Gewittervorschau 04.-10.07.2014

Die bevorstehende Lage verspricht nach dem vielerorts zu trockenen Juni mehrfach den Vollwaschgang

Die bevorstehende Lage verspricht nach dem vielerorts zu trockenen Juni mehrfach den Vollwaschgang

Die vor einer Woche erörterte, für die Jahreszeit ungewöhnlich südlich verlaufende Frontalzone macht uns auch in den kommenden Tagen zu schaffen. Ein weit nach Süden vorstossender Trog über Westeuropa beschert uns eine im Hochsommer selten auftretende Südlage, wobei auf der Vorderseite des Troges sich bildende Teiltiefs für viel Dynamik in unserem Wetterablauf sorgen. Die Unwettergefahr ist potenziell hoch, aber in ihrem zeitlichen Ablauf leider nicht einfach abzuschätzen, zumal uns auch immer wieder der Föhn dazwischen funkt. Sehr spannend ist auch die weitere Entwicklung der Wetterlage von Dienstag bis Donnerstag kommender Woche, wo uns insbesondere das amerikanische Modell GFS, teilweise unterstützt vom kanadischen GEM immer wieder extreme Lösungen auftischt.

Für die erste knifflige Lage ist bereits der Freitag besorgt. Zwischen einem nach Osten abziehenden Höhenrücken und dem im Westen aufrückenden Trog baut sich eine stramme Südströmung über die Alpen auf. Der Föhn wird nach dem Warmfrontdurchgang des Vormittags (mit durchziehendem, eher schwachem Niederschlag) um die Mittagszeit seinen Höhepunkt erreichen und in den Alpentälern für Sturmböen von bis zu 100 km/h besorgt sein. Jahreszeitbedingt muss man damit rechnen, dass der Föhn auch weit ins Mittelland und bis an den Bodensee ausgreift. Damit ist für eine trockene Grundschicht in der Ostschweiz sowie eine starke Deckelung der ansonsten hochgradig labilen Luftschichtung gesorgt. Erwartungsgemäss bei solchen Lagen wird der Deckel nur entlang des Juras sowie in den westlichen Voralpen bis maximal zum Napf durchbrochen. Die dabei entstehenden Gewitter sind heftig, oft von Hagel und Sturm- bis Orkanböen begleitet (vergleichbare Lage mit dem 20. Juni 2013, Stichwort Eidg. Turnfest Biel). Die Zugrichtung aus SSW lässt bis in die Abendstunden Gewitter im westlichen und zentralen Mittelland, im Jura und am Juranordfuss erwarten. Normalerweise verdursten diese beim Eindringen in die Föhnluft weiter östlich, mit dem Zusammenbrechen des Föhns am Abend sind aber Gewitter auch hier nicht ausgeschlossen. Ziemlich sicher dürfte aber die rasche Verlagerung der Druckgegensätze zu einer Druckwelle durch das ganze Mittelland und in der Folge auch in die Alpentäler führen. Es ist somit ratsam, auch abseits der klassischen Föhngebiete alles sturmsicher zu machen.

Windverhältnisse in rund 3000 m am Freitagabend. Zu sehen ist die Föhnströmung sowie eine auf die Westschweiz übergreifende Konvergenz

Windverhältnisse in rund 3000 m am Freitagabend. Zu sehen ist die Föhnströmung sowie eine auf die Westschweiz übergreifende Konvergenz und der „Knick“ an der Kaltfront über Zentralfrankreich

In der Nacht auf Samstag ist mit weiteren gewittrigen Schauern zu rechnen, länger anhaltender und gewittrig durchsetzer Regen greift wahrscheinlich von der Alpensüdseite über das Gotthardgebiet und Nordbünden in die Ostschweiz über. Die eigentliche und wahrscheinlich nur noch schwach aktive Kaltfront zieht in den frühen Morgenstunden durch, danach stellt sich eine kurze Wetterberuhigung ein (postfrontale Subsidenz am Samstagvormittag). Am Samstagnachmittag sind aufgrund der in der Höhe vorhandenen Kaltluft und der bodennahen Aufheizung durch den hohen Sonnenstand weitere Gewitter möglich, sie dürften sich aber weitgehend auf die Berge beschränken und nicht besonders kräftig sein.

Am Sonntag steilt die Höhenströmung wieder auf Südwest bis Süd auf und leitet die nächste Föhnphase ein, die bis mindestens in die Nacht auf Dienstag anhält. Dabei wird aufgrund der Nähe zum westeuropäischen Trog nicht nur warme, sondern auch sehr feuchte Luft zu uns geführt. Der hemmende Einfluss des Föhns ist am Sonntag noch gering, sodass verbreitet mit der Auslöse von kräftigen Gewittern gerechnet werden muss.

Am Montag ist die Lage wieder ähnlich zu jener vom Freitag, wobei diesmal im Westen eine extrem scharfe Kaltfront lauert (Temperaturdifferenz Ostschweiz-Zentralfrankreich ca. 15 Grad). Das mehr oder weniger langsame Vorankommen dieser bestimmt über die Dauer einer Unwetterlage, die sich im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen hat. Insbesondere im Jura und in der Westhälfte des Landes können immer wieder durchziehende Gewitter für enorme Regenmengen sorgen. Ob diese Lage am Dienstag endet und von einer kühlen Witterungsphase mit allmählicher Wetterberuhigung (allerdings mit noch länger anhaltendem Regen bzw. Schnee bis gegen 1500 m in den Nordalpen) abgelöst wird, ist derzeit noch nicht sicher. Diese Variante wird vom europäischen Modell EZ bevorzugt:

Luftmassenverteilung mit eingezeichneten Strömungen (blau = kalt, schwarz = warm) am Mittwoch, 9. Juli nach dem europäischen Modell EZ

Luftmassenverteilung mit eingezeichneten Strömungen (blau = kalt, schwarz = warm) am Mittwoch, 9. Juli nach dem europäischen Modell EZ

Hingegen rechnet das amerikanische Modell GFS immer wieder mit einer neuen Teiltiefbildung irgendwo über Mitteleuropa. Das kann einerseits das Vorankommen der Kaltfront weiter verzögern und uns auch am Dienstag noch in der feucht-warmen und sehr gewitterträchtigen Luftmasse verbleiben lassen, andererseits besteht auch die Gefahr, dass uns nach einer kurzen Abkühlung aus Norden die über Osteuropa um das Tief herumgeführte feuchte Warmluft erreicht und für weiteres Ungemach sorgt:

Luftmassenverteilung mit eingezeichneten Strömungen (blau = kalt, schwarz = warm) am Mittwoch, 9. Juli nach dem amerikanischen Modell GFS

Luftmassenverteilung mit eingezeichneten Strömungen (blau = kalt, schwarz = warm) am Mittwoch, 9. Juli nach dem amerikanischen Modell GFS

Je nach Entwicklung der Lage werden wir an dieser Stelle mit einer Sonderausgabe informieren.

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