Gewittervorschau 22.-26.05.2016

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Letztes Jahr war am 13. Mai Saisoneröffnung.

Man kann sich beinahe darauf verlassen: Nach den durchgestandenen Eisheiligen – ob mit oder ohne Eis – ist Mitte bis Ende Mai die Zeit gekommen, die Saison mit der ersten Gewittervorschau zu eröffnen. Auch in diesem Jahr erreichen uns die ersten energiereichen Luftmassen aus Südwest bis Süd pünktlich und lassen uns nach dem einen oder anderen gewittrigen Vorgeplänkel der letzten Wochen erstmals über ernsthaftes Unwetterpotenzial spekulieren. Spekulation deswegen, weil zur energiereichen Luftmasse noch ein paar Zutaten mehr gehören, und diese sind je nach Modell auch 60 Stunden vor dem Ereignis noch nicht restlos geklärt. Insbesondere der abtrocknende Einfluss des Föhns sowie das tageszeitliche Timing und die exakte Position der potenziellen Gewitterzone müssen noch abgewartet werden, doch wir wagen mal eine Prognose zum möglichen Ablauf.

Die Grosswetterlage hält uns für den Sonntag einen Trog über Westeuropa bereit – eine jener Wetterlagen, die in der Regel ein hohes Unwetterpotenzial für die Schweiz verspricht:

20160520-blog2Vorderseitig des Trogs bringt eine Südströmung sehr warme und vorerst noch trockene Luft, über den Alpen stellt sich eine klassische Südföhnlage ein. Die Höhenkaltluft liegt noch über Frankreich und nähert sich am Abend der Schweiz, gleichzeitig wird die Grundschicht in der Westschweiz vom Rhonetal her allmählich angefeuchtet, während aus Osten mit Bise und aus Süden mit Föhn noch trockene Luft herangeführt wird. Die konvergierenden Luftströmungen sollen sich am Sonntagabend genau über der Schweiz treffen:

20160520-blog3Die Prognose der Luftmassen zeigt ein typisches Leetief auf der Alpennordseite, das in eine lange Tiefdruckrinne zwischen der Nordsee und dem Mittelmeer eingebunden ist. Inmitten dieser Tiefdruckrinne und völlig innerhalb der energiereichsten Luftmasse bildet sich eine deutliche Konvergenzzone aus (schwarz), während die Kaltfront noch weit im Westen verweilt (blau):

20160520-blog4Damit wären die wichtigsten Zutaten (energiereiche Luft und Konvergenz = Hebung) schon mal gegeben. Auch die Labilitätsindizien sind eindeutig:

20160520-blog5Die Frage die sich bei solchen Wetterlagen immer stellt ist jene nach dem abtrocknenden Einfluss des Föhns und wie lange dieser anhält. Auch entstehen bei solchen Lagen typische trockene Schichten und Inversionen in verschiedenen Höhen, welche die Entwicklung hemmen. Sehr schön ist dies auf der CIN-Karte zu sehen (gelb bis grün = starke Hemmung, rot schwache Hemmung):

20160520-blog6Abgesehen davon, dass sich die Details bis Sonntag noch ändern werden, können wir von einer länger anhaltenden Hemmung der Konvektion ausgehen. Die Bodenkonvergenz ist jedoch derart stark, dass der Deckel mit Sicherheit durchbrochen wird und dann geht die Post richtig ab. Die steuernde Höhenströmung kommt aus südlicher Richtung, sodass bei Auslöse aus dem Jura die Schweiz abgesehen von den nordwestlichsten Regionen am Nachmittag noch kaum betroffen sein wird. Spannend wird es ab jenem Zeitpunkt, wo die Auslöse aus den westlichen und zentralen Voralpen sowie konvergenzbedingt über dem Mittelland erreicht wird. Denkbar ist eine Gewitterlinie, die nur langsam nach Osten vorankommt. Durch die nach Norden ziehenden Zellen werden immer wieder dieselben Gebiete getroffen, sodass sich auf einem relativ schmalen Band über ein paar Stunden hinweg beträchtliche Niederschlagsmengen aufsummieren können. Die genaue Position dieser Linie ist noch nicht mit Sicherheit festlegbar, doch sind bei solchen Wetterlagen Zugbahnen von den westlichen Voralpen über die Region Bern bis Basel beliebt, das Napfgebiet bildet oft über längere Zeit die östliche Grenze. Erst mit Nachlassen des Föhns im Lauf der Nacht kommen die Gewitter deutlicher nach Osten voran, bedingt durch die tageszeitliche Verschiebung ist allerdings mit einer allmählichen Abschwächung zu rechnen. Trüb und nass bleibt es noch den ganzen Montag, wobei Schnee einmal mehr bis etwa 1500 m fällt, lokal auch tiefer.

Wagen wir noch einen Blick auf die weitere Entwicklung:

20160520-blog7Am Dienstag aus Westen allmähliche Wetterbesserung. Am Mittwoch wahrscheinlich sonnig und deutlich wärmer, erste lokale Schauer und Gewitter über den Bergen im Lauf des Abends möglich. Ab Donnerstag mit Südwestströmung wieder Zufuhr warm-feuchter Luftmassen mit noch ungewissem Anteil an Tiefdruckeinfluss, sprich Neigung zu Gewittern. Das wäre dann das Thema der nächsten Gewittervorschau, die Grosswetterlage birgt jedenfalls einiges Potenzial.

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