinbrüche der vergangenen drei Wochen in den Voralpen bis auf etwa 1500 Meter herab noch flächig eine Schneedecke vorhanden ist, welche hier die Erwärmung des Bodens und somit die Thermik hemmt. Die Hebung wird somit nicht in erster Linie orographisch unterstützt sein, sondern aus den schwer zu prognostizierenden synoptischen Hebungsfeldern angetrieben werden. Die diesbezüglichen Divergenzen in der Höhe sind vorhanden, nur wann und wo sie für die Gewitterauslöse ausreichend sein werden, ist kaum vorhersehbar. Jedenfalls ist in der zweiten Tageshälfte mit Schauern und Gewittern zu rechnen, die nicht in erster Linie über dem Relief entstehen, sondern spontan ohne ersichtlichen Grund auch über dem Mittelland. Aufgrund des Windprofils und der mässigen Labilität ist kaum mit organisierten Strukturen und heftigen Entwicklungen zu rechnen. Am ehesten sind lokale Überflutungen zu erwarten.

Am Samstag erreicht der Energiegehalt den höchsten Wert der bevorstehenden Witterungsphase, was vor allem auf die Erwärmung der unteren Luftschichten zurückzuführen ist. Gleichzeitig zieht sich aber die Höhenkaltluft auch ein wenig nach Westen zurück, sodass sich in der Bilanz bei der Labilität gegenüber dem Vortag nicht allzu viel ändert. Mit etwas mehr Sonnenschein dürften mehr Zellen entstehen, auch etwas mehr orographisch unterstützt vor allem am Jura und entlang der höheren Mittelland-Hügelzone. Die Höhenströmung bleibt auf Südwest, büsst aber etwas an Geschwindigkeit ein, was eine langsamere Verlagerung der Gewitter und somit ein höheres Überflutungspotenzial zur Folge hat.

Am Sonntag nähert sich aus Westen kühlere Luft, auf der nachfolgenden Karte grün, während die energiereichere Luft (gelb) durch Winddrehung auf West bis Nordwest an die Alpen gedrückt wird:

Damit verlagert sich die Schauer- und Gewitteraktivität an den Alpennordhang, während das Mittelland und der Jura wahrscheinlich bereits etwas entlastet werden. Am Abend bzw. in der Nacht auf Montag erreicht uns eine Kaltfront (in obiger Karte über Frankreich als Übergang zu den Blautönen zu erkennen). Hier ist noch fraglich, wie aktiv diese Front sein wird, gerät sie doch bereits unter bodennahen Hochdruckeinfluss. Etwas mehr Zunder dürfte von ihr zu erwarten sein, wenn sie dem Trend der Modellläufe folgt und noch etwas früher, also im tageszeitlich günstigeren Fenster bei uns eintrifft.

Der Montag stellt den Übergangstag zur erwähnten Hochdruckphase dar. Die Restfeuchte der Kaltfront wird durch nordwestliche Winde an die Alpen gedrückt, was am östlichen Alpennordhang noch mal ein paar Schauer auslösen kann. Weiter westlich verläuft der Tag mit einsetzender Bise bereits recht sonnig und trocken.

Am Dienstag und Mittwoch erwartet uns stabiles, sonniges und windschwaches Hochdruckwetter, wobei am Mittwoch erstmals verbreitet die Voraussetzungen für einen Sommertag mit Höchstwerten von 25 Grad und mehr geschaffen sind.

Am Donnerstag zieht das Hoch nach Osten und die Luft wird wieder etwas angefeuchtet, insbesondere wird sie durch kräftige Erwärmung auf 26 bis 28 Grad labil genug für lokale Wärmegewitter – die ersten frühsommerlichen Einzelzellen, diesmal aufgrund der kräftigen Schneeschmelze stärker ans Relief gebunden, dürften entstehen.

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